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Gemeinsam stark werden: Eltern-Kind-Gruppen im KDFB

01.02.2024

Sie sind ein Erfolgsschlager. Mit ihren Eltern-Kind-Gruppen stärken viele Diözesen des KDFB Mütter, Väter und Kinder. Dort geht es um viel mehr als Spielen. Denn zusammen einen neuen Lebensabschnitt zu gestalten, bringt mehr Freude, Sicherheit und neue tragfähige Kontakte. Und die können gerade Frauen und Kinder in dieser Phase gut gebrauchen.

Wir wollen uns begrüßen und stampfen mit den Füßen…“ klingt es jeden Donnerstagvormittag durch das Pfarrheim der Christkönig-Gemeinde in Augsburg. Acht Kinder zwischen knapp einem und zweieinhalb Jahren und ihre Mütter sitzen auf einem großen ausgerollten Teppich. „Der Aaron ist da, die Laura ist da…“, werden alle nacheinander begrüßt. Auch die Jüngsten freuen sich schon, wenn sie und ihre Mama, selten auch mal ein Papa, von der Runde willkommen geheißen werden. „Zusammen sind wir stark“, endet das Begrüßungslied. Darin liegt viel Wahres. Denn Gruppen wie diese tragen dazu bei, dass Eltern und Kinder einen guten Start ins gemeinsame Leben und ins soziale Miteinander finden. Kinder verändern das Leben von Grund auf. Eltern müssen in ihre Rolle erst hineinwachsen, wenn sich ihr Leben innerhalb von kurzer Zeit einmal komplett gedreht hat. Mit ganz viel Verantwortung und ganz viel Gefühl. Mit tausend neuen Fragen und zig wachen Nächten. Es braucht vieles, um den Alltag als Familie zu bewältigen. Und es tut gut, andere große und kleine Menschen in der gleichen Situation zu erleben.

Feste Struktur gibt den Kindern Sicherheit

Laura Czerwenka leitet die Gruppe im Augsburger Pfarrheim. „Wir haben eine feste Struktur bei unserem wöchentlichen Treffen, das gibt den Kindern Sicherheit. Ein klarer Anfang, ein klares Ende. Dazwischen ein Morgenkreis mit Fingerspiel, einem Kniereiter, manchmal einem Bewegungslied und dann ganz viel Freispielzeit“, erzählt sie. Da werden mit weißen Chiffontüchern die Schneeflocken im Winter besungen. An Fasching wird es bunt, und die Farben werden gleich mitgelernt. Laura Czerwenka hatte selbst eine Gruppe für sich und ihren damals knapp einjährigen Sohn gesucht. Doch außer Wartelistenplätzen war nichts zu finden. Kurzerhand hat die gelernte Erzieherin angeboten, eine weitere Gruppe in ihrer Pfarrgemeinde aufzumachen unter dem Dach des KDFB. Das ist wichtig, weil so alle Teilnehmerinnen versichert sind und der Frauenbund Begleitung, Ausbildung und Praxisideen beisteuert. Wer sich vorstellen kann, eine Gruppe zu leiten, wird nicht alleingelassen. In Augsburg gibt es eine Grundlagenschulung und immer wieder Aufbauseminare. Auch viele andere Diözesanverbände des KDFB bieten Schulungen für Leiterinnen an und begleiten diese auf ihrem Weg.
„Das freie Spiel, bei dem sich die Kinder selbst aussuchen, was sie tun möchten, nimmt einen wichtigen Platz in den Gruppen ein“, erklärt Anne Minnerrath, Eltern-Kind-Referentin beim KDFB Diözesanverband Augsburg. „So haben Eltern die Gelegenheit, ihr Kind einfach mal zu beobachten: Was sucht es sich aus? Wie reagiert es auf die anderen Jungen und Mädchen? Ohne dass man, wie zu Hause, noch viele Dinge nebenbei erledigen muss.“

Erste Gruppenerfahrungen im geschützten Raum

„Gerade für Kinder ab einem Jahr ist es ein Riesengewinn, Teil einer solchen Gruppe zu sein“, erklärt Anne Minnerrath. „Und im ersten Lebensjahr ist es vor allem ein Riesengewinn für Mütter oder Väter. Eltern wollen und müssen rauskommen in dieser herausfordernden Zeit. So lassen sich Kontakte schließen für ein starkes Netz. Man wird es brauchen in den kommenden Jahren“, sagt sie. Erste Freundschaften bei den Kindern und langjährige Freundschaften zwischen den Müttern entstehen häufig aus den wöchentlichen Treffen.
Sich voneinander etwas abschauen, Jüngere und Ältere treffen und zusammen lachen. Kinder profitieren in ihrer sozialen Entwicklung, wenn sie in einer überschaubaren Runde mit ihrer Bezugsperson erste Gruppenerfahrungen machen können. „Ich erinnere mich noch sehr gut, wie mein Sohn zum ersten Mal einen Säugling in der Gruppe gesehen hat. Er ist vorsichtig in die Nähe gegangen, hat die Mutter fragend angesehen und als diese genickt hat, hat er dem Baby ganz behutsam übers Händchen gestrichen. Das hat mich sehr berührt“, erinnert sich Laura Czerwenka. Die Erzieherin hat auch einen Tipp parat für Gruppen, die sich neu bilden: „Am besten zum Start gemeinsam überlegen, welche Regeln gelten sollen. Bei uns ist die Eltern-Kind-Gruppe von allen Erwachsenen zur Handy-freien Zone erklärt worden. Das tut dem Miteinander gut.“

