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Verletzung der Menschenrechte: Genitalverstümmelung

Rostige Beschneidungswerkzeuge. Infektionen kosten viele Mädchen das Leben. Foto: mauritius images/Friedrich Stark/Alamy

Kaum vorstellbar und doch wahr: Tag für Tag werden weltweit die Genitalien von Mädchen verstümmelt. Es handelt sich dabei nicht um eine „normale“ Beschneidung wie bei Jungen. Das Gegenteil ist der Fall: Die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane werden entfernt oder beschädigt.

 

Normalerweise wird dieser extrem schmerzhafte Eingriff bei Mädchen im Alter zwischen vier Monaten und 15 Jahren von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen, die ohne Narkose und ohne hygienische Maßnahmen arbeiten. Oft ist die Mutter, Großmutter oder eine Tante des Kindes dabei. Ihre Aufgabe ist es, Hände und Beine des Mädchens zu fesseln oder festzuhalten, damit es sich nicht wehren kann. Wenn Klitoris und Schamlippen entfernt sind, wird die Wunde bis auf ein kleines Loch zum Abfließen von Urin und Menstruationsblut zusammengenäht, manchmal auch mit Dornen zusammengesteckt. So will es die Tradition.

Die Folgen für die Gesundheit sind vielfältig und schwerwiegend: neben Schwierigkeiten beim Urinieren, Unterleibsentzündungen, Menstruations- und Sexualstörungen, Komplikationen bei Geburten oder Spätfolgen durch fortwährende Entzündungen wie Athrithis und vieles mehr.  

 

In Deutschland sind etwa 30.000 Frauen betroffen

 

Für den ersten Sexualverkehr werden die vernarbten Wunden der Mädchen und Frauen in der Regel in der Hochzeitsnacht durch die Ehemänner eröffnet.

Weltweit sind laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 140 Millionen Frauen und Mädchen betroffen. Das Hauptverbreitungsgebiet umfasst 28 Staaten im westlichen und östlichen Afrika (92 Millionen). Aber auch in Teilen von Asien, Australien, Neuseeland, Nord-, Mittel- und Südamerika, in arabischen Staaten sowie in Israel, im Irak und Iran werden Mädchen zwischen dem Babyalter und der Pubertät an den Genitalien verstümmelt. Allein in Deutschland sind etwa 30.000 Frauen betroffen und mehr als 9.000 Mädchen gefährdet. Direkt nach dem Eingriff sterben fünf bis zehn Prozent der Mädchen, jede fünfte betroffene Frau stirbt an den Spätfolgen.

 

Das fordert der Frauenbund

 

Der Bundesausschuss des KDFB hat sich im März dieses Jahres mit weiblicher Genitalverstümmelung befasst. In einem Studienteil informierte Fadumo Korn, Vorsitzende des Vereins NALA (www.nala-fgm.de), über Hintergründe und Arten der Beschneidung, gesundheitliche Gefahren und über Folgen für die Lebensgestaltung der Frauen. Aufgrund eigener Erlebnisse in Somalia und zahlreicher Gespräche mit verletzten und traumatisierten Mädchen und Frauen verlangt sie den sofortigen weltweiten Stopp weiblicher Genitalverstümmelung und Beschneidung sowie nationale und internationale Aufklärungskampagnen und Hilfsangebote für die Betroffenen.

 

Der Frauenbund fordert in einem Beschluss die Politik auf,

  • die Thematik nicht bloß als Problem ferner Länder anzusehen, sondern auch als europäisches und deutsches, das gesellschaftlicher Aufklärung bedarf;
  • die weitreichenden körperlichen, seelischen und sozialen Folgen als geschlechtsspezifische Gewalt anzuerkennen;
  • dass unabhängig vom Grad der Beschneidung ein Anspruch auf Asyl in Deutschland bestehen muss;
  • Frauen und Mädchen, die von Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht sind, frühzeitig rechtlich und fachmedizinisch aufzuklären und Beratungen flächendeckend und niedrigschwellig anzubieten;
  • das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung als festen Bestandteil in die Ausbildung von Ärzt*innen, Hebammen, Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und Lehrer*innen aufzunehmen, damit sie für den Kontakt mit den Betroffenen vorbereitet und geschult sind.

 

 

Autorin: Ute Hücker
aus: KDFB engagiert 5/2021

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