KDFB

Ein Funke soll überspringen

Regina Groos Bramel, Foto: Klöckner

Sie soll kurzfristig einspringen. Beim Reiterzeltlager an Pfingsten ist der Pfarrer ausgefallen, und die Gruppe will eine Andacht mit Ansprache. Regina Groot Bramel, als Pferdewirtin und Reittherapeutin immer eng mit Tieren im Kontakt, sagt gerne zu. Eine bunte Schar wird an der Andacht teilnehmen, Menschen aller Weltanschauungen warten auf sie: Christen, denen der Gottesdienst sehr wichtig ist, solche, die sich dazusetzen, weil es zum gemeinsamen Zeltlager gehört, und viele Kinder. Herumlaufende Hunde runden die schöne Freiluftatmosphäre ab. Noch auf dem Weg überlegt sie, wie sie das Kyrie so gestalten kann, dass es für die Menschen nicht wieder nur eine Bilanz des Bösen und Schlechten ist.

Appell an Gott: Mist in guten Dünger verwandeln

Gerade rechtzeitig kommt ihr die passende Idee, und sie sagt: „Was uns hier alle verbindet, wenn wir am Morgen zu den Pferden gehen und die gemütlich ihr Futter kauen, ist, wir schieben erst mal den ganzen Mist zusammen, der sich über Nacht angesammelt hat, und fahren ihn zu dem großen Haufen. Und wenn wir uns am Sonntag zum Gottesdienst versammeln, dürfen wir dasselbe tun. Zu Beginn den ganzen Mist zusammenschieben, der sich über die Woche oder in der letzten Zeit angesammelt hat. Wir dürfen ihn Gott zuschieben und ihn bitten, dass er guten Dünger daraus macht.“

Hinterher ist wieder Ordnung

Sie ist überzeugt, dass das alle Leute verstehen und auch klar wird, dass das etwas sehr Befreiendes ist. Hinterher ist wieder Ordnung, und dann wird noch etwas Gutes daraus. Für Regina Groot Bramel, die in Eiershausen, einem kleinen Dorf in Mittelhessen, lebt, ist das Predigen zu einem wichtigen Teil ihres Glaubenslebens geworden. „Wenn es das nicht wäre, hätte ich keine Motivation. Es hat immer etwas mit mir persönlich zu tun, und ich fühle mich beschenkt, wenn ich mich intensiv mit einem Text befassen konnte.“

In die Gesichter der Menschen schauen

Diese Leidenschaft hat Regina Groot Bramel früh entwickelt. „Schon als Kind hatte ich den Wunsch, Menschen ein gutes Wort zu sagen.“ Damals noch in Frankfurt, wird sie eine der ersten Ministrantinnen ihrer Pfarrei und bemerkt oft, dass bei den Predigten etwas fehlt. „Der Pfarrer redet, und wenn man in die Gesichter der Leute schaut, was man ja als Messdienerin kann, dann bleiben sie leer, kein Funke springt über.“ Es ist ihr sehr wichtig, dass bei ihren Predigten ein Funke überspringt.

Und dass ihr das gut gelingt, zeigt auch die Auszeichnung mit dem Ökumenischen Frauenpredigtpreis, den ihr KDFB und Deutscher Evangelischer Frauenbund Ende vergangenen Jahres verliehen haben. Um das Wort Gottes lebendig werden zu lassen, holt sie sich Beispiele aus dem Alltag ihrer Großfamilie. Die Sozialpädagogin hat ein Haus voller Kinder, vier eigene und sechs Pflegekinder. „Ich erlebe die Herkunftsfamilien der Pflegekinder hautnah in ihren Schwierigkeiten, und da fällt mir viel ein, was die Menschen heute beschäftigt.“ Genauso nimmt sie Anteil am Schicksal der etwa 50 Kinder mit Behinderung, deren schwierige Lebenswege sie als Reittherapeutin begleitet.

Predigen in der Diaspora

Für die theologische Fundierung ihrer Predigten hat sie „Theologie im Fernkurs“ absolviert und war einige Jahre in der Gemeindearbeit und als Religionslehrerin tätig. „Für mich ist es selbstverständlich zu predigen. Hier in der Diaspora sind die Menschen froh und dankbar für Wort-Gottes-Feiern, Andachten und Impulse zum Nach- und Weiterdenken.“ So hat sie zwar keine Schwierigkeiten zu predigen, doch es gibt auch keine offizielle Beauftragung, was sie als ungerecht empfindet. Und sie ist überzeugt, dass es noch dauern wird, bis die verantwortlichen Männer merken, worauf sie verzichten, wenn sie die Frauen nicht zu Wort kommen lassen. Doch diese Zurücksetzung ist ihr nicht so wichtig, denn: „Das Wort des lebendigen Gottes ist in beständiger Gefahr, eingemottet zu werden und irgendwo vor sich hin zu verstauben, wenn nicht immer wieder neue Menschen, egal welchen Geschlechts, sich dieses Wortes annehmen, es hervorholen, aufpolieren und den Menschen so zeigen, dass sie es in ihr Leben mitnehmen.“ 

Autorin: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert 7/201

 

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