Zu viele Kinder ohne faire Chancen
Der neue UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder 2025 macht deutlich: In Deutschland haben weiterhin mehr als eine Million Kinder kaum Chancen auf ein gutes Aufwachsen und eine selbstbestimmte Zukunft.
Fehlende materielle Grundlagen, unzureichende Unterstützung in Schule und Familie sowie wachsende gesundheitliche Belastungen bestimmen den Alltag vieler Kinder. Viele haben keinen Platz für Hausaufgaben, können sich keine vollwertigen Mahlzeiten leisten oder nicht an Freizeitaktivitäten teilnehmen.
UNICEF-Vorsitzender Georg Graf Waldersee warnt: „In Deutschland bewegt sich zu wenig für Kinder. Eine gute Kindheit darf nicht nur ein Versprechen bleiben.“ Er fordert von der Bundesregierung mehr Investitionen in Bildung, soziale Teilhabe und gezielte Unterstützung für Kinder, die von Armut betroffen sind.
Wachsende soziale Unterschiede
Die vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) im Auftrag der UNICEF erstellte Analyse zeigt, dass Herkunft und Einkommen weiterhin stark über Bildungschancen entscheiden. Ein Viertel der Kinder kann nicht ausreichend lesen, und nur 41 Prozent der Achtklässler verfügen über grundlegende digitale Fähigkeiten – besonders Kinder aus ärmeren Familien sind benachteiligt. Über eine Million Kinder gelten als „depriviert“, müssen also auf Grundbedürfnisse wie warme Mahlzeiten oder angemessene Kleidung verzichten. 44 Prozent der armutsgefährdeten Kinder leben in überfüllten Wohnungen, rund 130.000 sind wohnungslos.
Zudem nimmt die gesundheitliche Belastung zu: 40 Prozent der 11- bis 15-Jährigen klagen regelmäßig über Kopf- oder Bauchschmerzen – fast doppelt so viele wie 2014. Die psychische Verfassung vieler Kinder ist besorgniserregend, besonders bei Mädchen aus finanziell schwachen Familien, deren Lebenszufriedenheit nur knapp über dem Grenzwert für depressive Tendenzen liegt.
Familie und Schule als unzureichende Stütze
Zwar fühlen sich viele Kinder familiär unterstützt, doch im internationalen Vergleich liegt Deutschland zurück. Nur 54 Prozent der 15-jährigen Mädchen erleben hohe familiäre Unterstützung, in der Schweiz sind es 69 Prozent. Auch Lehrkräfte bieten laut Bericht oft zu wenig Rückhalt.
Die Kinderarmut stagniert seit Jahren bei rund 15 Prozent. UNICEF ruft Politik und Gesellschaft auf, gezielt in benachteiligte Kinder zu investieren, Familien zu stärken und Programme wie das „Startchancenprogramm“ an Schulen auszubauen. Nur so könne jedes Kind in Deutschland faire Chancen auf eine gute Zukunft erhalten.
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kna/ab

