Neuer Landesvorstand gewählt
Der neue Landesvorstand mit Marion Hornung, Stephanie Remagen, Franziska Bürger-Nock, Tanja Pichlmeier, Anne-Marie Ederer, Sonja Axthaler und Monsignore Boeck.
Mitte Juni fand die Landesdelegiertenversammlung des Bayerischen Landesverbands in Augsburg statt. Knapp 100 Delegierte kamen zusammen, wählten den neuen Landesvorstand und verabschiedeten Anträge an die Politik.
Der KDFB Landesverband Bayern hat seit Mitte Juni eine neue Leitung. Auf der Landesdelegiertenversammlung in Augsburg wurde Tanja Pichlmeier (43) aus Pfeffenhausen für vier Jahre zur Vorsitzenden gewählt. Als Stellvertreterinnen fungieren künftig Sonja Axthaler (55) aus Landshut, Franziska Bürger-Nock (53) aus Pfarrkirchen, Anne-Marie Ederer (65) aus Grafenau, Stephanie Remagen (35) aus Gauting und Inga Maria Schütte (33) aus Eichstätt.
Die Tätigkeit als Vorsitzende ist für Tanja Pichlmeier vertraut: Seit knapp einem Jahr leitete die Wirtschaftsjuristin den Landesverband bereits kommissarisch, nachdem die damalige Vorsitzende Birgit Kainz zurücktrat. Bereits über 15 Jahre engagierte sich Pichlmeier ehrenamtlich im Verband, unter anderem als Zweigvereinsvorsitzende, als Eltern-Kind-Gruppen-Leiterin und als Kassenprüferin. Ab 2022 war sie als stellvertretende Landesvorsitzende für die Finanzen zuständig. Sie möchte den KDFB weiter als starken, modernen und relevanten Frauenverband klar positionieren, als Verband, der seine gesellschaftliche und politische Relevanz selbstbewusst wahrnimmt und gleichzeitig seine Wurzeln nicht verliert – mit fachlicher Kompetenz, Gemeinschaft, gesellschaftlicher Verantwortung und Spiritualität.
Ihre Nachfolgerin im Bereich Finanzen wird die Betriebswirtin Sonja Axthaler. Die Stadträtin in Landshut engagiert sich besonders für die Themen Gleichberechtigung, Bildung, Jugendförderung und Bekämpfung von Altersarmut. Sie schätzt das generationenübergreifende Netzwerk im Frauenbund. Weiteres neues Vorstandsmitglied ist Franziska Bürger-Nock, zwölf Jahre Zweigvereinsvorsitzende und seit 2019 Landesdelegierte. Die Theologin setzt sich unter anderem für die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern und die finanzielle Anerkennung von Care-Arbeit ein. Anna Maria Ederer war wie Tanja Pichlmeier schon in der letzten Wahlperiode stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes und zuvor zwölf Jahre im DV-Vorstand. Sie bringt Erfahrungen aus der Kommunalpolitik als Stadträtin und Kreisrätin ein und hält die Beschäftigung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen für eine große Stärke des KDFB. Ihr besonderes Engagement gilt der Frauenbildung. Mit Stephanie Remagen und Inga Maria Schütte sind im neuen Landesvorstand gleich zwei Frauen unter 40 vertreten. Unternehmerin Stephanie Remagen will ihre Berufserfahrungen aus Marketing und Politik einbringen; sie schätzt die Vielfalt im KDFB und möchte sich für Parität und Equal Care einsetzen und dem Mitgliederrückgang des Frauenbunds entgegenwirken. Inga Maria Schütte engagiert sich für den Schutz von Frauen vor Gewalt, für die Rechte von Minderheiten und interessiert sich besonders für die sozialen Auswirkungen von KI und digitaler Transformation. Die Hochschuldidaktin möchte den KDFB auf dem Weg in die digitale Zukunft begleiten. Neben den Vorsständinnen wurden auch die beiden Kassenprüferinnen Eva Gottstein (76), Einzelmitglied und Regina Krebs (66) aus dem Diözesanverband Würzburg sowie Barbara Gerl (49) aus dem Diözesanverband Regensburg von den Delegierten gewählt.
Verabschiedung alter Vorstand
Mit liebevoll gestalteten Show-Einlagen wurden die scheidenden Vorstandsmitglieder verabschiedet. Die frühere Sozialministerin Carolina Trautner erhielt für ihr Engagement und ihren politischen Einsatz die Ellen-Ammann-Nadel. Die ehemalige Landesvorsitzende Birgit Kainz wurde mit der Ellen-Ammann-Nadel in Gold ausgezeichnet. Über viele Jahre hinweg übernahm sie Verantwortung auf allen Verbandsebenen – vom Zweigverein über den Diözesanverband bis hin zum Landesverband mit Umsicht, Verlässlichkeit und klarem Kurs. Ebenfalls mit der Ellen-Ammann-Nadel in Gold geehrt wurde Sabine Slawik. Mit zwölf Jahren im Landesvorstand erreichte sie die maximale Amtszeit und hinterließ nachhaltige Spuren im Verband. Sie habe Themen auf den Punkt gebracht und sich unermüdlich für den KDFB und für Solidarität und Frauenrechte global starkgemacht. Im Verband bleibt sie als Bundesvorsitzende der Landfrauenvereinigung weiter stark engagiert.
