KDFB

Die Kirche erneuern

Eine leidenschaftliche Frauenbundfrau: Religionspädagogin Karin Walter ist Vorsitzende des KDFB in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Foto: Corinna Dintheer

„Wir haben vielen aus dem Herzen gesprochen“, sagt Karin Walter. Die Diözesanvorsitzende von Rottenburg-Stuttgart hat bei der Aktion Maria 2.0 für einen Strukturwandel in der Kirche Stellung bezogen.

Sie kann sich noch genau an ihre ersten beiden Gedanken erinnern, als sie von den Münsteraner Frauen hörte, die zu einer Woche Kirchenstreik aufriefen. „Ich war sofort begeistert. Weil ich schon länger darüber nachgedacht hatte, dass etwas Größeres kommen müsste. Der zweite Gedanke war: Eine Woche reicht nicht. Wir müssen an dem Thema dranbleiben.“ Karin Walter ist Theologin. Sie arbeitet als Religionspädagogin und Schulseelsorgerin an einem Gymnasium in ihrer Heimatstadt Biberach an der Riß. Sie hört zu, vermittelt, hält mit den Schülern aus, wenn diese mit schwierigen Situationen wie der Trennung der Eltern oder einem Todesfall konfrontiert sind.

Getrieben von der Sorge um ihre Kirche

Das Feuer für die Kirche muss groß sein, wenn man sich wie Karin Walter mit einem Stand auf den Marktplatz der Heimatstadt stellt, um über die Aktionen zu Maria 2.0 zu informieren. Sie bekommt viel Rückhalt. Mit Kritikern versucht sie, ins Gespräch zu kommen: „Auch wenn wir unterschiedliche Wege für richtig halten, eint uns eines: die Sorge um unsere Kirche.“ Denn was der Theologin zu denken gegeben hat: das Desinteresse vieler. „Ich war schockiert, wie viele Menschen mir sagten, mit der Kirche hätten sie schon lange nichts mehr am Hut. Das ist es, was die Bischöfe wirklich beunruhigen muss.“ Trotzdem wird der Flashmob-Gottesdienst, den die Frauen der Gemeinde am gleichen Abend vor der Kirche feiern, ein gelungenes Fest. „Es war überwältigend, wie viele gekommen sind: Alte und Junge, Männer und Frauen.“ Die Frauen erhalten viel Zuspruch für ihren Mut, den Veränderungsbedarf, der aus ihrer Sicht besteht, zu benennen. „Macht bitte weiter!“, fordern viele.   

„Maria 2.0 ist auch ein Ventil, um den Missbrauchsskandal zu verarbeiten“

„Ich bin eine leidenschaftliche Frauenbundfrau“, sagt Karin Walter von sich selbst. Und das, obwohl der Anfang stockend war. „Eineinhalb Jahre lang hat die frühere Vorsitzende bei mir dafür geworben, dass ich in den Frauenbund eintrete und Zweigvereinsvorsitzende werde. Damals wusste ich noch gar nicht, was der KDFB ist“, erinnert sie sich schmunzelnd. Hartnäckigkeit, die sich ausgezahlt hat. Heute ist Karin Walter die Diözesanvorsitzende von Rottenburg-Stuttgart. Der Diözesanverband vernetzt die Frauengruppen, die sich an Maria 2.0 beteiligen Das klare Bekenntnis zu einer erneuerten, geschwisterlichen Kirche findet breiten Zuspruch. „Wir haben schon einige Neueintritte in den Verband zu verzeichnen.“ Als einen Auslöser für die Proteste der Frauen sieht Karin Walter den Missbrauchsskandal in der Kirche. „Das war nur schwer zu ertragen, und Maria 2.0 ist sicher auch eine Art Ventil, um das zu verarbeiten. Wir wollen keine Glaubensinhalte verändern, sondern nur die Struktur der Amtskirche. Es gibt für mich aus theologischer und biblischer Sicht keinen einzigen Grund, warum Frauen keine Weihe empfangen könnten.“             

 

Maria, schweige nicht!
Das Engagement für mehr Rechte für Frauen in der Kirche soll mit dem Kirchenstreik nicht enden. Der Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart wird auch weiterhin die Vernetzungsarbeit für die Gruppen, die in der Diözese Aktionen planen, übernehmen. Einen Überblick gibt es unter www.kdfb-drs.de/projekte-und-themen/maria-20

 

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB engagiert 8+9/2019