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Leichter leben: dauerhaft Ordnung schaffen

01.12.2025

Ob übervolle Schränke oder Chaos im Kinderzimmer – Unordnung belastet. Doch Ordnung ist mehr als nur aufgeräumte Räume. Warum Loslassen oft auch emotionale Ballastbefreiung bedeutet, wie kleine Schritte Großes bewirken können und weshalb äußere Klarheit oft auch innere Ruhe bringt. Ein Plädoyer für mehr Leichtigkeit im Leben.

Zehntausend. So viele Gegenstände besitzt ein durchschnittlicher Familienhaushalt laut Studien. Zehntausend Dinge, die das Leben nicht nur leichter
machen, sondern Aufmerksamkeit fordern. Ob Heftpflaster, Sportsocken, Brillenetui, Buttermesser, Ersatzbatterien oder Legosteine. Alles braucht seinen Platz. Immer wieder.
Dass Ordnung ein großes Thema ist, wurde spätestens mit dem internationalen Erfolg des Buches „Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ (Rowohlt Taschenbuch, 2013, 14 Euro) von Marie Kondo deutlich. Die Japanerin entwickelte nicht nur eine Aufräum-Methode, sondern eine Philosophie: Nur das behalten, was glücklich macht, ist ihre Devise. Alles andere darf gehen. Ihre Idee traf einen Nerv – in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt suchen viele Menschen Klarheit im eigenen Zuhause.
Aufräumen ist bei Marie Kondo eine rigorose Maßnahme. Ein bisschen geht bei ihr nicht. Sie krempelt den gesamten Haushalt einmal um und nennt es ein Aufräumfest, das einen Neuanfang markiert. Die Ordnungsberaterin fordert dazu auf, sich zuerst das Wunschleben auszumalen: Wie möchte ich wohnen? Wie möchte ich mich fühlen? Wofür möchte ich Raum und Zeit haben?
Auf dieser Grundlage sortiert man den gesamten Haushalt konsequent aus – und zwar nach Kategorien. Erst die Kleidung, dann Bücher, Unterlagen, Kleinkram und zuletzt Erinnerungsstücke. Der emotionale Schwierigkeitsgrad steigt dabei langsam an. Jeder Gegenstand wird einzeln in die Hand genommen mit der Frage: „Macht mich das noch glücklich?“ Nur wenn diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantwortet wird, darf der Gegenstand bleiben.
Danach bekommt alles einen festen Platz. Marie Kondos Falttechnik ist inzwischen weltberühmt: Kleidung wird so zu einem festen Rechteck gefaltet und aufrecht in Schubladen gestellt – übersichtlich, platzsparend und ästhetisch. Das Ziel: ein dauerhaft ordentliches Zuhause. Wenn man die Gegenstände, nachdem man sie benutzt hat, wieder an ihren Platz zurückräumt, wird man nach dem großen Aufräumfest für immer eine aufgeräumte Wohnung haben. Ihre Botschaft: Mit dem passenden Konzept ist Ordnung lernbar.

Kleine Schritte statt Aufräum-Marathon

Dagmar Schäfer hatte schon immer Freude daran, ihr Zuhause zu strukturieren und Ordnung zu halten. Doch auch für sie war die Netflix-Serie mit Marie Kondo ein Wendepunkt. Sie erkannte plötzlich: Aufräumen helfen kann ein Beruf sein. Sie machte eine Ausbildung zur zertifizierten Ordnungsberaterin. Daraus wurde ihr zweiter Beruf. „Als Ordnungscoach bin ich Übersetzerin: Ich übersetze Lebensrealität in Räume, die tragen. Praktisch heißt das: Ballast erkennen und ein System gestalten, das zum Alltag passt“, beschreibt sie ihr Aufgabenfeld.

Doch anders als Marie Kondo ermuntert Schäfer bewusst zu kleinen, alltagstauglichen Schritten statt zum großen Befreiungsschlag. Ihr Motto: „Das Gehirn liebt Anfänge und Enden – am besten in kleinem Format.“ Deshalb heißt ihr Buch auch „Ordnungs-Quickies. Einfache Aufräum-Projekte für zwischendurch“ (mvg Verlag, 2021, 14 Euro), in dem sie zu kurzen machbaren Einheiten anleitet, die nicht überfordern, aber Wirkung zeigen. Damit holt sie viele Menschen ab, die nicht mal eben den ganzen Haushalt auf den Kopf stellen möchten, sich aber trotzdem ein strukturierteres Umfeld wünschen und dafür Anregungen suchen. Dass ein geordnetes Zuhause zufriedener macht, davon ist sie überzeugt.