Weitere Themen
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Neue Projektgruppe: Frauen – Politik – Gesellschaft
Mit der Gründung der neuen Projektgruppe „Frauen – Politik – Gesellschaft“ setzt der Landesverband einen Beschluss von 2025 um und schließt die alte Projektgruppe „Starke Frauen – starke Demokratie!“ ab. In der neuen Projektgruppe sollen unter anderem folgende Fragen behandelt werden: Wie kann demokratische Teilhabe von Frauen gestärkt werden? Welche Erfahrungen machen Frauen mit Mitbestimmung und Beteiligung? Was motiviert Frauen, sich einzubringen, und welche Hürden gibt es? Welche konkreten Maßnahmen fördern demokratische Teilhabe? Die Projektgruppe möchte die Lebensrealität von Frauen beleuchten, Alltag, Gesellschaft und Politik miteinander verknüpfen, Beteiligungsmöglichkeiten analysieren und Raum für Austausch und Vernetzung bieten. Alle KDFB-Frauen sind zum Mitmachen eingeladen!
Interessierte können sich im Landesverband bei Referentin Bianca Barth (barth@frauenbund-bayern.de) melden. -
Bildungsteil: Mehr Streit wagen
Warum mehr Streit wagen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der öffentliche Bildungsteil der Delegiertenversammlung. Die Politikwissenschaftlerin Eva Feldmann-Wojtachnia zeigte, warum konstruktives Streiten in einer Demokratie wichtig ist. Streiten bedeutet, die eigene Meinungsfixierung zu überwinden und den Dialog mit Andersdenkenden zu suchen. Dabei soll es nicht um feindliches, sondern um wertschätzendes Streiten gehen. Bleiben Konflikte ungeklärt, können sie sich später umso heftiger entladen. Um das zu vermeiden, braucht es echtes Zuhören, die Bereitschaft, sich zu zeigen, und die Fähigkeit, unterschiedliche Positionen zu reflektieren. Nicht jeder Streit muss in Zustimmung münden. Doch warum provozieren bestimmte Themen Streit? Das liegt daran, dass Menschen einen Wertekompass aus richtig und falsch sowie tief sitzende, emotional verankerte Grundüberzeugungen haben. Deshalb kann auch konstruktives Streiten seine Grenzen haben. In solchen Fällen hilft nur bewusster Rückzug. KDFB Landesvorsitzende Tanja Pichlmeier betonte: „Mit der Wahl dieses Themas für den öffentlichen Bildungsteil unserer Landesdelegiertenversammlung setzen wir als größter Frauenverband im Freistaat bewusst ein Zeichen für eine respektvolle Streitkultur und den Zusammenhalt in der Demokratie.“ Ausschnitte des Vortrags wurden vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet und sind in der Sendung „Stationen“ in der Mediathek abrufbar. Das KDFB Landesbildungswerk Bayern veranstaltet zum Thema am 10. Oktober 2026 den Online-Workshop „Streiten lernen”.
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Grußwort von Bischof Bertram Meier
Auch Bischof Bertram Meier nahm in seinem Grußwort an die Delegierten im Anschluss an den Bildungsteil Bezug auf das Thema „Streit wagen“. „Mit ‚Streit wagen‘ brechen Sie eine Lanze für Kommunikation“, sagte er. Im lateinischen Wort für Kommunikation (communio: Gemeinschaft) stecke schon die Aufforderung, nach Verbündeten zu suchen. Gemeinsam streite es sich besser. „Lassen Sie nicht locker, dem, was Sie für wichtig halten, zum Durchbruch zu verhelfen“, appellierte er an die Delegierten. Streiten wolle gelernt sein, es brauche Übung und langen Atem.
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Tätigkeitsberichte: Landesverband und seiner Werke
Der Tätigkeitsbericht des Landesverbands zeigt, wie viele Erfolge gefeiert werden konnten. So wurden zu den letztjährigen Beschlüssen „Frauenrechte im Lehrplan“, „Hebammenvergütung“ und „Familienpflegeausbildung“ Anträge an die Politik übergeben. Darüber hinaus hat sich die Projektgruppe „Starke Frauen – starke Demokratie!“ im Umfeld der Kommunalwahlen an der Initiative „Bavaria ruft!“ beteiligt und im Frühjahr wurde der Nachhaltigkeitskongress „Handeln … jetzt!“ organisiert.
Auch das Landesbildungswerk berichtete aus seinem Geschäftsjahr. Mit knapp 70 Prozent machten die Schulungen für Mittagsbetreuungen den Großteil der Veranstaltungen aus. Der Verbraucherservice feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum und engagiert sich für die digitale Transformation und Teilhabe. Auch die Landfrauen-Vereinigung setzt sich für die digitale Vernetzung im ländlichen Raum ein.
