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Im Glauben wachsen

30.03.2026

Glaube ist ein lebendiger Prozess – das wird gerade zu Ostern deutlich, wenn er über Rituale und gemeinsam verbrachte Zeit von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Frauen verschiedenen Alters erzählen, wie ihr Gottvertrauen sie durch schwierige Phasen getragen hat und was sie sich von der katholischen Kirche wünschen.
Auf dem großen Küchentisch stehen Tee, Kaffee und frische Brötchen. Hier treffen sich die drei KDFB-Frauen aus einer Familie regelmäßig: Nadine Röckl (30 Jahre), Claudia (60 Jahre) und Erika Blöchinger (87 Jahre). Heute geht es um die Besprechung der Ostervorbereitungen. Mit dabei ist auch schon die vierte Generation: die kleine Felicia (zweieinhalb Jahre), die kurz nach Ostern ein Geschwisterchen erwartet.
Für uns ist der Glaube ein sehr wichtiger gemeinsamer Bezugspunkt. Dabei hat Ostern für uns eine ganz besondere Bedeutung. Es ist das Fest der Hoffnung, der ewigen Freude und des Erblühens neuen Lebens – und zugleich ein Fest der Weitergabe des Glaubens und von Ritualen von Generation zu Generation“, erklärt Nadine Röckl, Gemeindereferentin und Geistliche Beirätin beim Diözesanverband Passau.

Frauenbund-Generationen im Gespräch über ihren Glauben (von links.): Nadine Röckl (30), Tochter Felicia (2), Mutter Claudia (60), Oma Erika (87)

Ihre Mutter Claudia nickt bestätigend. „Es kündigt sich der Frühling an, alles beginnt wieder zu blühen und wird zu neuem Leben erweckt. Das Fest der Auferstehung Jesu schenkt mir jedes Jahr Wärme und Licht im Herzen.“ Die medizinische Fachangestellte und Pfarrgemeinderätin freut sich auf das gemeinsame Brauchtum in der Familie, aber auch auf das im niederbayerischen KDFB-Zweigverein Großarmschlag, beispielsweise das Palmbuschen-Binden oder die Zubereitung der Fastensuppe, die für einen guten Zweck verkauft wird.
Auch Oma Erika ist voller Vorfreude auf das kommende Osterfest. „Alle drei bringen wir uns gerne für die Gemeinschaft ein“, erzählt die 87-Jährige. „Der Glaube gehört zu uns und zu unserem Leben. Er ist für uns ein so kostbarer Schatz. Es ist ganz wichtig, diesen Schatz durch das eigene Vorleben und die damit verbundenen Rituale für die folgenden Generationen erfahrbar zu machen und so weiter-
zugeben. Ich erinnere mich immer gerne auch an das gemeinsame Beten mit meiner Enkeltochter, die als Kind sehr viel bei mir war. Und jetzt bete ich schon mit meiner Urenkelin.“ Aber auch gemeinsame (Kinder-) Gottesdienstbesuche und das aktive Mitgestalten in der Pfarrgemeinde seien für die Glaubensweitergabe wichtige Punkte.
Enkelin Nadine rührt nachdenklich in ihrem Tee. „Aber natürlich wissen wir, dass die katholische Kirche viele Mitglieder verliert. Uns ist auch bewusst, dass wir glaubensmäßig heutzutage keine Durchschnittsfamilie sind.“ Die Gemeindereferentin ist in ihrem Pfarrverband für die Vorbereitung der Erstkommunion und Firmvorbereitung zuständig. „Ich mache das seit bald zehn Jahren. Inzwischen gibt es jedes Jahr mehr Kinder, denen die Eltern die Entscheidung überlassen, ob sie zur Erstkommunion gehen wollen, und manche verzichten dann darauf. Das ist wirklich etwas Neues, denn unsere Gegend ist eigentlich noch sehr traditionell geprägt.“ Von den rund 40 Firmlingen, die angeschrieben werden, lassen sich rund zwei Drittel firmen.
Die Beobachtung von Nadine Röckl bestätigt auch eine internationale Studie der Universität Münster, die unter dem Titel „Families and Religion“ 2025 veröffentlicht wurde: Ob Menschen religiös oder nicht-religiös werden, hängt in Zeiten des gesellschaftlichen Rückgangs von Religion entscheidend von der Familie ab. Eltern seien immer weniger religiös, geben diese Haltung an ihre Kinder weiter oder lassen ihnen die freie Wahl.