Warum Ordnung dem Gehirn guttut

Unordnung ist für Dagmar Schäfer nicht bloß ein ästhetisches Problem. Sie ist – so ihre Erfahrung – eine Ansammlung ungeklärter Entscheidungen. Jeder liegen gebliebene Gegenstand sendet unterschwellig ein Mini-Signal: Hier musst du noch etwas entscheiden. „Das zehrt an unseren mentalen Kräften. Je mehr visuelle Reize und ungelöste Aufgaben uns umgeben, desto höher ist unsere Grundspannung. Die ständigen Mikrounterbrechungen machen müde, unkonzentriert und gereizt.“
Äußere Ordnung wirkt wie ein Filter fürs Gehirn: Klarere Flächen bedeuten weniger Reize und mehr Fokus. Weniger Entscheidungen treffen zu müssen, heißt, mehr Kapazitäten für andere Dinge zu haben. Durch Routinen und Vorhersagbarkeit entspannt sich das Nervensystem. „Ordnung nimmt dem Alltag die unnötigen Widerstände. Und: Wer Ordnung aktiv gestaltet, erlebt sich als handlungsfähig. Das stabilisiert die innere Balance“, erklärt Dagmar Schäfer.
Doch die dafür notwendigen Strukturen zu Hause zu schaffen, fällt nicht jeder und jedem gleich leicht. Vor allem an den Umbruchstellen im Leben kann es überfordernd sein. Schäfers Kundinnen und Kunden kommen, wenn das Leben sich bewegt: Umzug, Patchwork, Baby, Pflege, Trauer, Selbstständigkeit, Ruhestand. Wenn die Identität sich weiterentwickelt, passen alte Lösungen häufig nicht mehr und müssen neu überdacht werden.

 

Wenn die Gefühle im Weg stehen

Aussortieren ist oft weniger eine Frage des Platzes als der inneren Haltung. Denn oft stehen uns nicht die Dinge selbst im Weg – sondern unsere Gefühle. Drei typische innere Blockaden begegnen Dagmar Schäfer beim Aussortieren immer wieder. Die gute Nachricht: Es gibt sanfte Wege, sie zu überwinden.

  • Die Angst, ich könnte den Gegenstand irgendwann noch brauchen. Hier hilft die Überlegung: Wie wahrscheinlich ist es (Skala 1–10)? Was wäre ein Plan B ohne das Ding? Helfen kann, diese Sachen erst mal in einer Übergangskiste zu parken mit einem finalen Entscheidungsdatum. Diese Zeitbrücke senkt die Hemmschwelle. Wenn man die Dinge bis dahin nicht vermisst hat, kann man sich getrost davon trennen.
  • Das Schuldgefühl, weil es teuer oder ein Geschenk war. Hier arbeitet Dagmar Schäfer mit einem Wertabschied: Danke für die Zeit, danke für die freundliche Geste, Aufgabe erfüllt – und jetzt darf der Gegenstand jemand anderem dienen. „Manchmal machen wir ein Foto, manchmal schreiben wir den Grund auf: hat gekratzt, falsche Größe, nie benutzt. Das entkoppelt das Gefühl vom Gegenstand.“
  • Das Gefühl der Überforderung: Wo soll man eigentlich anfangen? Man will oft zu viel auf einmal und scheitert dann oder beginnt gar nicht erst. Hier rät die Profi-Aufräumerin dazu, die Aufgabe radikal zu verkleinern. Man kann sich 15-Minuten-Einheiten vornehmen oder eine Kategorie von Dingen oder ein Regal, eine Schublade.

Raum zum Leben statt zum Lagern

Jede muss die für sie passende Methode beim Aussortieren finden:

  • Hilfreich kann die Drei-Kisten-Methode sein: Dabei stellt man sich drei Kisten mit der Beschriftung „Wegwerfen“, „Spenden“, „Behalten“ zurecht, und dann kann das große Sortieren losgehen.
  • Wer es spielerischer angehen möchte: Bei der 30-Tage-Challenge sortiert man am ersten Tag einen Gegenstand aus, am zweiten zwei, am dritten drei und an Tag 30 ist man um ganze 465 Sachen leichter.

