Wenn Konkurrenz unsozial macht
Dauerhafter Leistungsdruck in der Schule kann Schülerinnen und Schüler weniger hilfsbereit und weniger vertrauensvoll machen. Das zeigt eine aktuelle Studie, an der unter anderem die Universität Würzburg beteiligt war.
Laut den Forschenden wirkt sich übermäßiger Wettbewerb nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig auf die Persönlichkeitsentwicklung aus: Die Effekte blieben demnach bis zu vier Jahre nach Ende der Wettbewerbssituation bestehen, erklärte Studienleiter Fabian Kosse, Experte für Data Science in Business and Economics. Für die Untersuchung arbeitete er mit Wissenschaftlern aus Oxford und London zusammen.
Die Studie betrachtete 128 Schulen in Chile. An der Hälfte der Einrichtungen wurde ein Regierungsprogramm umgesetzt, das insbesondere Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien unterstützen sollte. Es garantierte den besten 15 Prozent eines Jahrgangs einen Studienplatz an einer Universität, ohne dass sie eine zentrale Aufnahmeprüfung absolvieren mussten. Dieses Programm löste über einen Zeitraum von zwei Jahren einen hohen Konkurrenzdruck innerhalb der Schulen aus.
Die andere Hälfte der Schulen nahm nicht an dem Programm teil. Insgesamt wurden mehr als 5.000 Jugendliche in die Untersuchung einbezogen. Neben offiziellen Regierungsdaten werteten die Forschenden auch eigens entwickelte Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Schulleitungen aus.
Wege, den Konkurrenzdruck zu reduzieren
Um die negativen sozialen Folgen von übermäßigem Wettbewerb abzumildern, empfehlen die Forschenden, die Regeln des Wettbewerbs anzupassen. So könnten beispielsweise die besten Schülerinnen und Schüler innerhalb einer gesamten Region statt innerhalb einzelner Schulen ermittelt werden, um den Druck vor Ort zu verringern. Ein schulübergreifender Wettbewerb könne zudem das Gemeinschaftsgefühl stärken – das Motto „Wir gemeinsam gegen die anderen Schulen“ könne die Zusammenarbeit verbessern und das soziale Verhalten der Jugendlichen fördern, so das Fazit der Studie.
kna/ab