Gottvertrauen ausprobieren: Wie fühlt es sich an?

Ein Weg, Gott vertrauen zu lernen, ist das „So tun, als ob“, erläutert der Benediktiner Anselm Grün aus der bayerischen Abtei Münsterschwarzach. „Ich sage mir etwa den Psalmvers vor: ,Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.‘ Ich brauche daran nicht zu glauben. Aber: Wenn das stimmt, wie fühle ich mich, wie geht es mir dann? Und vielleicht weckt dieses Wort in mir die Sehnsucht danach, dass es stimmt. Dann kann ich versuchen, eine Zeit lang mit diesem Wort zu leben, sodass ich mit dem Vertrauen in mir in Berührung komme.“ sco/kna

Die Familieninterviews der Studie in Deutschland, Finnland, Italien, Kanada und Ungarn zeigten, dass Religion in allen Ländern vor allem dann an die jüngere Generation weitergegeben wird, wenn die Familie ein religiöses Selbstverständnis pflegt, gemeinsam religiösen Praktiken wie Gebet oder Singen nachgeht und beide Eltern dieselbe Konfession haben. Die wichtigste Rolle spielen in der religiösen Erziehung die Mütter. Außerhalb der Familie sind Kirchen, Gemeinden und ihr Personal ein wichtiger Faktor, ob ein Mensch die religiöse Familientradition beibehält.

Hildegard König, Kirchengeschichts-Professorin im Ruhestand und ehemalige stellvertretende KDFB-Präsidentin

