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Frauen mit

Frauen mit einer "Maria 2.0"-Fahne vor dem Dom in Münster

31.03.2022

Maria 2.0 – Wir wollen nicht mehr schweigen!

Am Anfang stand eine entsetzliche Erkenntnis: In der katholischen Kirche werden Fälle von sexuellem Missbrauch systematisch vertuscht und die Täter geschützt. „Jetzt reicht es uns!“, sagten sich Frauen in Münster. Schluss mit Männerbünden, die Kirche muss von Grund auf reformiert werden. Die anfangs kleine Gruppe gab sich den Namen Maria 2.0 und schrieb einen Brief an den Papst. Darin forderten die Frauen ein Ende der Vertuschung, ein Ende des Pflichtzölibats, eine neue Sexualmoral und Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche. Zehntausende setzten ihre Unterschrift darunter. Aktionen wie ein Kirchenstreik der Frauen oder eine Menschenkette um den Kölner Dom stützten das Anliegen. Das war 2019. Seitdem ist die Bewegung angewachsen, hat sich international vernetzt, deutschlandweit sind tausende Gläubige beteiligt. 

Der Frauenbund begleitet die Initiative unter dem Motto: „Maria, schweige nicht!“ 

„Wir wollen nicht mehr den Mund halten“, sagt Claudia Schmidt, Geistliche Beirätin des Frauenbundes in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wo seit 2019 drei neue, kirchenpolitisch engagierte Zweigvereine entstanden sind. „Die Männerkirche hat Maria zur jungfräulichen Mutter stilisiert, die von oben empfängt, was sie zu tun hat und sich stillschweigend fügt“, erklärt sie. Daraus ergebe sich das traditionelle Frauenbild der Kirche. „Wir aber wollen nicht mehr schweigen, sondern beziehen Stellung, wenn Männer uns den kirchlichen Platz zuweisen“, sagt Schmidt.  

Rotraut Röver-Barth, Vorsitzende des KDFB in Köln, gehört zu den Frauen der ersten Stunde. Sie freut sich darüber, dass die Forderungen von Maria 2.0 inzwischen auf dem Synodalen Weg verhandelt werden. „Endlich haben die Frauen in der Kirche eine Stimme bekommen“, sagt sie.  

Der Kölner Frauenbund beteiligt sich an Aktionen der Bewegung und veröffentlicht Stellungnahmen dazu. „Wir begleiten die Initiative auch spirituell, mit Frauenpredigten und regelmäßigen Andachten, mit Gesprächen, Gesang und Gebet. Das ist den Frauen wichtig“, erklärt Röver-Barth. Hoffnung macht ihr, dass auch jüngere Frauen mitmachen und ihre Kinder mitbringen.  

Das Marienbild der demütigen Jungfrau müsse dringend geändert werden, „damit können junge Menschen gar nichts anfangen“, ist die ehemalige Lehrerin überzeugt. Die Reformbewegung beruft sich auf die biblische Maria, die das Magnificat singt und laut von einem Umsturz der Machtverhältnisse spricht. Die Regisseurin Katrin Richthofer, Mitbegründerin von Maria 2.0 in München, schätzt die Kirche als eine „Gemeinschaft, die Halt geben kann“. Damit aber auch ihre Töchter in der Zukunft gerne Katholikinnen sind, müsse das Frauenbild der Kirche im 21. Jahrhundert ankommen. „Meine Maria ist aktiv und zupackend“, sagt sie. 

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