Die politische Arbeit des Frauenbundes
Reform der Hinterbliebenenversorgung
Anfang Dezember 2025 brachte Anne Rauen, Mitarbeiterin der KDFB-Bundesgeschäftsstelle und selbst junge Verwitwete, das Thema Hinterbliebenenversorgung vor ein breites Publikum. In der ARD-Arena mit Bundeskanzler Friedrich Merz machte sie die Situation der 1,2 Millionen Hinterbliebenen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland sichtbar – 85 Prozent davon sind Frauen. Sie schilderte eindrücklich, wie die Einkommensanrechnung Hinterbliebene ausbremst, die trotz privater Belastung mehr arbeiten wollen und könnten.
Das aktuelle System benachteiligt besonders junge Verwitwete: Zwar dürfen sie arbeiten, doch Einkommen über der Hinzuverdienstgrenze wird auf die Hinterbliebenenrente angerechnet, auch Aufwandsentschädigungen für Ehrenämter. Das führt dazu, dass sich zusätzliche Arbeit oft wirtschaftlich nicht lohnt. Die Folgen sind finanzielle Unsicherheit, eingeschränkte Erwerbstätigkeit und dadurch ein erhöhtes Risiko von Altersarmut. Auch volkswirtschaftlich ist die Einkommensanrechnung problematisch: Sie hemmt die Erwerbsbeteiligung von Hinterbliebenen, verschärft den Fachkräftemangel, mindert potenzielle Steuereinnahmen und verursacht einen hohen bürokratischen Aufwand.
Bundeskanzler Merz kündigte an, das Thema mitzunehmen: Bis Ende Juni 2026 soll eine Rentenkommission konkrete Reformvorschläge vorlegen, im zweiten Halbjahr 2026 soll die Umsetzung erfolgen. Damit folgt die Regierung dem Ziel im Koalitionsvertrag, die Hinzuverdienstmöglichkeiten für Hinterbliebene zu verbessern.
Die KDFB-Bundesdelegiertenversammlung hat bereits 2021 und erneut 2024 festgestellt: Faire Rahmenbedingungen sind dringend nötig, damit Hinterbliebene ihre finanzielle Eigenständigkeit sichern, ihre Familien versorgen und Rücklagen aufbauen können.
Wir fordern:
- Abschaffung der Einkommensanrechnung bei Hinterbliebenenrenten;
- ein bundesweites Netzwerk qualifizierter Beratungsstellen, um Hinterbliebenen den Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten zu erleichtern;
- Erhebung umfassender Daten zur Situation Hinterbliebener, um gezielte politische Maßnahmen entwickeln zu können.
Der KDFB-Bundesverband hat ein Factsheet „Kurz & Knapp“ für die Arbeit vor Ort erstellt www.frauenbund.de. Außerdem gibt Anne Rauen im #frauenbundblog persönliche Einblicke. Inga Krauss, Gründerin der Initiative „Gerechte Hinterbliebenenversorgung“, hat zu Jahresbeginn eine neue Petition zum Thema auf Change.org gestartet. Der KDFB ruft zur Unterstützung der Petition auf.