So war es auch bei Hildegard König, Professorin für Kirchengeschichte im Ruhestand und ehemalige stellvertretende KDFB-Präsidentin. Aufgewachsen im schwäbischen Tuttlingen in einem katholischen Elternhaus mit einem „bunten, intensiven Glaubensleben“ waren es ein zugewandter Pfarrer und ein inspirierender Religionslehrer, die bei der heute 72-Jährigen die Lust am Theologisieren weckten und dazu beitrugen, dass sie sich für ein Theologiestudium entschied. „Dieses religiöse Leben meiner Kindheit war sozusagen der Humus, aus dem heraus mein Glaube gewachsen ist – und auf dem er sich auch verändern durfte.“ Sie nennt ein Beispiel: „Mit der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960er-Jahren kam frischer Wind in die Kirche, und wir Jugendlichen forderten in unserer Pfarrgemeinde moderne Gottesdienste und Lieder. Wir gründeten sogar eine Band. Und so kam auch frischer Wind in mein inneres Glaubenshaus, an dem ich auch laufend etwas umbaue“, erzählt die Theologin, die sich in letzter Zeit öfter damit beschäftigt, wie sich der Glaube im Alter auch verändern kann.
„Was mir in meiner kindlichen Glaubensphase lieb und teuer war, das kann im Alter zum einen unendlich wertvoll sein, aber es kann auch sein, dass ich es nur noch als Ballast ansehe“, gibt Hildegard König zu bedenken. „Wenn ich da auf mich selbst sehe: Ich hatte als Laienfrau und Theologin alle Möglichkeiten, mein eigenes Glaubenshaus so einzurichten, dass es für mich passte“, erklärt sie. „Und wenn ich jetzt in meinen inneren Raum sehe, sind da Dinge, die mein Zuhausesein geradezu durchkreuzen und stören. Ein Beispiel: In meiner eigenen Religiosität ertrage ich es nicht mehr, permanent mit männlicher Gottesrede und einem patriachalen Gottesbild konfrontiert zu sein. Manche werden jetzt sagen, dass ich mich in einen Irrglauben verrannt habe. Aber das ist ein Riesenthema für viele katholische Frauen.“ Wenn sie manchmal gegenüber anderen Frauen ihr Herz öffne, dann merke sie, dass da viel Zustimmung ist. „Abschließend kann ich nur sagen, mein persönlicher Glaubensraum hat sich sehr verändert und sieht inzwischen ganz anders aus als in jungen Jahren.“
Auch bei der 87-jährigen Erika Blöchinger gab es Phasen „des Spekulierens“, in denen sie sich über Gott, die Welt und das Leben tiefere Gedanken machte: „Als mein Ehemann plötzlich gestorben ist, erlebte ich eine schwere Zeit. Ich bin auf einmal alleine dagestanden und musste meinen Lebensalltag neu bewerkstelligen. Da bin ich in einer kurzen Phase auch mal vom Glauben abgekommen. Am Ende dieser Zeit hat mir der Glaube aber Halt und Stütze geboten, und mich spüren lassen, dass dieser doch das Wichtigste für mich ist.“ Der Glaube gibt auch Enkelin Nadine, der schwangeren, berufstätigen jungen Mutter, die notwendige Kraft in schwierigen Zeiten – wenn sie das Gefühl hat, keine Kraft mehr zu haben: „Mein Unterbewusstsein sagt mir dann: ,Gott steht dir bei, und er hilft dir da durch – er gibt dir Mut und Stärke, und er weiß, dass du das schaffst!‘“. Ihre Mutter Claudia gewinnt durch ihren Glauben in schwierigen Zeiten, „vor allem Hoffnung, dass sich letztlich alles zum Guten wenden wird. Alles, was geschieht, versuche ich aus der Sinnhaftigkeit des Glaubens heraus zu deuten“.
Dieses Gottvertrauen, das durch Krisenzeiten tragen kann, hilft auch Hildegard König in schwierigen Lebensabschnitten. „Ich habe ein tiefes Vertrauen in das göttliche Ja zu mir, zu meinem Mitmenschen und zur Welt. Und das ist etwas, was mich trägt. Ich habe bisher noch nicht die existenzielle Noterfahrung machen müssen, wo das radikal infrage gestellt wird. Ich bete aber darum, dass mich in dem Moment dieses Vertrauen auffängt.“
Für den Benediktinerpater und spirituellen Autor Anselm Grün hängt Gottvertrauen von Vertrauenserfahrungen in der Kindheit ab. „Aber auch wenn ich da wenig Gottvertrauen mitbekommen habe, kann ich es dennoch lernen.“ Allerdings könne man das nicht pauken wie Vokabeln. Der Ordensmann schlägt vor, Gottvertrauen einfach einmal auszuprobieren. Für Anselm Grün ist Gottvertrauen „nicht die Illusion, dass mir nie etwas Schlimmes widerfahren kann. Aber es ist das Vertrauen, dass ich – ganz gleich, was passiert – in Gottes guter Hand geborgen bin, dass ich aus Gottes liebenden Händen nicht fallen kann“. Dieses Vertrauen relativiere Gefährdungen von außen. Vor ihnen sollte man zwar nicht die Augen verschließen, aber man müsse auch nicht auf sie fixiert sein.
Hildegard König weiß, dass das Gebäude des Glaubens durch Lebensereignisse immer wieder erschüttert werden kann. „In vielen Menschenleben gibt es erschütternde Erlebnisse, ob das ein früher oder überraschender Tod im persönlichen Umfeld ist, ob das wie bei manchen der älteren Generation, ein Verlust von Heimat ist, weil sie vertrieben wurden.“ Hier sieht die Theologin Parallelen zur Ostergeschichte: „Jesu Tod war ein glaubenserschütterndes Erlebnis für seine Jüngerschaft. Das ganze Passionsereignis war schockierend, dieser elende Kreuzestod. Das ist alles markerschütternd.“ Für die Frauen müsse das leere Grab ein Schockerlebnis gewesen sein, wie eine Grabschändung. „Ihre Vertrauensbasis, ihr Glaubensgebäude, das sie in der Erfahrung mit Jesus aufgebaut haben – alles wird infrage gestellt. Ähnliches gibt es auch im Leben vieler Menschen, die durch existenzielle Brüche derart in der eigenen Vertrauensbasis erschüttert werden, dass ihr Glaubensgebäude entweder zusammenstürzt oder umgebaut werden muss“, sagt Hildegard König. „Wenn es zerstört wird, ist es so, dass man auszieht oder sich in diesen Ruinen neu einrichtet, indem man aus den Ruinen wieder etwas Neues baut.“
Ostern, das wichtigste Fest des christlichen Glaubens, ist nicht nur eine Freudenfeier über die Auferstehung Jesu; es blendet Leid nicht aus. Der Weg zum Licht am Ostersonntag führt über die Dunkelheit des Karfreitags, über Verlust, Ohnmacht, Tod – hin zu Freude, Hoffnung und Neuanfang. Ostern ist ein besonderes Fest für Frauen. Sie spielen die wichtigste Rolle am biblischen Ostermorgen. In den Evangelien werden Frauen nicht nur als Zeuginnen des leeren Grabes beschrieben, sondern sie empfangen auch den Auftrag, die Auferstehung Jesu zu verkünden. Während viele Jünger aus Angst fliehen, bleibt Maria von Magdala zusammen mit anderen Frauen bei der Kreuzigung in der Nähe (Joh 19,25). Sie ist eine der treusten Anhängerinnen Jesu und nimmt eine zentrale Rolle unter den Frauen in seiner Nähe ein.
Die bedeutsame Position der Frauen in der biblischen Ostergeschichte sieht die Geistliche Beirätin Nadine Röckl als Anregung, um über die mangelnde Gleichberechtigung der Frauen in der heutigen katholischen Kirche nachzudenken. „Wir Frauen, wie die Männer auch, sind mit so vielen Charismen und Begabungen ausgestattet, die uns Gott mitgegeben hat. Ich bin überzeugt davon, dass es in seinem Sinne wäre, dass diese entfaltet werden dürfen und auch sollen“, betont sie. „Dies ist aber nur dann möglich, wenn der Zugang zu Aufgaben, Ämtern und Rollen in der Kirche gerecht verteilt wird und nicht einem Geschlecht der Zugang zu bestimmten Bereichen verwehrt bleibt. Kurz gesagt: Ich wünsche mir eine Begegnung von Frauen und Männern auf Augenhöhe. Ohne Frauen würde in der katholischen Kirche, salopp ausgedrückt, gar nichts gehen.“ Da nicken Mutter Claudia und Oma Erika zustimmend. Drei Frauen, drei Generationen, drei unterschiedliche Lebensphasen, aber in ihrem Glauben haben sie sich lebenslang gegenseitig geprägt, beeinflusst und gestärkt.

