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Katharina Pomm: „Die Kirche hat ein Riesenhandikap“

KDFB-Frau Katharina Pomm. Foto: privat

KDFB-Frau Katharina Pomm stammt aus Aachen und lebt in Erfurt. Nach einer Tumorerkrankung wandte sich die Theologin der Klinikseelsorge zu. Ihr Wunsch: ein weiblicheres Gesicht für die katholische Kirche.

 

„Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen: Kirche ist ständig auf dem Weg und ändert sich im Dialog mit der Zeit. Sie versucht, immer wieder neue Antworten auf ihren Kern zu finden, auf das Evangelium. Ich habe Kritik nie als Widerspruch zum Glauben empfunden, sondern stets als Herausforderung und Weiterentwicklung.

Heute kann ich zusehen, wie viele Menschen die Kirche verlassen, weil sich nichts weiterentwickelt. Ich sehe das an meinen Schwestern. Eine ist Physikerin, eine Gymnasiallehrerin und Philosophin. Beide sind hochgebildet, christlich engagiert und interessiert, aber der Kirche haben sie den Rücken gekehrt. Wir verlieren Frauen, die selbstbewusst sind, eine große Lebenserfahrung haben, die wissen, was sie können und was sie wollen.

 

Wir brauchen beide Gesichter in der Heilsvermittlung

 

Ich wünsche mir deshalb, dass die Kirche ein weiblicheres Gesicht bekommt. Aber ich halte es für falsch zu sagen, Frauen sollen jetzt Stellen in der Kirchenverwaltung besetzen. Ganz dringend müssen Frauen in den sakramentalen Bereich.

Wir brauchen dieses menschliche Gesicht der Kirche, das aus beiden Geschlechtern besteht. Gott ist ja nicht nur Mann, sondern männlich und weiblich. Und wir brauchen beide Gesichter in der Heilsvermittlung, in der Feier der Sakramente. Es ist, als würde die Kirche gerade ein Riesenhandikap haben, als würde sie sich selbst um eine Hälfte ihrer Ausdrucksmöglichkeit beschneiden.

 

Seelsorgekompetenz bekommt man nicht automatisch mit der Weihe

 

Die Menschen sollen wählen können, wer ihnen das Evangelium vermittelt. Sie sollen selbst entscheiden, wen sie als Dialogpartner, als Spiegel brauchen. Ein Mann ist nur die Hälfte des Spiegels, die andere Hälfte ist derzeit blind. Das ist ein Riesenverlust.

Und was ich auch sehe, ist ein Mangel an Seelsorgekompetenz. Seelsorge bekommt man nicht automatisch mit der Weihe, das muss man sich hart erarbeiten mit speziellen Fortbildungen und Biografiearbeit – und ich sehe nicht, dass das geschieht. Viele Menschen vertrau­en uns nicht mehr, weil sie merken, dass es da Defizite gibt.

Ob ich die Weihe von Frauen jemals erleben werde, ist zweitrangig. Ich will wenigstens erleben, dass wir uns in kleinen Schritten auf den Weg machen. Sollte das nicht gelingen, wird es bei mir eine innere Resignation auslösen. Ich werde dann weiter meine Arbeit als Seelsorgerin tun, so gut ich kann. Das ist wichtig. Es gibt außer den beiden großen Kirchen niemanden in diesem Land, der für Klinikseelsorge, so wie wir sie machen, überhaupt einen Cent in die Hand nehmen würde. Die Kliniken müssen gewinnorientiert arbeiten, und das ist in der Klinikseelsorge einfach nicht möglich. Die Kirchen übernehmen diese Aufgabe selbstlos, und ich will diesen Zweig von Kirche unterstützen.

            Protokoll: Eva-Maria Gras