Gekommen, um zu bleiben
In der Freizeit, am Arbeitsplatz, in der Forschung: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr aus dem Leben wegzudenken – und sie wird unseren Alltag weiter verändern. Zeit, sich aktiv mit den Gefahren, aber auch mit dem praktischen Nutzen für jeden Einzelnen auseinanderzusetzen.
Als Papst Leo XIV. am 25. Mai in Rom seine Enzyklika „Magnifica humanitas“ vorstellte, überraschte er die Welt mit ihrem Schwerpunkt. Der Untertitel lautet: „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“. Und tatsächlich beschäftigt er sich in einem Großteil des Textes mit den Chancen und Risiken der neuen Technik. Papst Leo XIV. warnt, KI könne Desinformation verbreiten, Umweltschäden verursachen, zu viel Macht in den Händen einzelner Unternehmen bündeln sowie Kriege und Ausbeutung fördern. Sie bringe eine gesellschaftliche Transformation von großer Tragweite. Deshalb müsse KI sorgfältig reglementiert werden und sich an den Kriterien der Menschenwürde und des Gemeinwohls messen lassen. Dann könne sie Innovationen fördern und das Leben erleichtern. KI sei „ein wertvolles Hilfsmittel, das Besonnenheit erfordert“.
KI verändert unsere Welt rasant
Im Alltag ist KI längst allgegenwärtig. Wir nutzen sie, oft sogar unbewusst, wenn unser Mailprogramm Werbung herausfiltert, wir mit dem Navigationssystem Google Maps Staus umfahren oder das Handy per Sprachbefehl bitten, die Nummer einer Freundin zu wählen. Die Technik entwickelt sich rasant und verändert unser Leben. Eine Situation, der man sich stellen muss, findet Inga Maria Schütte, seit Juni stellvertretende KDFB-Vorsitzende des Landesverbandes Bayern: „Die Themen Digitalisierung und KI werden unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren massiv beeinflussen. Ich sehe es als eine Aufgabe des Frauenbundes an, diese neue technische Welt aktiv mitzugestalten.“
Chance oder Gefahr?
Nicht jede*r fühlt sich dieser neuen Herausforderung gewachsen. Viele Menschen stehen KI ambivalent gegenüber: Bei einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom gaben 42 Prozent der 1003 Befragten an, sie würden lieber ohne KI leben. Gleichzeitig sagten 76 Prozent, KI würde ihr Leben erleichtern. Fest steht, dass sie die Welt schneller erobert als jede andere technische Neuerung. Bereits fünf Tage nach seinem Start am 30. November 2022 hatte der Chatbot ChatGPT (ein Computerprogramm, mit dem man sich schriftlich unterhalten kann und das Fragen beantwortet) eine Million Nutzer. Heute sind es über eine Milliarde im Monat. Und ChatGPT ist nur einer von mehreren Anbietern – mittlerweile konkurrieren US-Programme wie Gemini, Claude, Microsoft Copilot, Perplexity, das französische Mistral Vibe und andere um Kunden (siehe S.22). In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des TÜV gaben 65 Prozent der Menschen an, KI regelmäßig zu verwenden, 45 Prozent mehrmals die Woche.
Fortbildung im Job wird noch wichtiger
Fast jeder Zweite verwendet KI im beruflichen Kontext. So auch Thomas Gärtner vom VerbraucherService Bayern, einer Einrichtung des KDFB. Der Jurist und Verbraucherberater bereitet damit Pressetexte und juristische Stellungnahmen vor und ist sich sicher: „Im Job wird man künftig nicht mehr daran vorbeikommen, KI zu nutzen.“ Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) prognostiziert sogar, dass sich bis 2030 jeder Arbeitsplatz in Deutschland durch KI verändern wird. KI-Systeme wie ChatGPT, die Texte und Bilder erschaffen können, und KI-Agenten (Programme, die eigenständig Arbeitsabläufe steuern) werden zunehmend einzelne Aufgaben übernehmen. Besonders betroffen: Tätigkeiten in Verwaltung, Buchhaltung und Marketing – Bereiche, in denen viele Frauen arbeiten. Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, riet deshalb in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit: „Als Angestellte sollte ich jede Möglichkeit wahrnehmen, mich weiterzubilden. Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass Frauen KI deutlich seltener nutzen als Männer. Es gibt einen Gender-KI-Gap von acht Prozent.“ Was Frauen im Job benachteiligt. Erfahrene Beschäftigte, die KI-Kompetenzen erwerben, könnten sogar von höheren Einkommen profitieren. (Wie stark ein Beruf durch KI verändert wird, kann man auf der Webseite https://job-futuromat.iab.de berechnen lassen.)
