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Weihe für Frauen? Nur MUT!

Sabine Demel Foto: Angelika Bardehle

Ist die Tür für die Weihe von Frauen endgültig geschlossen? Kirchenrechtlerin und KDFB-Frau Sabine Demel aus Regensburg geht dieser Frage nach und kommt zu Ergebnissen, die Frauen Mut machen können.          

 

Jene Tür ist geschlossen“ – so hat Papst Franziskus 2013 gleich zu Beginn seines Pontifikats auf die Frage nach der Zulassung von Frauen zur Priesterweihe geantwortet. Papst Johannes Paul II. habe sie geschlossen. Wodurch? Durch das Schreiben über die Priesterweihe von 1994, in dem er verkündet, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen endgültig an diese Entscheidung zu halten hätten. Und als ob das nicht deutlich genug wäre, hat Papst Franziskus in seiner ersten Enzyklika „Evangelii gaudium“ nochmals nachgelegt und erklärt: „Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht …“ Zur Tür des Frauendiakonats hat er sich dagegen bisher noch nicht geäußert, dafür aber erst 2016 und dann nochmals 2020 eine Kommission zur Erforschung der Diakoninnen in der Alten Kirche eingesetzt. Also ist diese Tür offen. Denn bisher hat sich noch kein Papst in verbindlicher Weise dazu geäußert, ob und warum ein Frauendiakonat möglich ist oder nicht.

 

Von der Bibel her steht der Weihe nichts entgegen

 

Als Katholikin, Theologin und hier speziell als Kirchenrechtlerin, die schon seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema der Frauenordination befasst ist und die aktuelle Diskussion ständig verfolgt, stellt sich mir immer mehr die Frage: Was um Gottes willen hindert uns in der katholischen Kirche immer noch, endlich Diakoninnen, Priesterinnen, Bischöfinnen einzuführen? Von der Bibel her steht nichts entgegen – ganz im Gegenteil, die lehramtlich vorgelegte Begründung gegen die Priesterinnenweihe wird von der theologischen Wissenschaft seit Jahrzehnten als nicht stichhaltig beurteilt, es liegt keine unfehlbare Lehrentscheidung vor, die maßgebliche Rechtsnorm ist für eine Änderung offen, der Glaubenssinn der Gläubigen ruft vehement danach.

Was also steht tatsächlich im Wege, auch in der katholischen Kirche Frauen zum Empfang des Weihesakramentes zuzulassen? Ist es vielleicht nur Angst? Oder warum sonst tun es unser Papst und unsere Bischöfe nicht endlich und lassen auch Frauen zum Sakrament der Weihe zu? Was schreckt sie an der Vorstellung von Diakoninnen, Priesterinnen, Bischöfinnen? Wie lange wollen sie noch der Öffentlichkeit und sich selbst einreden, dass das unmöglich geht? Auf den Punkt gebracht: Theologisch und kirchenrechtlich spricht kaum etwas dagegen, sondern umgekehrt vieles dafür, die Rechtsnorm des kirchlichen Gesetzbuches (Codex Iuris Canonici, CIC): „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann“ (c.1024 CIC) abzuändern in: „Die heilige Weihe empfängt gültig nur eine getaufte Person“.

 

Die Kirche kann die Gültigkeitskriterien jedes einzelnen Sakramentes festlegen

 

Die rechtliche Grundlage dafür bietet c.841 CIC, in dem explizit hervorgehoben wird, dass die Kirche, vertreten durch die höchste kirchliche Autorität, die Gültigkeitskriterien jedes einzelnen Sakramentes festlegen kann und muss. Wörtlich heißt es hier: „Da die Sakramente für die ganze Kirche dieselben sind und zu dem von Gott anvertrauten Gut gehören, hat allein die höchste kirchliche Autorität zu beurteilen oder festzulegen, was zu ihrer Gültigkeit erforderlich ist …“ (c.841).

 

Bei etlichen Sakramenten gab es großen geschichtlichen Wandel

 

Die Ausgestaltung der Sakramente ist also vonseiten der Kirche festzulegen. Demnach hat die höchste kirchliche Autorität, also Papst und Bischöfe, stets neu zu beurteilen und festzulegen, was zur Gültigkeit der einzelnen Sakramente erforderlich ist. Andernfalls wäre c.841 hinfällig und der teils große geschichtliche Wandel, der bei den Gültigkeitskriterien etlicher Sakramente wie zum Beispiel der Buße, der Krankensalbung und der Ehe festzustellen ist, theologisch nicht erklärbar. Anders gesagt: Bei den eben genannten Sakramenten hat bisher noch kein Papst behauptet, dass die Kirche keinerlei Vollmacht habe, die Gültigkeitskriterien zu verändern. Warum auch, wo doch c.841 CIC genau das Gegenteil normiert: die Rechtsvollmacht der Kirche über die Sakramente. Was also ist es, was die Kirchenleitung hindert, c.1024 CIC entsprechend den theologischen Erkenntnissen und den rechtlichen Erfordernissen so zu ändern, dass auch Frauen das Sakrament der Weihe in seinen drei Ausfaltungen empfangen können? Ein theologisch und/oder rechtlich tragbarer Grund ist es offensichtlich nicht. Alle anderen Gründe sind demgegenüber von untergeordnetem Rang und müssen daher hintangestellt werden, wenn sich die katholische Kirche nicht weiter ihrer Glaubwürdigkeit und Zukunftsfähigkeit berauben will.

 

Autorin: Sabine Demel
aus: KDFB Engagiert 1/2021

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