Aber welche Technik auch immer man anwendet. Belohnt wird man mit mehr Klarheit und einem positiven Gefühl, dem eigenen Zuhause gegenüber. Denn die eigene Wohnung ist kein Lagerraum, sondern Lebensraum. So gesehen ist Ordnung kein Selbstzweck, sondern ein Akt der Fürsorge – für sich selbst, die Familie, das Zuhause. Sie schenkt Ruhe, Klarheit und Entscheidungsfreiheit. Nicht alles muss sofort passieren. Aber jeder kleine Schritt ist ein Schritt zu mehr Leichtigkeit.

Claudia Klement-Rückel

Strategien für dauerhafte Ordnung

  • Jeder Gegenstand in der Wohnung hat eine eigene „Adresse“,
    das heißt einen festen Platz. Die Adresse kann durch Etiketten oder Piktogramme sichtbar gemacht werden.
  • Containerlogik: Der Behälter begrenzt die Menge, nicht die zufällig vorhandene Anzahl an Dingen einer Kategorie. Das bedeutet zum Beispiel: Wenn eine große Schublade für Vorratsdosen vorgesehen ist, dann sind so viele Vorratsdosen genug.
  • Wartungstermine: 15 bis 20 Minuten wöchentlich für Hotspots (Posteingang, Ablage). Lieber regelmäßig kleine Runden statt selten große. Jeden Abend konzentriert zehn bis 15 Minuten aufräumen.
  • 1-in-1-out-Regel: Kommt etwas Neues, verlässt etwas Altes die Wohnung.
  • Familienfreundlich: System so einfach halten, dass es auch die Achtjährige oder der Partner, die Partnerin verstehen.
  • Gemeinsame Zonen nicht vergessen: Flur, Küche, Waschbereich. Ein klarer Ablauf (Haken, Körbe, Beschriftungen) spart täglich Zeit.
  • Boxen und Körbe sind schön und wichtig, lösen aber keine Auswahlprobleme. Erst reduzieren, dann containern!
    Quelle: Dagmar Schäfer

Gut erhalten – weitergeben!
Wer Kleidung, Bücher oder Haushaltsgegenstände aussortiert, sollte prüfen, ob diese noch in gutem Zustand sind. Denn vieles lässt sich weiterverwenden. So werden Ressourcen geschont und Müll vermieden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Dingen ein zweites Leben zu schenken. Marianne Wolff, Umweltreferentin beim VerbraucherService Bayern im KDFB, stellt einige davon vor:

  • Bei Tauschpartys kann man gut erhaltene, saubere Kleidungsstücke mitbringen und sich dafür selbst etwas aus-
    suchen. Es gibt sie in vielen Orten bereits, auch etliche
    Zweigvereine sind aktiv. Oder man kann privat im Freundinnenkreis selbst so etwas auf die Beine stellen. Funktioniert auch mit Büchern, Spiel- und Sportsachen. Viele Zweigvereine oder Kindergärten organisieren Basare für Kinderkleidung und Spielzeug, wo zu klein Gewordenes oder nicht mehr
    Benutztes für wenig Geld den Besitzer wechseln kann.
  • Wer etwas verschenkt oder spendet, ist meist großzügiger beim Aussortieren. Gut Erhaltenes kann man an die Oxfam-Shops geben. Gesammelt wird auch vom Roten Kreuz oder bei den Kleiderkammern der Caritas. Bei Sozialkaufhäusern sollte man vorher anfragen, was gerade gebraucht wird. Wenn man Kleidung zum Altkleidercontainer bringt, sollte man unbedingt auf die „Fairwertung“-Kennzeichnung achten. Besondere Stücke, an denen man hängt, eignen sich auch gut zum Verschenken im Familien- oder Freundeskreis. Aber darauf achten, dass es für den Beschenkten nicht zur Belastung wird, sondern wirklich dort am richtigen Platz ist.
  • Wer über www.kleinanzeigen.de im Internet Dinge verkauft, muss einiges beachten. Am besten zur Abholung und nicht über Versand. Die Interessenten sollte man nicht in die Wohnung lassen, sondern sich besser draußen im Hof oder an der Garage treffen. Da es sich um einen Privatkauf handelt, muss beim Anzeigentext „Verkauf erfolgt unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“ stehen.
  • Auf Flohmärkten erzielt man meist niedrige Preise und sollte nicht zu viel erwarten. Doch zusammen mit einer Freundin wird der Flohmarktverkauf zum gemeinsamen Erlebnis.
  • Kindergärten, Horte oder Mittagsbetreuungen freuen sich oft sehr über Stoffe, Wolle und Bastelmaterialien. Einfach in der Umgebung nachfragen!
  • Generell daran denken: Wer bewusst und weniger kauft, braucht auch weniger aussortieren, spart Geld und hilft der Umwelt.
Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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