KI kann die Demokratie gefährden
Gründe für KI-Skepsis gibt es genug. Stichwort: Deepfakes. Thomas Gärtner sieht darin eine Gefahr für die Demokratie: „Mit den täuschend echt wirkenden Bildern, Videos und Stimmaufnahmen können Privatpersonen und Politiker diskreditiert, in falschen Zusammenhängen gezeigt und für Desinformationskampagnen in den sozialen Medien genutzt werden (siehe S. 30). Hier muss die EU regulatorisch eingreifen – was sie mit der Umsetzung des EU AI Act ja in gewissem Umfang tut.“ Das weltweit erste Gesetz zur Regulierung von KI tritt seit 2024 stufenweise in Kraft. Die Verordnung verbietet unter anderem besonders riskante KI-Anwendungen und schreibt für KI-generierte Inhalte in vielen Fällen Transparenz- und Kennzeichnungspflichten vor. Unternehmen riskieren hohe Strafen, wenn sie dagegen verstoßen. Kriminelle Akteure dürften trotzdem weitermachen wie bisher: Nach Analysen des „International Panel on the Information Environment“, einer unabhängigen Organisation von Wissenschaftlern in der Schweiz, spielte 2024 bei rund 80 Prozent der untersuchten Wahlen mithilfe von KI hergestellte Desinformation eine Rolle. Ein weiteres Problem: Die Entwicklung leistungsfähiger KI-Systeme liegt hauptsächlich in den Händen profitorientierter Technologieunternehmen außerhalb Europas – etwa OpenAI und Google in den USA. Diese Firmen haben die Macht, Märkte, Informationsfluss und gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen.
Um sich selbst vor Manipulation zu schützen, rät Gärtner, auffallend reißerische Inhalte skeptisch zu betrachten und zu überprüfen, ob sie auch auf seriösen Webseiten erwähnt werden.
Hoher Stromverbrauch
Negative Folgen hat der Ausbau von KI auch auf die Umwelt: „Bereits eine Anfrage an einen KI-Chatbot verbraucht mehr Energie als eine herkömmliche Suchmaschinenanfrage“, so Gärtner. „Nur zum Spaß sollte man sich nicht ständig mit KI unterhalten.“ Wesentlich größere Stromfresser sind aber das Training neuer KI-Modelle, der Betrieb der dafür notwendigen Rechenzentren und die KI-Nutzung durch die Wirtschaft: Der UN-Bericht „Die Umweltkosten des Energieverbrauchs von KI“ prognostiziert für 2030 einen weltweiten Stromverbrauch durch KI von 945 Terawattstunden (TWh). Damit könnte man Deutschland aktuell fast zwei Jahre lang mit Strom versorgen. Zudem versiegeln die Rechenzentren große Flächen und benötigen enorme Mengen an Kühlwasser – das verdunstet und mit Schadstoffen belastet wird: Die Wissenschaftlerin Sophia Falk errechnete im Zuge ihrer Doktorarbeit, dass die Trainingsrunde eines neuen Modells etwa so viel Wasser verbraucht wie 12 700 Menschen in einem Jahr. (siehe auch:
www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/kuenstliche- intelligenz-verantwortungsvoll-nutzen)
Der richtige Umgang mit KI
„All das gilt es bei KI-Nutzung zu bedenken“, sagt Thomas Gärtner. „Trotzdem kann man niemandem raten, KI zu ignorieren.“ Sinnvoller sei es zu lernen, wie man selbstbestimmt und nachhaltig damit umgeht. Inga Maria Schütte sieht das ähnlich: „Es ist wichtig, dass wir KI auch kritisch gegenüberstehen. Aber künstliche Intelligenz ist ein viel zu wichtiges Thema, um es alleine den Männern zu überlassen. Wir müssen Frauen befähigen, sich kritisch mit dieser neuen Technologie auseinanderzusetzen.“
Autorin: Barbara Stummer
Tipps zur KI
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Tipps für den KI-Einstieg
- Was ist generative KI? KI-Chatbots wie ChatGPT sind keine Datenbanken. Anders als Suchmaschinen, die vor allem Links anzeigen, können sie Texte und Bilder erstellen, Rückfragen aufgreifen, Informationen erklären und in Zusammenhang setzen. Dabei arbeiten sie nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip: Sie wurden mit riesigen Textmengen trainiert. Auf dieser Basis sagen sie Wort für Wort voraus, wie ein Satz wahrscheinlich weitergeht. Antworten können Fehler enthalten oder Erfundenes – sogenannte Halluzinationen. Je nach Trainingsdaten können sie Vorurteile reproduzieren und Minderheiten oder Frauen diskriminieren. Man sollte KI-Antworten nie unkritisch glauben, sondern gegenchecken.
