KDFB

Ein Plädoyer für Versöhnung

75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges unterstreicht der Frauenbund sein Engagement für den Frieden in der Welt. Er setzt sich für Gerechtigkeit und Versöhnung ein – aus dem christlichen Glauben heraus. „Glaube“ ist ein Schwerpunkt der KDFB-Kampagne bewegen.

 

Als der Frauenbund 1903 in Köln gegründet wurde, war, politisch gesehen, Friedenszeit. Allerdings herrschten Unfriede und große Ungleichheit zwischen den Gesellschaftsschichten. Deshalb stand auch auf der ersten Generalversammlung des Frauenbundes das Referat von Elisabeth Gnauck-Kühne zur Arbeiterinnenfrage als Punkt 1 auf der Tagesordnung.

Gnauck-Kühne gilt als erste deutsche Sozialpolitikerin. Sie nahm in ihrem Vortrag Frauen in den Blick, die ungelernte Tätigkeiten ausübten. Frauen, die keinen Zugang zu Bildung hatten, deutlich schlechter bezahlt wurden als Männer, täglich mehr als elf Stunden in Fabriken und Büros arbeiteten, damit die Familien überlebten. Dagegen galt die Erwerbsarbeit von Frauen in bürgerlichen Schichten als unschicklich. Die sozialen Spannungen dieser Zeit waren enorm. In der Geburtsstunde des Frauenbundes schwiegen zwar die Waffen, aber es war nicht gut bestellt um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland.

 

Glauben und Leben lassen sich nicht trennen

 

Frieden – der Frauenbund versteht darunter zu jeder Zeit mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er sorgt sich um den Frieden im Kleinen wie im Großen, denn Frieden ist nicht einfach Stillhalten und Ruhe geben: Frieden braucht Engagement! Der Frauenbund sorgt sich um sozialen Frieden in einer Gesellschaft voller unüberwindbar erscheinender Unterschiede, in der Frauen und Mädchen benachteiligt werden. Er sorgt sich um eine Kirche, in der Ungleichheit herrscht, die den Missbrauch von Kindern vertuscht hat und Frauen aus Weiheämtern ausschließt. Und es geht ihm um den Frieden im Großen, zu dem auch das ökologische Engagement gehört, in der einen Welt, für eine lebenswerte Zukunft aller Menschen.

„Die Arbeit des Verbandes versteht sich als politische Arbeit“, heißt es im Kölner Anstoß, der programmatischen Grundsatzerklärung des KDFB, verfasst zum hundertjährigen Bestehen des Verbandes. „Besonders da, wo diese Arbeit ausdrücklich Fragen des zusammenwachsenden Europas und der Einen Welt aufgreift, versteht sie sich als Arbeit am Frieden der Welt.“

Das Engagement von Frauenbundfrauen ist immer auch ein politisches Engagement, gespeist aus dem Glauben, dass Glauben und Leben nicht zu trennen sind. „Glaube ist nicht Lernstoff, sondern Lebensstoff“, betont der Kölner Anstoß. „Der Glaube, den uns unsere Mütter vorgelebt haben, ist uns anvertraut, damit wir ihn mit Leben füllen und weitergeben: Glaube wird erfahren und ist in Bezug auf unsere Zeit zu verwirklichen.“ Aus dieser Haltung heraus verbindet der Frauenbund auch den Kampagnen-Schwerpunkt „Glaube“ mit dem Motto „Wir bewegen Gesellschaft“.

 

Ohne Gleichberechtigung lässt sich die Welt nicht befrieden

 

Frieden braucht Menschen, die sich für ihn starkmachen. „Im Frauenbund gibt es genau diese Menschen. Frauen nehmen die Botschaft Jesu Christi ernst und setzen sich auf vielfältige Weise für eine friedvolle Zukunft ein“, sagte KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth anlässlich der Frauenfriedenswallfahrt des Frauenbundes im Mai 2017. „Als Christinnen sind wir aufgerufen, am Reich Gottes so mitzuwirken, dass es für die ganze Menschheit erfahrbar wird. Möge Gott und mögen wir selbst uns dafür Kraft und Mut zur Veränderung und Umkehr schenken.“

Wege des Friedens können weit sein. Einige Frauenbundfrauen haben sie 1995 bis zur Weltfrauenkonferenz nach Peking geführt. 25 Jahre ist das her, und immer noch gelten die dort verabschiedeten Beschlüsse als Durchbruch für Frauenrechte weltweit. „Gleichberechtigung, Frieden und Entwicklung“ lautete das Motto der Pekinger Konferenz. Die 9000 Delegierten aus 189 Staaten verabschiedeten nach konfliktreichen Verhandlungen die „Aktionsplattform“, ein umfangreiches Dokument mit zahlreichen Forderungen und Vorschlägen, um die Lebenssituation und die Rechte von Frauen und Mädchen weltweit zu verbessern.

