KDFB

„Ein Zeichen der Hoffnung setzen“

Theologieprofessorin Ute Leimgruber ist Mitglied der Theologischen Kommission des KDFB-Bundesverbandes. ©Universität Regensburg, Margit Scheid

Die Theologieprofessorin Ute Leimgruber berichtet über ihr Engagement beim Synodalen Weg. Sie ist dort Mitglied im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.

 

Die Arbeit im Synodalforum war vieles: ernsthaft, leidenschaftlich, anstrengend, und niemand, der*dem die Kirche und ihr Evangelium egal wäre, würde wohl so viel Zeit und Energie und Nerven in dieses Engagement um die Kirche investieren. Von Anfang an zeigte sich in unserem Forum bei einer großen Mehrheit der Forumsmitglieder ein weitreichender Reformwille. Denn eine Reform der katholischen Kirche kann nur wirksam werden, wenn es auch im Blick auf die Rolle der Frauen in der Kirche echte Maßnahmen zur Gleichstellung und Gleichberechtigung geben wird. Für die Diskussionen war es wichtig, dass wir unterschieden haben zwischen grundlegenden Diskursen zu Genderfragen und der Thematik rund um die (Frauen-)Weihe sowie Überlegungen, wie die Partizipation von Frauen in der Kirche im Rahmen des heute schon kirchenrechtlich Möglichen realisiert werden kann.

 

Zum Hoffnungszeichen für die Weltkirche werden

 

Hierzu werden nun drei Handlungstexte zur ersten Lesung vorgelegt: einer zu Frauen in pfarrlicher Leitung, einer zu Geschlechtergerechtigkeit in akademischen Strukturen, und ein dritter zur Geschlechtergerechtigkeit in einer weltkirchlichen Perspektive, um unsere Arbeit in den weltweiten synodalen Weg einzubinden. Denn auch das macht unser Forum klar: Der Einsatz für die Gleichberechtigung von Frauen in Gesellschaft, Religion und Politik und die Kritik an der Gewalt gegen Frauen, wie es Papst Franziskus beispielsweise in „Fratelli tutti“ (2020) einfordert, sind von globaler Bedeutung. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sehen sich Frauen in einem bedrückenden Gegensatz von gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten und kirchlichen Rollenzwängen. Leider erlebe ich, dass Forderungen nach echter Partizipation, Gleichberechtigung und einem Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern der Kirche von den Gegner*innen der Reformprozesse häufig mit dem Argument „Weltkirche“ zurückgewiesen werden: Man müsse die Einheit der „Weltkirche“ im Blick haben, und diesbezüglich wären Veränderungswünsche aus einzelnen Regionen eher kontraproduktiv. So ernüchternd dies immer wieder ist, umso mehr glaube ich, dass wir hier weltkirchlich ein Hoffnungszeichen setzen können, dass die Auseinandersetzung mit der Gender-Thematik und dem Zugang von Frauen zum sakramentalen Amt kein Tabu sein muss, sondern offen von allen Gläubigen, von Theolog*innen und Bischöfen gemeinsam diskutiert werden kann. Geschlechtergerechtigkeit ist einer der Kipppunkte unserer Kirche: Scheitert sie daran, scheitert sie auf lange Zeit unumkehrbar mit ihrem Anspruch, die Kirche Christi in und mit der Welt, für und bei den Menschen zu sein. Wenn von unserem Forum eine Botschaft ausgehen kann, dann vielleicht diese: Es ist noch nicht zu spät für eine geschlechtergerechte Kirche.

 

Protokoll: Eva-Maria Gras

 

 

UTE LEIMGRUBER

ist Professorin für Pastoraltheologie und Homiletik, also die Theologie der Predigtlehre, an der Universität Regensburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Sozialpastoral und die diakonische Präsenz nach dem Ende der Volkskirche. Außerdem beschäftigt sie sich mit Rassismus und Sexismus und theologisch-feministischer Forschung. Die 47-Jährige engagiert sich im Synodalen Weg der Kirche und ist Mitglied der Theologischen Kommission des KDFB-Bundesverbandes sowie Mitherausgeberin des Buchs „Erzählen als Widerstand“. Gerade erscheint ein weiteres, von ihr herausgegebenes Buch: „Catholic Women. Menschen aus aller Welt für eine gerechtere Kirche“ (Echter Verlag, 19,90 Euro).

 

aus: KDFB engagiert 5/21