- Der beste Einstieg in KI Spielerisch experimentieren: Rezepte vorschlagen oder einen Brief schreiben lassen. Kurse gibt es bei der Frauen-Computer-Schule (www.fcs-m.de) oder dem KI Campus (www.ki-campus.org).
- Die Kosten Ein gewisses Kontingent an Anfragen ist bei den meisten Chatbots kostenlos. Die leistungsfähigsten Modelle sind jedoch oft Abonnenten vorbehalten. Preise etwa zwischen zehn und 200 Euro monatlich.
- Daten schützen Was man in eine KI eingibt, kann gespeichert, ausgewertet oder zum Training der Systeme verwendet werden. Namen, Adressen, Telefonnummern, Bankdaten, Versicherungsnummern, Geschäftsgeheimnisse oder private Bilder gehören nicht in den Chatbot. Lädt man Dokumente hoch, sollten die Daten geschwärzt werden.
- Hilfe beim Datenschutz Private Prompts (www.privateprompts.org.). Die kostenlose deutsche Software erkennt private Daten in Dokumenten und ersetzt sie durch Platzhalter. Danach gibt man sie in einen Chatbot ein. Duck.ai (https://duck.ai) ist ein Portal, das Anfragen an Chatbots wie ChatGPT weiterleitet, dabei aber für besseren Datenschutz sorgt. Mehr Informationen zur sicheren KI-Nutzung gibt es beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: www.bsi.bund.de.
- Deepfakes erkennen Wer wissen möchte, ob Inhalte mit KI erstellt wurden, kann KI-Detektoren wie Hive (https://hivemoderation.com) oder GPTZero (https://gptzero.me) nutzen. Sie schätzen aber nur die Wahrscheinlichkeit, sind kein Beweis.
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Nützliche KI-Anbieter für Alltag und Arbeit
- Claude (www.claude.ai) Allrounder für Alltagsfragen, Textproduktion, Analyse von Dokumenten. Stärken: Datenschutz, guter Schreibtstil, ethische „Denkweise“
- Mistral Vibe (https://chat.mistral.ai/chat) Allrounder für Alltagsfragen, Textproduktion, Bilderstellung. Stärken: europäisches Unternehmen, besserer Datenschutz
- DeepL (www.deepl.com/de) Spezialist für Übersetzung, Lektorat Stärken: deutsches Unternehmen, besserer Datenschutz
- Perplexity (www.perplexity.ai) Perfekt für Rechcherche. Stärken: schneller Zugriff auf aktuelle Informationen, genaue Quellenangaben
- Midjourney (www.midjourney.com) Spezialist für Bildproduktion aus Text und existierenden Fotos. Erstellt auch Grafiken und Videos
- Chatgpt (www.chatgpt.com) Der bekannteste Allrounder für Alltagsfragen, Textproduktion, Bilderstellung. Stärken: sehr gut im Dialog mit dem Nutzer
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So kann man KI nutzen
- Texte bearbeiten KI kann korrigieren, umformulieren, Kernaussagen auflisten, Notizen strukturieren und Texte verfassen – vom LinkedIn-Post über E-Mails und Bewerbungen bis zu Reden. Genaue Anweisungen verbessern das Ergebnis. Bei Korrekturen könnte der Prompt lauten: „Kürze lange Sätze, streiche Füllwörter, prüfe die Kommasetzung.“ Auch Beispieltexte helfen.
- Komplizierte Texte erklären Die Bedienungsanleitung oder der Arztbrief sind schwer verständlich? KI kann Inhalte in einfache Sprache übersetzen oder Bilder zur Erläuterung liefern. Wichtig: Vor dem Hochladen persönliche Daten schwärzen. Praktisch ist der Prompt-Zusatz „ELI5“ – „Erklär es mir, als wäre ich fünf Jahre alt.“
- KI als Sparringspartner. Welche Reiseroute passt zu mir? Wie plane ich ein Event mit 250 Gästen? Wie bereite ich mich auf ein Vorstellungsgespräch vor? Mit KI kann man sich unterhalten als wäre sie eine Bekannte mit Spezialwissen: Sie liefert Ideen, schlägt Konzepte vor, übernimmt die Rolle des Arbeitgebers und zeigt Schwächen in der eigenen Argumentation auf.