 

Frauenrechte als Menschenrechte

 

Gefordert wurde unter anderem, dass Frauen stärker an der gewaltfreien Beilegung von bewaffneten Konflikten beteiligt werden sollten. Frauen, die in Krisengebieten oder unter fremder Besatzung leben, sollen Schutz erhalten. Im Sinne der Pekinger Aktionsplattform verabschiedete der UN-Sicherheitsrat schließlich im Jahr 2000 die UN-Resolution 1325. Erstmalig waren die Mitgliedstaaten der UN, besonders Konfliktparteien, aufgerufen, die Rechte von Frauen zu schützen und Frauen gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktschlichtung und den Wiederaufbau einzubeziehen. Die Resolution gilt als Meilenstein zur Beachtung und Ächtung sexueller Kriegsgewalt gegen Frauen und Mädchen; sie ist ein wichtiger Beitrag zur Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit und Achtung der Frauenrechte als Menschenrechte.

Beflügelt von diesen Fortschritten auf internationaler Ebene, verabschiedete der Frauenbund 2002 die Erklärung „Frieden fällt nicht vom Himmel – Frauen fordern Gerechtigkeit“. Der Frauenbund unterstreicht darin, wie wichtig es ist, Frauen weltweit in ihren Bemühungen zu stärken, Gewalt zu überwinden und friedensfördernde Bedingungen dauerhaft zu etablieren. Eine Aufgabe, die bis heute nicht an Aktualität verloren hat.

 

Frauenfriedenskirche: Zu Stein gewordener Friedenswille

 

Während des Ersten Weltkrieges steht Hedwig Dransfeld als Präsidentin an der Spitze des Frauenbundes. Von 1916 an wächst in ihr immer stärker die Vision von einer Wallfahrtskirche, einem Mahnmal für den Frieden. Alle katholischen Frauen sind aufgerufen, einen Beitrag zu leisten, um den Bau zu ermöglichen. 18 Frauenorganisationen beteiligen sich und sammeln Geld. Die Fertigstellung der monumentalen Kirche erlebt Dransfeld nicht mehr. Wenige Wochen vor ihrem Tod am 13. März 1925 schreibt sie: „Wir wollen für den Frieden inständig bitten, ohne Unterlass. Im Geiste sehe ich die Kirche vollendet, eine Wallfahrtskirche, zu der Tausende und Tausende strömen, um anzubeten, zu danken, zu opfern.“

 

Eine Wallfahrt für den Frieden

 

Seit 1929 ist die Frauenfriedenskirche fest mit dem Friedensengagement des KDFB verbunden. Zeitzeuginnen schildern die erste Wallfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg als besonders beeindruckend. Die Kirche hatte schlimme Schäden davongetragen. Eineinhalb Jahre war sie ohne Dach. Im Mai 1947 aber pilgern 5000 Frauen nach Frankfurt. Der ganze Tag ist dem Gebet gewidmet. „Die Kirche wurde nicht leer“, beschreibt damals KDFB-Frau Martha Rohrbach den Wallfahrtstag. „Und wer gesehen hat, wie der schweigende Strom der Frauen vom Morgen bis zum Abend durch die Krypta zog, wie jede ihren verborgenen Schmerz und ihr innerstes Wort vertrauensvoll vor der Pietà niederlegte, der weiß, dass in diesen Müttern unser armes Volk noch immer in der Barmherzigkeit Gottes steht.“

Bis heute unterstreicht der Frauenbund alle zwei Jahre mit einer Wallfahrt sein Engagement für den Frieden. In diesem Jahr fällt sie aus. Dennoch bleibt die Verpflichtung zum Engagement für den Frieden und zur Stärkung der Demokratie erhalten.

 

 

aus: KDFB engagiert 5/2020
Autorinnen: Ute Hücker/Gaby Klöckner/Eva-Maria Gras