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Das eigene Leben liebevoll in den Blick nehmen

Andrea Parzefall, Foto: privat

Andrea Parzefall, 55, KDFB-Frau aus Waldkirchen im Landkreis Freyung-Grafenau, ist Lehrtrainerin beim Verein „LebensMutig – Gesellschaft für Biografiearbeit“ und gibt unter anderem Seminare zu den Themen Kindheit, Glaube, Heimat, Musik und Gesundheit.  

KDFB Engagiert: Warum sind Erinnerungsreisen wichtig?

Andrea Parzefall: Es ist gut, wenn wir neugierig bleiben und wichtige Orte unseres Lebens wieder besuchen. Sicher verklärt sich so einiges in der langen Zeit, aber irgendwie bleibt da ein Zauber. Diese besonderen Plätze unserer Vergangenheit sind für mich wie Seifenblasen. Wir möchten sie noch einmal anschauen. Manche zerplatzen. Aber viele bleiben ganz und bringen uns zum Staunen! 

KDFB Engagiert: Welche Bedeutung können Erinnerungsreisen Ihrer Ansicht nach für die eigene Identität gewinnen? 

Andrea Parzefall: Bei einer solchen Zeitreise geht es nicht nur um die Lebensrückschau, sondern auch um einen neuen Blickwinkel für die eigene Zukunft: Die Vergangenheitsfrage „Wo komme ich her?“ kann zur Gegenwartsfrage „Wo stehe ich gerade?“ und weiter zur Zukunftsfrage „Wo will ich hin?“ führen.  Diese drei Fragen sind auch zentrale Fragen der Biografiearbeit, die Menschen in Seminaren oder Coachings hilft, ihr Leben liebevoll in den Blick zunehmen, Erlebtes zu sortieren und neue Wege für die Zukunft zu finden. Durch Biografiearbeit habe ich gelernt, meinen bisherigen Lebensweg anzuschauen, und den Mut bekommen, die Richtung weitgehend selbst zu bestimmen.

KDFB Engagiert: Wie geht man mit der Gefühlsflut um, die bei einer solchen Zeitreise hochkommen kann? 

Andrea Parzefall: Eine Erinnerungsreise hilft, Ereignisse und Folgen neu zu deuten – das ist schmerzvoll oder wohltuend. Erst mal ist es gut, wenn wir die Gefühle zulassen, weil sie „richtig“ sind und rausmüssen! Reisen an wichtige oder auch kritische Orte der eigenen Vergangenheit sollten besser nicht allein unternommen werden, sondern lieber mit der Familie, mit FreundInnen oder in einer Gruppe. Dann ist jemand dabei, mit dem die Erlebnisse und Eindrücke besprochen werden können. Wer mit einer Reisegruppe zum Beispiel die verlorene Heimat in Ostpreußen, Pommern oder Schlesien besucht, kann zu der Erkenntnis kommen: „Ich bin nicht allein“ oder „Mir geht es genauso wie dir!“

Interview: Karin Schott
aus: KDFB Engagiert 7/2018

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