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Mir pfeift keiner mehr nach: Na und?

Wer es in der Lebensmitte schafft, sich von den Blicken der anderen unabhängig zu machen, gewinnt eine neue Freiheit. Foto: istockphoto.com/laflor

Ältere Männer. Sie gelten als kompetent und erfahren, die weißen Schläfen als distinguiert bis sexy.  Bei Frauen ist das anders.

„Männer können in der zweiten Lebensphase mit Wohlwollen, selbst mit Bewunderung rechnen. Frauen erwartet dagegen ein unerbittliches, teils vernichtendes Urteil“, beklagt die 61-jährige Journalistin Bascha Mika, frühere Chefredakteurin der linksalternativen Tageszeitung taz in ihrem Buch „Mutprobe. Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden“. Frauen stünden unter einem „wahnsinnigen Druck“. Am Älterwerden, so Mika, zeige sich die Benachteiligung von Frauen noch mal in aller Deutlichkeit. Auch der Heidelberger Alternsforscher Hans-Werner Wahl bestätigt: Frauen sind in stärkerem Maße als Männer negativen Altersstereotypen ausgesetzt. Die Faktoren „Frau“ und „Alter“ zusammengenommen sind eine doppelte Benachteiligung.

Doch solange sich diese diskriminierende gesellschaftliche Wahrnehmung nicht ändert, bleibt nur eines: den eigenen Weg suchen. Klar nagt es erst mal, wenn die gewohnte männliche Bewunderung allmählich ausbleibt und spontane Flirts Seltenheitswert bekommen. Andererseits: Welche Frau hat es nicht genervt, wenn ihr vom Baugerüst aus nachgepfiffen wurde? Welche Frau hat nicht erlebt, dass Anmache lästig bis bedrohlich werden konnte? Wenn keiner mehr pfeift, dann schafft das auch eine neue Freiheit: sich von den Blicken der anderen unabhängig zu machen. Und von ihren Meinungen. Also: Pfeifen wir drauf!

 

Autorin: Susanne Zehetbauer
aus: KDFB engagiert 8+9/2019

 

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