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Von Gott an den richtigen Platz gestellt: Gabriele Zinkl

Schwester Gabriela ist in den Orden der Borromäerinnen eingetreten und lebt in Jerusalem. Foto: Ikarus Film/Max Kronawitter

Die ehemalige KDFB-Vizepräsidentin Gabriele Zinkl ist jetzt Ordensschwester bei den Borromäerinnen in Jerusalem.

Es ist Nacht geworden in Jerusalem. Schwester Gabriela sitzt im Dunkel des späten Abends in der Hauskapelle ihres Konvents St. Charles. Ein paar Kerzen werfen ein wenig Licht an die Wände. Sie genießt die Stille, genießt es, an diesem Ort angekommen zu sein.

Genau an dieser Stelle erreichte Gabriele Zinkl vor drei Jahren beim Singen der Psalmen, beim Beten und Meditieren etwas Unvorhergesehenes, das die damalige Vizepräsidentin des KDFB heute nur als den Ruf Gottes interpretieren kann: „Plötzlich traf mich jeder Satz des Evangeliums. Ich musste oft innehalten und schlucken, weil mich das so radikal angesprochen hat. Eine tiefe Sehnsucht hatte mich erfasst.“ 

Eigentlich war Gabriele Zinkl nur nach Jerusalem gekommen, um für den Frauenbund einen Spendenscheck an die Borromäerinnen zu überreichen – und nun das, dieses irritierende, starke, unablässige Gefühl. „Mir stellte sich plötzlich die Frage: Sollte ich nicht von meinem Schreibtisch in Regensburg weggehen und noch viel tiefer diesen Weg Christi gehen?“

Freudige Reaktionen der Mitmenschen waren selten

Zwischen diesem Zeitpunkt und dem Gelübde der Barmherzigkeit bis zu ihrer Einkleidung im April dieses Jahres lag für Gabriele Zinkl ein steiniger Weg, für den sie viel Mut und Kraft benötigte. Schock und Empörung schlugen ihr entgegen, als sie Eltern, Lebenspartner, Arbeitgeber und KDFB-Kolleginnen ihre Entscheidung mitteilte, ins Kloster zu gehen: „Freudige Reaktionen waren selten. Viele fragten sich eher: Wie kann eine selbstständige und selbstbewusste Frau, die eigentlich kurz vor der Hochzeit steht, einem Orden Gehorsam und Enthaltsamkeit versprechen?“, erinnert sich Schwester Gabriela, die heute als Novizin eine weiße Haube, den „Brautschleier“, zu einem dunklen Ordensgewand trägt. 

Fest gebunden hat sie sich nun – an die Borromäerinnen, eine katholische Ordensgemeinschaft, die vier Gebote hat: Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit und Barmherzigkeit. Die Schwestern des Hl. Karl Borromäus sind weltweit vor allem caritativ tätig in der Pflege von Kranken und Alten, in der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen, in der Katechese, in Pilger- und Erholungsstätten. In Jerusalem betreiben sie das Deutsche Hospiz, ein Gästehaus für Pilger, sowie einen Kindergarten für rund 140 palästinensische Mädchen und Jungen (www.deutsches-hospiz.de).

Alte Gewohnheiten zu Hause lassen

Die Wandlung der quirligen, modebewussten, promovierten Theologin mit tollem Job am Regensburger Kirchengericht zur Ordensfrau hat die ARD in einer halbstündigen Dokumentation festgehalten. Der Film wurde am 9. Oktober unter dem Titel „Wie kannst Du nur? Kloster statt Karriere“ ausgestrahlt. (Ein Jahr lang gibt es den Film aber noch in der Mediathek der ARD (Gott und die Welt) zu sehen.) „Mehrere Tage lang von einer Kamera in den verschiedenen Situationen begleitet und gefilmt zu werden, war oft anstrengend, für mich persönlich wie auch für die anderen Schwestern. Aber irgendwann gewöhnt man sich daran und ignoriert das Filmen“, erzählt Schwester Gabriela. Der Film vermittelt, wie sie ihr neues Leben sieht: „Es ist sehr erfüllend. Ich fühle mich hier von Gott an den richtigen Platz gestellt.“

Eineinhalb Jahre lang wird die 41-Jährige als Novizin nun vor allem die Frage begleiten, ob sie den eingeschlagenen Weg bis an ihr Lebensende gehen möchte: „Man muss sich bei einem so gravierenden Schritt wie dem Eintritt in eine Ordensgemeinschaft im Klaren sein, dass man viele seiner alten Gewohnheiten zu Hause lässt und ablegt zugunsten des Lebens in Gemeinschaft.“ 

Alt und Jung in einer Lebensgemeinschaft

Mit der richtigen Einstellung sei das kein Problem – und ihre Mitschwestern helfen ihr bei all dem Neuen und Ungewohnten: „Unsere altersmäßig gemischte Schwesterngemeinschaft ist für mich ein wertvolles Geschenk. Es ist wie eine große Familie, Junge und Alte helfen zusammen.“ So beflügelt sie oft der reiche Erfahrungsschatz und ironische Humor der fast 90-jährigen Altoberin Schwester Xaveria. Schwester Gabriela dagegen hofft, ihr durch Hilfe am Computer oder beim Schieben des Rollstuhls ab und zu eine Freude zu bereiten.