Wie den Glauben weitergeben?

Christina Feifer, Geistliche Beirätin des KDFB-Diözesanverbandes Mainz, gibt Tipps für Eltern.

Eltern sind für die religiöse Entwicklung ihrer Kinder unverzichtbar. Fünf Impulse von Religionspädagogin Christina Feifer, wie Eltern den Glauben weitergeben können.
Wie wachsen Kinder heute im Glauben auf? Diese Frage bewegt viele Eltern – gerade in einer Zeit, in der religiöse Praxis nicht mehr selbstverständlich ist. Gemeindereferentin Christina Feifer, Geistliche Beirätin des KDFB-Diözesanverbandes Mainz und Sprecherin der Frauenkommission im Bistum Mainz, erlebt seit vielen Jahren, wie sehr sich die Voraussetzungen verändert haben. In Schule, Pfarrgemeinde und Familie beobachtet die 55-jährige Schulseelsorgerin: Kinder bringen immer weniger religiöse Grundkenntnisse mit – gleichzeitig sind sie offen für Sinnfragen, Rituale und Spiritualität, wenn diese lebensnah vermittelt werden. Die Erfahrungen von Christina Feifer zeigen: Glaubensweitergabe braucht weniger Perfektion, dafür mehr Alltag, Beziehung und Mut zur Einfachheit. „Gerade seit der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, dass viele Kinder kaum noch über religiöse Grundlagen verfügen. Kirchenräume, Stille oder Rituale sind vielen ungewohnt geworden“, so Christina Feifer, selbst Mutter von drei erwachsenen Kindern.
Umso wichtiger sei es, dass Eltern sich wieder als erste Glaubensbegleiter*innen ihrer Kinder verstehen – nicht belehrend, sondern ermutigend. Was Eltern und Großeltern konkret tun können, fasst die Religionspädagogin in fünf Impulsen zusammen:

Rituale geben Halt
Rituale im Tages- oder Jahreslauf vermitteln
Kindern verlässliche Strukturen und Sicherheit. Ein Tischgebet, ein Abendritual, ein Dankbarkeitsmoment vor dem Einschlafen: All das stärkt
Kinder emotional und spirituell. Dankbarkeit, Achtsamkeit, zur Ruhe kommen – was heute oft als Resilienzförderung bezeichnet wird, hat tiefe Wurzeln in der christlichen Spiritualität. Wer mit Kindern übt, auf das Gute im Alltag zu schauen, stärkt ihr Ur- und Gottvertrauen. Schöne biblische Bilder von Gott – als schützender Adler oder liebevolle Mutter – helfen dabei.

Gemeinsam Lesen: Eine Kinderbibel kann helfen, biblische Erzählungen lebensnah zu entdecken.

