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Tipps und Unterstützung für Eltern in der Corona-Krise

Ob beim Lernen oder in der freien Zeit: Besonders Teenager schotten sich gegenüber der Familie immer wieder ab. Foto: istockphoto.com/golero

Eltern, die in Sorge sind, weil sich ihr heranwachsendes Kind immer mehr zurückzieht, rät Familientherapeutin Hedi Gies:

 

  • Keine Warum-Fragen stellen, sondern lieber beschreibend formulieren. „Ich habe den Eindruck…“
  •  Wenn bei Ansprache gleich die Tür zufliegt, ist es einen Versuch wert, Kontakt über andere Kanäle wie WhatsApp oder E-Mail herzustellen.
  • Auf jeden Fall am Ball bleiben: nicht im Sinne von übergriffig sein, sondern immer wieder fantasievoll überlegen, wie es einen gelungenen echten Kontakt geben kann.
  • Versuchen, Jugendliche in ihrer Kompetenz und Stärke partizipativ anzusprechen. „Du bist 15 und kannst schon vieles für dich entscheiden. Ich möchte mit dir überlegen und absprechen, wie wir das miteinander machen können.“
  • Keine „Kampfhaltung“ einnehmen: Beim Sprechen lieber neben dem Teenager stehen statt gegenüber.
  • Manchmal hilft Autowandern, um ins Gespräch zu kommen. Im Auto ist man miteinander in einem Raum. Es bewegt sich was, man muss sich nicht direkt anschauen. Der Erwachsene ist beschäftigt. „Da fangen manche sonst schweigsamen Teenager plötzlich an zu sprechen. Und beim niedrigeren Kohlendioxid-Ausstoß momentan ist das auch mal erlaubt.“ 
  •  Darauf achten, dass die Jugendlichen ihren Muskeltonus aktivieren. Auch Kaugummikauen holt aus der Erstarrung. Erwachsene können mit den Jugendlichen aushandeln, was sie sich an Bewegung vorstellen können, zum Beispiel Radfahren.

 

Übungen zur eigenen Stabilisierung

  • Zwerchfell-Jogging: Bei Stress atmen wir häufig in der Brust- oder Kehlkopfatmung und versorgen damit unseren Körper nicht gut mit Sauerstoff. Das Zwerchfell ist unser Stressmuskel. Sie können ihn mit tiefen Atemzügen dehnen und aufpusten und danach die Luft so lange wie möglich ausatmen. Machen Sie das dreimal hintereinander.
  • Füße auf dem Boden: Stellen Sie Ihre beiden Füße schulterbreit fest auf den Boden, die Knie sind weich (nicht durchgedrückt), die Schultern gehen nach hinten und unten. Nehmen Sie wahr, wie Sie der Boden trägt und wie stabil Sie stehen. In diesem Stand kann Sie so schnell nichts umwerfen.      
    Quelle: Institut Trauma und Pädagogik

 

Hier gibt es Unterstützung

  •  Für Eltern in schwierigen Situationen hat die Kinder- und Jugendhilfe der Katholischen Jugendfürsorge in Augsburg ihre Telefon- und Onlineberatung ausgeweitet. Das Angebot ist kostenlos. Telefon 0821 455410-0 und per E-Mail. Auch in anderen Diözesen ist die Katholische Jugendfürsorge ein Ansprechpartner für Eltern.
  • Das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat die Broschüre „Durchhalten trotz Corona-Krise – Anregungen für Paare, Familien und Singles zwischen Lagerkoller und unsicheren Lockerungen“ erarbeitet.

 

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB engagiert 6/2020

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