Im Noviziat hat Schwester Gabriela kein Aufgabenfeld mit eigener Verantwortung, sondern hilft bei vielen Tätigkeiten mit, die im Gästehaus für Pilger anfallen: an der Rezeption, in der Waschküche oder im Speisesaal. Außerdem gibt sie im Kindergarten spielerischen Deutschunterricht. Aber auch von ihrem alten Beruf können die Kirchenkreise in Jerusalem profitieren: Wenn dringender Bedarf ist, bearbeitet sie als Kirchenrechtsexpertin Fälle für das Patriarchat von Jerusalem. Zudem hält sie einmal in der Woche Vorlesungen für Theologiestudenten an einer Ordenshochschule: „Das alles aber eher in kleinem Umfang, denn im Noviziat soll man sich nicht durch zu viele Außeneinflüsse und Aufgaben ablenken, sondern sich der Berufung zum Leben als Ordensschwester klar werden.“

Feste Zeiten des Gebets

So hat Schwester Gabriela im Alltag auch genug Zeit, sich in das geistliche Leben zu vertiefen. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Novizenmeisterin Schwester Daniela, die sie täglich um 15 Uhr zu einer Unterrichtsstunde trifft, um gemeinsam geistliche Lektüre, Fragen, Sorgen und Nöte im Alltag des Noviziats zu besprechen. 

Dieser Alltag beginnt an Werktagen um 6 Uhr mit der Laudes in der Hauskapelle und anschließender Schriftlesung. Nach der Messfeier um 6.45 Uhr frühstücken die Schwestern im Schweigen. Vormittags arbeitet jede der neun Schwestern in ihrem Aufgabenfeld. Um zwölf Uhr gibt es Mittagessen, anschließend das Stundengebet in der Hauskapelle und, falls möglich, eine kurze Ruhepause, bis jede wieder an ihre Aufgaben geht. Von 16 bis 17 Uhr kommen alle Schwestern zu Rosenkranz und Vesper in der Hauskapelle zusammen wie auch nach dem Abendessen um 18.30 Uhr zum Abendgebet, der Komplet. 

Eine Pflanze erinnert an die Heimat

Nach einem langen Arbeitstag genießt Schwester Gabriela die Ruhe in ihrem Zimmer, das bescheiden eingerichtet ist mit Bett, Schrank, Sessel und Schreibtisch. Auffällig grün leuchtet da auf dem Fensterbrett eine einzige Zimmerpflanze. Für die Novizin ist sie die Brücke in die Heimat: „Für meine Mutter war und ist es sehr schwierig, meine Entscheidung für ein Leben im Kloster zu akzeptieren. Ich wollte aber ganz bewusst etwas für mich haben, damit sie mir auch in der Ferne nahe ist. Und so habe ich beschlossen, auf diese Blume, die ich zum Namenstag bekommen habe, ganz besonders gut aufzupassen. Wenn ich sie gieße, pflege und zurechtrücke, denke ich jedes Mal an meine Mutter.“ Schwester Gabriela hofft sehr darauf, dass sie ihre Eltern eines Tages besuchen kommen, denn für eine Novizin sind Heimatbesuche im ersten Jahr tabu.

Zu ihrem früheren Freundes- und Kollegenkreis hält sie Kontakt per Telefon oder E-Mail, teilt aus der Ferne mit ihnen freudige Ereignisse wie Hochzeiten oder die Geburt eines Kindes, aber auch deren Probleme. Besonders freut sich Schwester Gabriela, wenn „einige mich bitten, für sie zu beten, wenn es hart auf hart kommt – das nehme ich dann gerne mit in den Schwesternkonvent und in die Hauskapelle zum stillen Gebet und Mittragen dieser Sorgen“.

Jesus an seinem Wirkungsort nachfolgen

Am Klosterleben begeistert Schwester Gabriela „das Radikale der Nachfolge Jesu“: „Nicht nur ab und zu beten, ein frommes Lied singen und dann arbeiten, sondern sein ganzes Tun, voll und ganz, mit Hingabe in den Dienst Jesu Christi und der Liebe zum Nächsten stellen. Das ist radikal, fängt also an der Wurzel unseres Glaubens an und führt uns dahin zurück.“

Für Schwester Gabriela ist es wesentlich, diese Nachfolge Jesu am Ursprungsort des Christentums leben zu dürfen, in Jerusalem. Eine Alternative zu der Gemeinschaft der Borromäerinnen kam für sie gar nicht in Frage: „Hier mit den Schwestern in der Hauskapelle – das ist es!“

Wenn ihr Konvent an den Weihnachtsfeiertagen in der Ge­burtskirche in Bethlehem eine Heilige Messe feiert, wird für Schwester Gabriela die Nähe zu den Orten des Evangeliums zu einem großen Geschenk: „Weihnachten im Heiligen Land zu feiern ist etwas Einmaliges und tröstet mich über die große Distanz zur Familie in Deutschland hinweg.“

Autorin: Karin Schott
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2016

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