Glaubensgeschichten teilen
Kinder lieben Geschichten. Die Bibel ist eine riesige Schatzkammer davon. Eine gute Kinderbibel kann helfen, biblische Erzählungen kindgerecht und lebensnah zu entdecken. Es geht nicht darum, alles „richtig“ zu erklären, sondern gemeinsam zu lesen, zu staunen und Fragen zuzulassen. Glaube beginnt oft genau dort: beim gemeinsamen Lesen auf dem Sofa oder vor dem Schlafengehen. Das katholische Kirchenjahr mit all seinen Festen wie Ostern, Allerheiligen, Weihnachten mitzuerleben, ist für die Glaubensentwicklung von
Kindern und Jugendlichen bedeutend.

Erstkommunion: Glaube wächst dort, wo Gemeinschaft erlebt wird.

Vielfalt als Bereicherung
Kinder wachsen heute in einer multireligiösen Welt auf. Interreligiöser Dialog ist deshalb kein „Extra“, sondern Lebensrealität. Wichtig ist eine offene, angstfreie Haltung: Denn Vielfalt ist gottgewollt. Diese Botschaft macht stark und verbindet. Der interreligiöse Dialog beginnt im Kleinen: im Gespräch über Feste, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, über
Bilderbücher, die religionsübergreifend erzählen.
Geschichten aus verschiedenen Religionen zeigen gemeinsame Werte wie Mitgefühl, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Eine offene Haltung gegenüber Vielfalt nimmt Ängste und stärkt Kinder darin, respektvoll miteinander zu sein und neugierig zu bleiben. Wer Kindern vermittelt, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, schützt sie vor Ausgrenzung und Angst.

Gemeinde erleben ohne Schwellenangst
Viele Pfarrgemeinden bieten heute kreative Formen von Glaubensleben an, etwa „Kirche Kunterbunt“(siehe Kasten): ein familienfreundliches Konzept mit Stationen, Kreativangeboten, gemeinsamem Essen und Feiern. Solche Formate sprechen Kinder wie Erwachsene an – gerade auch diejenigen, die sich selbst nicht als „besonders religiös“ verstehen. Eltern dürfen sich trauen, diese Angebote auszuprobieren. Glaube wächst dort, wo Gemeinschaft erlebt wird – ohne Leistungsdruck und ohne Angst, nicht dazuzugehören.

Wenn Glaube erwachsen wird
Kinder und Jugendliche lernen Glauben nicht zuerst durch Worte, sondern durch Vorbilder. Wenn Eltern teilen, sich engagieren, solidarisch handeln, wird christlicher Glaube konkret. Ob Spendenaktionen, Engagement für die Tafel, ein Kleiderbasar oder die Frage: Wen können wir an Weihnachten bedenken? All das prägt nachhaltig. Soziales Engagement ist gelebter Glaube. Kinder übernehmen intuitiv, was sie erleben. Was Eltern ernst meinen, geben sie weiter – im Glauben genauso wie in anderen Lebensbereichen. Bei der Glaubensweitergabe geht es darum, sich gemeinsam auf den Weg zu machen: mit Geschichten, Ritualen, Offenheit, Gemeinschaft und Engagement. Eltern – und besonders Mütter – spielen dabei eine zentrale Rolle. Vor allem die Pubertät ist in vielfältiger Hinsicht eine Herausforderung, und das spiegelt sich auch in der Glaubenspraxis wider: Altvertrautes wirkt plötzlich peinlich, Abgrenzen und anders Gestalten ist ein berechtigtes Prinzip junger Menschen. Auch da gilt: Den Kontakt nicht abbrechen lassen, nicht alles besser wissen, mit Gelassenheit und Humor diese „Umbauphase“ begleiten und sich auch die eigenen Gefühle und Gedanken dieses Lebensabschnitts bewusst machen. Gute Grundlagen, gute Wurzeln, ermöglichen
dem Glauben, erwachsen zu werden.

Tipps für Eltern:

Kinderbibeln:
Rainer Oberthür: Die Kinderbibel – eine Entdeckungsreise, Gabriel, 2025, 18 Euro.
Anselm Grün: Die große Herder Kinderbibel, Herder, 2024, 26 Euro.
Bilderbuch zur religiösen Vielfalt:
Christine Hubka / Agi Ofner: Und doch sind alle Äpfel rund… Was Judentum, Christentum und Islam gemeinsam haben. Tyrolia, 2021, 20 Euro
(ab sieben Jahren).
Medienempfehlungen:
Fachstelle Medien der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter www.fachstelle-medien.drs.de
Konzept „Kirche Kunterbunt“ unter www.kirche-kunterbunt.de

Autorin: Karin Schott

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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