- Meetings zusammenfassen Statt mitzuschreiben, kann man einen Mitschnitt in die KI laden. Die Anwesenden müssen über die Aufnahme informiert werden. Keine vertraulichen Inhalte hochladen! Auch möglich: eigene Notizen übersichtlich strukturieren lassen.
- Text in Grafiken umwandeln Mit Bildgeneratoren wie Midjourney (www.midjourney.com) lassen sich Bilder, Grafiken und Illustrationen erstellen – etwa für Präsentationen oder Social Media.
- Gesundheit. Das Knie zwickt, der Magen rebelliert? Chat- und Gesundheitsbots wie Ada (https://ada.com, von Stiftung Warentest mit gut bewertet) kann man mit Symptomen füttern und nach Ursachen fragen. Die Ergebnisse ersetzen keinen Arzt, sind aber erstaunlich akkurat. Trotzdem auf seriösen Medizinseiten wie www.gesundheitsinformation.de gegenchecken. Tipp: Die KI Fragen zur Diagnose formulieren lassen, die man dem Arzt stellen sollte.
- Technikprobleme Die Arbeit stapelt sich, aber der Computer streikt: Da lohnt es sich, KI zu Rate zu ziehen. Mit ihr kann man kommunizieren wie mit einem Servicemitarbeiter.
- Produktsuche KI kann Recherchen verkürzen. Beispiel: „Ich suche ein leichtes rotes E-Bike mit tiefem Einstieg, kurzer Ladedauer, Preis unter 3 000 Euro.“ Auf Wunsch vergleicht KI mehrere Modelle in einer Tabelle.
- Menüplanung Nur noch fünf Lebensmittel im Kühlschrank? KI schlägt passende Rezepte vor – je nach Wunsch sommerlich, herzhaft, schnell, vegetarisch…
- Lernen KI macht Schüler dümmer? Nicht unbedingt. Man kann sie sogar als Lernhilfe nutzen – Prüfungsfragen oder Lernstoff einspeisen, Erklärungen anfordern oder sich abfragen lassen.
- Für Menschen mit Beeinträchtigungen Die kostenlose App „Live Transcribe“ wandelt gesprochene Sprache und Umgebungsgeräusche für Gehörlose in Echtzeit in Text um. „Seeing AI“ liest Blinden Texte vor, beschreibt Personen und Objekte, erkennt Geldscheine und Produkte, erklärt Szenen. Beide Apps gelten als seriös und sind im Apple App Store und bei google Play erhältlich. Trotzdem: Datenschutzbestimmungen prüfen!
- Demokratie stärken Der von „Omas gegen Rechts“ entwickelte Chatbot Klara Klartext (klaraklartext.info) hilft, politische Programme und Debatten besser zu verstehen sowie Manipulation zu erkennen.
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Wie gebe ich der KI Anweisungen (Prompts)?
Fragen stellen! Je konkreter, desto
besser ist das Ergebnis. Bei komplexeren Themen lohnen sich fünf Schritte:
1. Der KI eine Rolle zuweisen. Zum Beispiel: „Du bist eine erfahrene Projektplanerin bei einem Eventveranstalter.“
2. Aufgabe und Ziel klar formulieren:
„Plane einen Infotag zum Thema XX für XX Personen. Schlage Referenten, Tagesordnungspunkte und Veranstaltungsorte vor.“
3. Details präzisieren: Stil, Ton und Aufbau der gewünschten Antwort nennen. Beispiel: „Dein Publikum ist gebildet, weiblich und etwa 35 Jahre alt. Orientiere dich am Stil eines SZ-Artikels. Gliedere den Text in drei Teile.“
4. Die KI anweisen: „Fasse den Prompt zusammen und stelle Rückfragen, damit ich die Frage weiter präszisieren und so deine Antwort verbessern kann.“
5. Die Antwort durch Nachfragen weiter verbessern -
Weiterlesen
- Papst Leo XIV.: Magnifica humanitas.
Über die Bewahrung des Menschen im
Zeitalter der Künstlichen Intelligenz,
Kösel Verlag, 2026, 16 Euro. Enzyklika als Buch. - Eva Gengler: Feministische KI – Warum KI Ungerechtigkeit verstärkt und was wir dagegen tun müssen,
Dietz Verlag, 2026, 22 Euro.
- Papst Leo XIV.: Magnifica humanitas.

