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Berufswunsch: Priesterin

Stephanie Gans (3.v.l.) ist Mitglied der Freiburger Initiative „Mein Gott*diskriminiert nicht. Meine Kirche schon.“

30.03.2026

Stephanie Gans hat sich für die Priesterausbildung beworben. Sie fühlt sich für das Weiheamt in der katholischen Kirche berufen. Chancen hat sie keine. Dennoch zieht die symbolische Aktion der jungen Theologin weite Kreise.
Stephanie Gans hat die gleiche Ausbildung wie ein Priester. In Freiburg studierte sie Theologie, vor einem halben Jahr begann sie eine dreijährige Berufsvorbereitung im Bistum Speyer. Dennoch wird sie nicht geweiht werden. In der Nachfolge Christi kann nur ein Mann Priester werden, so sieht es das Kirchenrecht vor. Stephanie Gans wird Pastoralreferentin. Dass sie sich berufen fühlt, spielt keine Rolle. Trotzdem hat sich die 28-jährige KDFB-Frau ganz offiziell für das Weiheamt beworben.

Stephanie Gans: „Vor Gott sind alle Menschen gleich.“

„Ich glaube einfach, vor Gott sind alle Menschen gleich –und das Evangelium kennt keine Rangordnung von Würde. Das Geschlecht darf kein Ausschlusskriterium für Berufung sein“, ist sie überzeugt. Um ein Zeichen zu setzen, habe sie ihre Bewerbung im Mai 2025 in Freiburg eingereicht – gemeinsam mit acht weiteren Theologiestudentinnen. Aufgerufen zu dieser symbolischen Aktion hatte die Freiburger Initiative „Mein Gott* diskriminiert nicht. Meine Kirche schon.“ (siehe Kasten). „Die Leute haben uns überschüttet mit Ermutigung, mit Dankbarkeit“, erinnert sich Stephanie Gans. Auch innerkirchlich war die Resonanz groß. Die Aktion sei ein mutiges Zeichen, erklärten Professorinnen und Professoren der Freiburger Universität. Gründe, die gegen die Priesterweihe von Frauen angeführt würden, könnten aus theologisch-wissenschaftlicher Perspektive nicht überzeugen. „Ich wollte immer schon bei den Menschen sein, dort, wo sie uns brauchen“, erklärt Stephanie Gans. In der Pfarrgemeinde St. Antonius in Maxdorf ist sie derzeit als Pastoralassistentin eingesetzt und stößt immer wieder an strukturelle Grenzen, die ihr als Frau in der katholischen Kirche aufgezeigt werden. Gläubige sagen ihr: „Wie schade, dass Sie jetzt mein Kind nicht taufen können.“ Stephanie Gans muss diese Menschen vertrösten. „Aber sie wenden sich dann nicht immer an eine geweihte Person. Manche verzichten auf die Taufe.“ So eng sei die Kirchenbindung nicht mehr. „Die Kirche steht sich selbst im Weg“, bringt es Stephanie Gans auf den Punkt.
Die Theologin lässt sich dennoch nicht entmutigen. Ihre Bewerbung landete auf dem Schreibtisch von Regens Christian Würtz, der in der Erzdiözese Freiburg die Priesterausbildung verantwortet. Er hat sich bereits fünfmal mit den Bewerberinnen getroffen – zu intensiven Gesprächen. „Auch wenn sich bisher strukturell nichts geändert hat, sind wir zusammen einen Entwicklungsschritt gegangen“, sagt Stephanie Gans. „Weihbischof Würtz versteht, dass es uns um wirkliche Sehnsucht, um Berührt-Sein geht.“ Für den Sommer plant sie eine Kunstaktion, die das Thema Berufung neu beleuchten soll. „Wir werden dranbleiben und weiter stören“, verspricht Stephanie Gans. Rückhalt spürt die junge Theologin auch im Frauenbund: „Bei uns in der Familie ist es so: Meine Mutter hat die KDFB-Mitgliedschaft von ihrer Mutter geschenkt bekommen. Und ich habe sie von meiner Mutter geschenkt bekommen. Ich merke, dass in solchen Gruppierungen ein wahrer Schatz an Ressourcen, an Vertrauen, an gemeinsamem Unterwegssein steckt.“
Autorin: Eva-Maria Gras

Initiativen für eine geschlechtergerechte Kirche

Tag der Diakonin +PLUS: Inspiriert von der Freiburger Initiative stellt der KDFB seine zentrale Veranstaltung zum Tag der Diakonin +plus unter das Motto „Gott diskriminiert nicht“. Die Veranstaltung findet am 29. April 2026 von 16 bis 19 Uhr in der Basilika St. Bonifaz, Karlstraße 34, in München statt. Mit der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), dem Netzwerk Diakonat der Frau und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will der KDFB ein Zeichen für eine geschlechtergerechte Kirche setzen. Infos: www.frauenbund.de
Freiburger Initiative: Die Initiative „Mein Gott* diskriminiert nicht. Meine Kirche schon.“ setzt sich für eine diskriminierungsfreie katholische Kirche ein. Infos unter meingottdiskriminiertnicht.de und auf Instagram unter #meinGottdiskriminiertnicht
Predigerinnentag: Um mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche einzufordern, beteiligt sich der KDFB am Predigerinnentag der kfd. Zwischen dem 29. April, dem Fest der heiligen Katharina von Siena, und 17. Mai, dem Fest der Apostelin Junia, sind Frauen bundesweit aufgerufen, auf der Kanzel eine Predigt zu halten. Mehr unter kfd.de/predigerinnentag
Katholik*innentag in Würzburg: Für eine geschlechtergerechte Kirche wird der KDFB sich auf dem Katholik*innentag 2026 in Würzburg starkmachen. Er findet vom 13. bis 17. Mai statt. Mehr Informationen unter www.frauenbund.de und www.katholikentag.de

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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