Die Beschlüsse auf einen Blick
Die Landesdelegiertenversammlung verabschiedete acht Beschlüsse, die die Zielrichtung für die politische Arbeit des KDFB Landesverbandes Bayern vorgeben.
- Mehr Kinderschutz im Internet
Zwei Anträge: Diözesanverband Regensburg
In einem ersten Beschluss sprachen sich die Delegierten für kindgerechte Apps und Plattformen ohne Endlos-Scrollen, Autoplay oder versteckte Kaufknöpfe aus. Anbieter sollen ihre Angebote jährlich extern prüfen lassen, leicht zugängliche Beschwerdewege bereitstellen und Übergriffe wie Grooming (Kontaktsuche mit Missbrauchsabsichten) rasch erkennen. Personalisierte Werbung auf Basis von Kinderdaten lehnt der Verband strikt ab. Als Altersnachweis soll ein europaweiter digitaler Ausweis genügen, ohne zusätzliche Datenspeicherung. Ein zweiter Beschluss sieht die Forderung von mehr bayernweiten Informationskampagnen vor wie zum Beispiel kostenlose Elternabende an Schulen und Kitas, Medienkompetenztraining im Unterricht sowie klare Regeln für Online-Spiele wie feste Ausgabelimits und ein Verbot manipulativer Belohnungsschleifen. Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz sollen sanktioniert werden. - Familienleistungen nicht streichen
Antrag: Diözesanverband Passau
Sorgearbeit zählt: Familienleistungen dürfen nicht gestrichen werden! Darüber haben die Delegierten intensiv diskutiert. Gegenüber dem Bayerischen Sozialministerium wird gegen die Streichung des Kinderstartgeldes protestiert und eine vollumfängliche Kompensation der wegfallenden Leistungen eingefordert. Ursprünglich sollten Familien in Bayern für jedes Kind, das ab dem 1. Januar 2025 geboren wurde, einmalig 3000 Euro Kinderstartgeld erhalten. - Erhalt des Landespflegegeldes
Antrag: Diözesanverband Passau
Das bayerische Landespflegegeld wurde im vergangenen Januar von 1000 auf 500 Euro gekürzt. Deshalb beauftragten die Delegierten den Landesvorstand, sich gegenüber der Bayerischen Regierung wieder für den ursprünglichen Betrag von 1000 Euro pro Jahr ab 2027 einzusetzen. Den Delegierten geht es vor allem um die Wertschätzung und Anerkennung der Leistung pflegender Angehöriger. - KDFB wird beauftragt, die Gründung einer Ellen-Ammann-Stiftung vorzubereiten
Antrag: Landesvorstand KDFB Bayern
Der Landesvorstand wird beauftragt, eine Ellen-Ammann-Stiftung in Verwaltung des Landesverbandes zu gründen. Grund: Nach über 100 Jahren sieht sich das Säkularinstitut Ancillae Sanctae Ecclesiae nicht mehr in der Lage, sein Wirken im Sinne Ellen Ammanns, der Gründerin des Bayerischen KDFB Landesverbandes, fortzuführen. Die Umsetzung erfolgt im Falle einer Vermögenszuwendung durch das Säkularinstitut verbunden mit dem Wunsch, das Vermögen im Sinne des Institutszwecks, insbesondere zur Förderung des Gedenkens an Ellen Ammann (1870 bis 1932), zu verwenden. - Digitales Service-Paket für Zweigvereine
Antrag: Diözesanverband Passau
Der Landesvorstand soll gemeinsam mit dem Bundesverband ein digitales Service-Paket mit rechtssicheren Mustervorlagen für die tägliche Vereinsarbeit entwickeln und allen Zweigvereinen bundesweit zur Verfügung stellen. Das Führungskräftehandbuch soll entsprechend erweitert und aktualisiert werden. - Glutenfreie Alternativen in der Gemeinschaftsverpflegung
Antrag: Diözesanverband Regensburg
Der KDFB Landesverband fordert eine verlässliche Bereitstellung glutenfreier Alternativen in Gemeinschaftsverpflegungen. Der Frauenbund wird sich bei den zuständigen bayerischen Ministerien dafür einsetzen, dass Menschen mit der Autoimmunerkrankung Zöliakie nicht mehr von gleichberechtigter Teilhabe ausgeschlossen sind, weil sie medizinisch bedingt eine besondere Ernährung benötigen. - Wasser darf nicht versickern!
Antrag: Bayerische Landfrauenvereinigung
Die Delegierten sprachen sich für natürlichen Wasserrückhalt unter dem Prinzip „Versickern vor Ableiten“aus. Der KDFB Landesvorstand soll sich bei den Ministerien dafür einsetzen, dass diese im Bereich „Wasser“ ressortübergreifend zusammenarbeiten. Dies betrifft die Verwendung des Wassercents für den Landschaftswasserhaushalt und die Umsetzung der Wassernovelle (Gesetz zur Änderung des Bayerischen Wassergesetzes von Dezember 2025).
Autorinnen: Katrin Otto, Karin Schott, Barbara Stummer

