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Erholung für die Seele – Ein Platz zum Durchatmen

03.08.2026

Es gibt Orte, die Ruhe schenken und neue Kraft geben. Ob Kapelle, Baum oder Lieblingsecke zu Hause – sie laden dazu ein, innezuhalten und die Verbindung zu sich selbst und Gott neu zu entdecken.
Wenn Birgitt Pfaller neue Kraft braucht, zieht es sie nach oben. Die Geistliche Beirätin des KDFB Diözesanverbands Regensburg lebt am Fuß des Bayerischen Waldes. Nur wenige Minuten entfernt gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus sie weit über die Donauebene blicken kann. „Es stärkt mich, wenn ich auf die Landschaft schaue und die Weite sehe. Ich fühle mich dort dem Himmel näher und stelle mir vor, wie Gott voll Liebe auf die Welt und auf uns Menschen schaut“, erzählt sie. Die Berge sind für sie seit vielen Jahren mit guten Erinnerungen verbunden. Zahlreiche Urlaube in Südtirol haben ihre Liebe zu ihnen geprägt. „Es kommen dabei auch Erinnerungen hoch. Das tut mir gut. Ich suche diese Anhöhe auf, wenn ich merke, dass ich Ruhe brauche.“ Einen Platz, an dem sich die Akkus wieder aufladen, an dem man einfach sein kann und sich selbst wieder ein Stück näherkommt – einen solchen Kraftort kennen viele Menschen. Für Birgitt Pfaller ist es dieses Fleckchen Erde, „an dem ich etwas spüre, das mir Kraft gibt, wo ich heil werden kann“.

Wo die To-Do-Listen schweigen

Wenn der anstrengende Alltag mit einem Pflegefall in der Familie wenig Pausen zulässt, dann sucht Birgitt Pfaller bewusst die Orte im Umfeld auf, von denen sie weiß, dass sie ihr guttun. „Da gehört auch mein Garten dazu. Wenn ich da morgens durchgehe und die welken Blüten abzupfe, komme ich zur Ruhe und kann mich anders ausrichten. Das schenkt mir Kraft.“ Viele Pflanzen, das langsame Gehen, das achtsame Hinschauen – all das wirkt stärkend. Im Moment sein, ohne etwas leisten zu müssen.
Es sind oft ganz einfache Dinge, die aufatmen lassen und den Blick wieder weiten: das Grün der Natur, der Blick in die Landschaft, das Staunen über die Schönheit der Schöpfung. Sorgen und kreisende Gedanken kommen zur Ruhe. „Ein Kraftort ist für mich ein Ort, an dem die To-do-Listen schweigen“, sagt die Geistliche Beirätin.

Orte, die im Herzen bleiben
Dass es Orte gibt, die etwas mit einem machen und die man für immer im Herzen trägt, das ist ihr schon als Jugendliche bewusst geworden. Sie war Schülerin, als eine Lehrerin auf einer Klassenfahrt bei ihr die Begeisterung für die gotische Kathedrale in Chartres geweckt hat. Seitdem sehnt sie sich an diesen besonderen Ort in Frankreich zurück. Umso glücklicher war sie, als sie vor einigen Jahren die Gelegenheit ergreifen und eine Frauenbund-Reise dorthin mitorganisieren konnte.
Schon oft hat sie in KDFB-Gruppen mit dem Symbol des Labyrinthes von Chartres, das dort in der Kathedrale in den Steinboden eingelassen ist, gearbeitet. Es ist für sie ein starkes Bild für das Leben. „Auch wenn man das Gefühl hat, man kommt nicht weiter und ist auf verschlungenen Pfaden unterwegs: Obwohl man sich von der Mitte zu entfernen scheint, führt der Weg wieder nach innen. Das Leben verläuft nicht geradlinig. Aber man kommt an. Man darf nur nicht stehen bleiben.“ Selbst wenn Menschen manchmal das Gefühl hätten, nicht weiterzukommen, werde das Labyrinth so zur tröstlichen Botschaft: „Die Mitte wartet auf uns. Ich finde, das ist ein sehr tröstlicher Ort, ein Ort an dem man Gott besonders nahe sein kann“, ist Birgitt Pfaller überzeugt.
In Chartres könne man darüber hinaus noch etwas anderes spüren: die vielen Menschen, die dort seit Jahrhunderten gebetet und Gott gesucht haben. „Diese Dichte, diese Nähe Gottes – das ist etwas ganz Besonderes.“

Was ist mein Kraftort?

Manchmal sind es eher unscheinbare Plätze, die uns guttun und an denen wir wieder bei uns selbst ankommen. Vielleicht ist es ein Platz am Wasser, der eigene Garten oder eine Kirche. Folgende Fragen können helfen, sich seiner Kraftorte bewust zu werden:

An welchem Ort komme ich zur Ruhe?
Wo kann ich einfach sein, ohne etwas leisten zu müssen?
Wo werden meine Gedanken klar und mein Herz weit?
Wo staune ich über die Schönheit der Natur oder spüre Gottes Nähe?
Welche Erinnerungen an einen besonderen Ort tragen mich bis heute?
Wie fühle ich mich, wenn ich im Alltag an
diesen Ort denke?

Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Kraftort. Besuchen Sie ihn bewusst, verweilen Sie einen Moment und spüren Sie nach: Was tut mir gut?

Klarheit, Ruhe und Erholung

Der Benediktinerpater Anselm Grün beschreibt dieses Gefühl, das Kirchenbesucher, die in der Stille einer Kirche verweilen, mitunter haben, in seinem Buch „Kraftorte“ (Herder Verlag, 2016, nur noch antiquarisch zu beziehen). „Manchmal entsteht der Eindruck, dass die vielen Gebete sich in den Steinen der Kirche geradezu festgesetzt haben. Der ganze Raum ist davon erfüllt. Und wer sich in diese Kirche begibt, hat teil daran. Menschen können eintauchen in die Atmosphäre des Gebetes.“
Anselm Grün nennt drei Wirkungen, die von Kraftorten ausgehen können: Der Geist gewinnt Klarheit, die Seele findet Ruhe, und der Leib kann sich erholen. Tatsächlich kennen viele Menschen diese Erfahrung. Plötzlich wird manches klarer. Gedanken ordnen sich. Man muss nichts leisten, nichts erklären. Man darf einfach da sein.

„Das war heute mein Gottesdienst“
Ulrike Groß aus Deidesheim in der Pfalz nimmt regelmäßig andere Frauen mit zu einer Kraftort-Pause. Die Geistliche Beirätin des KDFB Speyer lädt immer wieder zu spirituellen Wanderungen in der Umgebung ein. Einer ihrer Lieblingsorte ist die Weinbachspring (14), eine gefasste Quelle. „Sie liegt wunderschön im Wald, sodass man auch im Sommer auf dem Weg Schatten findet, und sie fließt unermüdlich. Die drei Rohre, aus denen das Wasser strömt, sind für mich ein Symbol für die göttliche Lebenskraft und die Dreifaltigkeit“, erklärt sie. Immer wieder bietet sie spirituelle Wanderungen dorthin an. Zu Beginn gibt es einen kurzen Impuls, der in die Stille führt. Den Hinweg verbringen die Frauen schweigend und nehmen ihre Umgebung sehr bewusst wahr. „Viele sind überrascht, wie gut ihnen diese Ruhe tut.“ Beim letzten Mal habe eine Teilnehmerin rückgemeldet: „Das war heute mein Gottesdienst.“
Für die Exerzitienbegleiterin ist ein Kraftort auch ein Ort, der mit den Generationen vor uns verbindet. „Gerade Kapellen stehen oft an Orten, die Menschen schon seit langer Zeit aufsuchen – so wie die Michaelskapelle, zu der ich ebenfalls häufig mit Frauengruppen gehe.“
Auch der KDFB Regensburg hat immer wieder mal Ausflüge zu Kraftorten im Programm. „Wir haben in der Kommission ,Glaube und Kirche‘ unsere Lieblingsorte in den verschiedenen Regionen unseres großen Bistums gesammelt und möchten sie nach und nach anderen Frauen vorstellen und einladen, sie gemeinsam zu entdecken.
Nicht immer hat man die Möglichkeit, die Orte, die einem guttun, aufzusuchen. Aber schon die Erinnerung an sie kann durch schwierige Zeiten tragen. „Man kann das damit verbundene Gefühl in sich wieder wachrufen“, sagt Birgitt Pfaller. „Das gibt Kraft. Das ist real, das bildet man sich nicht ein.“
Vielleicht liegt der eigene Auftankplatz gar nicht weit entfernt. Vielleicht ist es eine Bank mit Aussicht, ein Waldweg, der Garten oder eine Kirche. Vielleicht genügt es, sich dort einfach hinzusetzen und zu schauen. Denn manchmal hilft die äußere Umgebung dabei, nach innen zu sehen. Und dort den eigentlichen Kraftort in sich selbst wiederzuentdecken: die Quelle aller Kraft. Es lohnt sich, den eigenen Lieblingsplätzen Aufmerksamkeit zu schenken. Und ihnen Raum zu geben. Dort, wo die To-do-Listen schweigen.

Tipps:

  • Eine spirituelle Wanderung zur Michaelskapelle (Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Sensental/Deidesheim) bietet der DV Speyer am 12. September an. Mehr unter www.frauenbund-speyer.de
  • Die www.frauenorte-niedersachsen.de empfiehlt der KDFB Osnabrück. Schatzmeisterin Sigrid Egbers ist aktiv mit dabei und forscht zu Maria von Jever.

Autorin: Claudia Klement-Rückel

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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