Zahl der untergebrachten Wohnungslosen steigt deutlich
In Deutschland leben deutlich mehr Menschen in Einrichtungen für Wohnungslose als bisher angenommen. Laut Statistischem Bundesamt sind rund 474.700 Personen in überlassenem Wohnraum, Sammelunterkünften oder speziellen Einrichtungen untergebracht – das entspricht einem Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Daten basieren auf Meldungen der Kommunen. Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie sprechen von einem alarmierenden Signal, auch wenn die Zunahme teilweise auf verbesserte Erhebungsverfahren im vierten Jahr der Statistik zurückgeführt wird.
Nicht erfasst sind dabei obdachlose Menschen, die dauerhaft auf der Straße leben, sowie sogenannte verdeckte Wohnungslosigkeit, etwa bei Personen, die vorübergehend bei Bekannten unterkommen.
Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit: 86 Prozent der untergebrachten Personen stammen aus dem Ausland. Darunter befinden sich weiterhin viele Geflüchtete aus der Ukraine – 137.800 Ukrainerinnen und Ukrainer wurden gezählt, nur leicht mehr als im Vorjahr. Die Zahl der deutschen Staatsangehörigen unter den Wohnungslosen liegt mit 65.700 Personen stabil bei rund 14 Prozent. Fast 41 Prozent der Betroffenen sind unter 25 Jahre alt, der Durchschnitt liegt bei 31 Jahren. Männer stellen 56 Prozent der Gesamtzahl.
Wohnungslose leben in unterschiedlichsten Haushaltsformen: Am häufigsten sind Paare mit Kindern betroffen (gut 34 Prozent), dicht gefolgt von Alleinstehenden. Alleinerziehende machen rund 17 Prozent aus. Regional konzentriert sich das Problem vor allem auf Nordrhein-Westfalen (117.900 Personen), Baden-Württemberg (94.600) und Berlin (53.600). Die wenigsten Fälle wurden in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen registriert.
Wohnungslosigkeit erreicht die Mitte der Gesellschaft
Angesichts dieser Zahlen fordern Caritas und die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe einen raschen Ausbau des bezahlbaren Wohnraums. Ziel müsse es sein, Wohnungsverlust zu verhindern oder Menschen im Fall des Verlusts schnell in Ersatzwohnraum zu bringen. Wohnungslosigkeit betreffe inzwischen breite Teile der Gesellschaft, so die Verbände. Häufige Auslöser seien Lebenskrisen wie der Verlust des Partners, von Arbeit oder Gesundheit.
Die Diakonie bezeichnete die Entwicklung als eines der drängendsten sozialpolitischen Probleme. Elke Ronneberger, Bundesvorständin für Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, betonte: „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass so viele Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, keine eigene Wohnung haben.“ Eine eigene Wohnung sei die Grundlage für ein sicheres und selbstbestimmtes Leben. Die Politik müsse daher dafür sorgen, dass Menschen nicht nur in Notunterkünften untergebracht werden, sondern dauerhaft wieder eigenen Wohnraum erhalten.
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kna/ab

