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Joggen für die Umwelt

Joggen und dabei Müll sammeln: das könnte bei vielen Frauengruppen ein neuer Trendsport werden. Foto: Bardehle

Wenn Uta Reykers die Laufschuhe schnürt, greift sie mitunter auch nach Arbeitshandschuhen und einem Beutel. Die Münchnerin hat einen Trend für sich entdeckt, der aus Skandinavien stammt.Plogging heißt die Sportart, die Bewegung mit Umweltschutz verbindet. Plogging setzt sich zusammen aus Jogging und dem schwedischen Wort „plocka“, was so viel wie aufheben bedeutet.

Etwa alle vier Wochen macht sich die junge Frau gemeinsam mit anderen Freiwilligen auf den Weg durch den Englischen Garten in ihrer Heimatstadt. Was an Müll auf der Wegstrecke liegt, wird eingesammelt. Kronkorken, Zigarettenverpackungen, Eislöffel, Plastikfolie, Pfandflaschen – es kommt einiges zusammen. Manche Gemeinden kennen das von einer jährlichen Aufräumaktion, oft Ramadama genannt (bayrisch für „Wir räumen auf“). Neu ist die Verbindung mit Sport, bei der man sich auch selbst etwas Gutes tut.

Uta Reykers ist Mitglied des Vereins rehab republic, der sich zum Ziel gesetzt hat, Umweltschutzaktionen ohne erhobenen Zeigefinger zu gestalten: „Yeah statt Buh – ist sozusagen unser Slogan.“ Und das gemeinsame Sammeln bringt tatsächlich Spaß. „Das Thema Müll beschäftigt uns schon seit einiger Zeit. Vielen ist nicht be­wusst, dass gerade Kippen gefährlicher Abfall sind, weil das Gift leicht in den Boden und ins Grundwasser gelangt“, erklärt Reykers.

Auch Ältere machen mit

Die Plogger haben eine Facebook-Gruppe mit dem Titel „Plogging in München“ gegründet und geben dort ihre Termine für gemeinsames Sammeln bekannt. „Die Gruppe hat jetzt schon über 200 Mitglieder“, freut sich Uta Reykers. „Aber dort können sich Leute natürlich auch für andere Treffpunkte verabreden, wenn sie lieber in einem anderen Stadtviertel laufen und sammeln gehen wollen.“ Am Anfang der Aktion steht immer eine kurze Besprechung der Route und des Ablaufs.

Zu den gemeinsamen Aktionen kommen nicht nur junge Leute, auch Familien mit Kindern und Ältere sind dabei. Etwa zwanzig MitstreiterInnen sind es meist. „Wer aus gesundheitlichen Gründen lieber geht als läuft, kann genauso mitmachen. Es ist trotzdem noch sportliche Betätigung, und das Bücken beschert nicht selten auch einen deutlichen Muskelkater“, weiß Reykers aus eigener Erfahrung. Ihr ist es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die sie unterwegs trifft, und über Umweltthemen zu reden. Angesprochen wird die Gruppe häufig, wenn sie in Parks oder Grünanlagen aufräumt. Anerkennende Kommentare wie „Macht ihr das freiwillig? Super!“ motivieren zusätzlich.

Eine Stunde lang wird normalerweise gesammelt, dann trifft sich die Gruppe wieder, sodass man auch sein Tempo selbst wählen kann. Zum Abschluss wird sortiert: „Wir gehen dann gleich zur nächsten Wertstoffinsel und entsorgen den Müll.“ Manchmal nicht ohne vorher noch in fotografischen Müll-Stillleben festzuhalten, was entlang von Spazierwegen so alles zu finden ist.

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 11/2018