KDFB

"Der Kampf gegen den Hunger berührt mich als Christin"

KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth

KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth nimmt Stellung

Die promovierte Tierärztin Maria Flachsbarth ist Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium und KDFB-Präsidentin.

„Der Kampf gegen den Hunger treibt mich nicht nur als Staatssekretärin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) um, sondern berührt mich vor allem als Mensch und als Christin. 

,Gib einem Menschen einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Menschen zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.'

Auf die großen Herausforderungen der Welternährung übertragen heißt das: Hunger hat zu viele Ursachen und zu viele Ausprägungen, als dass ihm mit einer Maßnahme allein wirksam entgegnet werden könnte. Wir setzen daher auf ein Bündel von Maßnahmen, die bestmöglich aufeinander abgestimmt sind und allesamt den Menschen helfen sollen, sich selbst zu ernähren. 

Gebot der Menschlichkeit

Die Bekämpfung des Hungers ist zuerst ein Gebot der Menschlichkeit. Sie ist aber auch ein Gebot der politischen und wirtschaftlichen Vernunft. Soziale Verwerfungen, politische Unruhen und gewaltsame Konflikte haben vielfach ihre Ursache im Hunger und dem fehlenden Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen. Dabei ist ein Leben frei von Hunger in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 verbrieft. Um diesem Recht zur Geltung zu verhelfen hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit maßgeblicher Unterstützung des BMEL im Jahr 2004 Leitlinien zur Verwirklichung des 'Rechts auf Nahrung' beschlossen und sie damit universell verankert. Der Kerngedanke des Rechts auf Nahrung spiegelt sich auch in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wider und ist namentlich in dem Nachhaltigkeitsziel Nr.2 (SDG2) 'Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern' verankert.

Kleinbauern leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels

Das Gesicht des Hungers ist zumeist ländlich und es ist zumeist weiblich – 80 Prozent der Hungernden leben auf dem Land als Kleinbauern oder landlose Arbeiter. Diese Kleinbauern sind nicht hinreichend gewappnet gegen die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Böden und Ernten, sie haben kaum Zugang zu finanziellen Ressourcen oder zu leistungsfähigem Saatgut und können Preisschwankungen auf den Agrarmärkten nicht abfedern. Dabei sichern Kleinbauern in weiten Teilen der Welt die lokale und regionale Versorgung und produzieren den größten Teil der Lebensmittel. Und hier setzen wir mit unserer Politik an: Wir müssen gerade die Situation der kleinbäuerlichen Familienbetriebe verbessern, ihnen Zugang zu Land und modernen Produktionstechniken verschaffen.

Nachhaltige Landwirtschaft sichert die Ernährung

Der entscheidende Schlüssel für die Sicherung der Welternährung liegt in einer leistungsfähigen, lokal angepassten und nachhaltigen Landwirtschaft sowie in der Entwicklung wirtschaftlich attraktiver ländlicher Räume. Denn es ist erwiesen, dass Investitionen in die Landwirtschaft einen größeren Beitrag zu wirtschaftlichem Wachstum und sozialer Entwicklung leisten als Investitionen in andere Sektoren der Volkswirtschaft. Dabei ist allerdings essentiell, wie die Investitionen ausgestaltet sind. Ziel muss es sein, die für die Prosperität ganzer Regionen unerlässlichen Investitionen derart zu gestalten, dass sie der Bevölkerung in den Entwicklung- und Schwellenländern zugutekommen. Auch hier hat sich das BMEL maßgeblich politisch für die Erarbeitung der Prinzipien für verantwortliche Agrarinvestitionen eingesetzt. 

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat im Rahmen seines Konzeptes Welternährung zahlreiche Projekte etabliert, die den Schwerpunkt in der nachhaltigen Landwirtschaft und in der besseren Nutzung des landwirtschaftlichen Potentials setzt. Diese Projekte bieten den Partnerländern Hilfestellung, damit die Entscheidungsträger vor Ort verlässliche rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen sowie eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft fördern und sich aufstrebende landwirtschaftliche Betriebe entwickeln können. Voraussetzung hierfür sind die Verbesserung der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung, aktive landwirtschaftliche Genossenschaften und Interessenvertretungen sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Produktion und Vermarktung. Denn die Produktionspotenziale in den Ländern sind oft sehr hoch. Aber auch in der Zusammenarbeit mit der FAO im Rahmen unseres Bilateralen Treuhandfonds können wir mit über 100 Projekten zu Landrechten, Ernährungssicherung und zu ausgewogener Ernährung in den vergangene 15 Jahren sehr gute Erfolge vorweisen. Vor allem aber fördert seit 2014 die Sonderinitiative 'Eine Welt ohne Hunger' des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung breitenwirksam landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte.

Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Unterstützung internationaler Prozesse zur Sicherung von Landrechten und dem Recht auf Nahrung, mit dem Schwerpunkt in der Landwirtschaft in der bilateralen internationalen Zusammenarbeit und mit der Durchführung von Projekten zur Aus- und Weiterbildung wirksame Instrumente zum Kampf gegen den Hunger schmieden können. 

Denn: ,Dem Hunger entflieht man nicht mit den Füßen, sondern mit den Händen.'“

aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2017

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