Claudia Klement-Rückel

Ein Gewinn für Eltern und Kinder

  • Warum Eltern die Gruppe gut tut
    • Unbezahlbar: der Austausch mit anderen in der gleichen, meist neuen Situation
    • Eine neue Struktur und etwas zum Darauffreuen: Für viele ist das feste Treffen ein Highlight der Woche.
    • Ein Netz spannen: Besonders, wenn man frisch zugezogen ist, helfen die Kontakte aus der Gruppe sehr.
    • Ideenkiste: Mit den Spielen und Liedern aus der Eltern-Kind-Gruppe wird auch das Familienleben bunter.
  • Wie Kinder von der Gruppe profitieren
    • Abschauen erlaubt: Wie machen die das? Lernen am Modell ebnet oft den Weg für den nächsten Schritt.
    • Die Sprachentwicklung bekommt viele Kicks: Kinder wiederholen auch zu Hause die gesungenen Lieder.
    • Kumpels für den Spielplatz: Erste Freundschaften bilden sich heraus und halten oft lange.
    • Ich gehöre dazu: erste Gruppenerfahrungen in einer überschaubaren Runde

Ideen für die Eltern Kind Gruppe

Spielen mit Alltagsdingen

  • Hoch und runter: Jedes Kind darf ein Kuscheltier mitbringen.  
    Abwechselnd wird eines auf eine Decke gelegt, alle stellen sich drum herum, heben die Decke hoch und
    runter, während sie folgenden Vers dazu sprechen:
    Hoch und runter, hoch und runter,
    meine Hände sind ganz munter,
    hoch und runter ohne Ruh,
    geht es heute immerzu.
  • Gegensätze mit Flaschen erkunden: Durchsichtige 0,5-Liter-Flaschen mit unterschiedlichen Materialien füllen und fest zudrehen, gegebenenfalls mit Heißkleber verschließen. Darauf achten, dass durch die Füllung Gegensätze erzielt werden: laut und leise (Nudeln und Reis), hell und dunkel (Mehl und Kaffee), leicht und schwer (Steine und Watte) und so weiter.
  • Wäscheklammernsalat: Verschiedenfarbige Wäscheklammern und einfarbige passende Schachteln bereitstellen. Die Wäscheklammern können zum Farbenlernen in die passende Schachtel einsortiert werden.

Gemeinsam das Leben feiern

  • Gottes Liebe spüren: Kleine spirituelle Impulse können nach Erfahrung von Eltern-Kind-Referentin Anja Herzog schon bei den Kleinsten das Gruppenleben sehr bereichern. Dafür eignet sich zum Beispiel dieses Kuschelgebet:
    Komm kuschel dich ganz nah an mich.
    Dann spür ich dich, und du spürst mich.
    Grad so nah wie du bei mir
    ist der liebe Gott bei dir.
    Und ich weiß, genau wie mich
    liebt der liebe Gott auch dich!
  • Glücksstein: Jedes Jahr im Juli ist es für einen Teil der Kinder so weit: Sie werden in der Gruppe verabschiedet, weil nach den Sommerferien die Kita- oder Kindergartenzeit beginnt. Ein schönes Abschiedsgeschenk ist ein flacher Stein, auf dem jeweils ein Kind einen Fingerabdruck mit roter Fingerfarbe macht. Die Erwachsenen können dann mit einem schwarzen Fineliner-Stift einen Marienkäfer daraus entstehen lassen.

Frühling und Sommer begrüßen

  • Gabeltulpen: Auf diese Art können auch schon sehr junge Kinder bunte Frühlingsbilder gestalten. Die Gabel in einen Klecks Fingerfarbe auf einem Teller tauchen und auf Papier abrollen. Je nach Alter der Kinder können die Erwachsenen bei den Blumenstielen und Blättern helfen, oder die Kinder können sie mit dem Zeigefinger tupfen.
  • Schmetterlingsdruck: Kinderleicht lassen sich Schmetterlinge
    im Schwammdruck herstellen. Dazu einfach die Mitte des Schwamms fest abbinden und so die beiden Flügel nachahmen. Anschließend
    den Schwamm in Farbe tauchen und den Schmetterling auf Papier
    stempeln: Die Eltern können mit Stift oder dünnem Pinsel Körper
    und Fühler ergänzen!
  • Ölsteine: Gemeinsam mit den Kindern bei einem Spaziergang Steine sammeln. Anschließend können die Kinder ihre Steine mithilfe von Wasser, Bürsten und Tüchern waschen, reinigen und trocknen. Dann reiben sie die Steine mit Baby-Öl ein, bis sie glänzen. Das Einölen macht Kindern riesigen Spaß, sie können dafür Hände oder Pinsel benutzen.

Herbst und Winter gestalten

  • Kastanienrollen: Einfach eine Schale mit Kastanien befüllen und den Kindern leere Toilettenpapier- und Küchenrollen zur Verfügung stellen. Die Kinder kommen meist sehr schnell darauf, dass man die Kastanien durch die Röhren rollen oder stecken kann. Wer möchte, kann an einer Wand mit Kreppband und schräg angeklebten Küchenrollen auch eine kleine Kastanienbahn gestalten, bei der die Kastanien oben eingeworfen werden und unten wieder herauskullern.
  • Kerzen aus Bienenwachs: Die älteren Kinder der Gruppe können schon fast selbstständig
    Bienenwachskerzen für die Gruppe rollen. Gebraucht werden nur Wachsplatten, Dochte und ein Föhn, um die Platten etwas zu erwärmen, damit sie für die Kinder leichter rollbar sind. Auf diese Weise können auch die Kerzen für den Adventskranz der Gruppe gestaltet werden.

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