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Weniger als die Hälfte der Bevölkerung gehört der Kirche an

Die Kirche rückt in den Hintergrund

10.07.2024

Nach der aktuellen, neuen Bevölkerungsstatistik „Zensus 2022“, der jüngsten deutschen  Volkszählung,  gibt es bundesweit fast keine Städte mehr mit christlicher Mehrheit. Der Zensus zeigt, wie viele Mitglieder die Kirchen verlieren. Katholiken und Protestanten machen nur noch rund 48 Prozent aus. 2011 gab es bundesweit noch 23 mehrheitlich katholisch geprägte Großstädte. Jetzt sind nur noch Münster, Paderborn, Bottrop und Trier übrig. In Regensburg und Ingolstadt brach der Katholikenanteil beispielsweise um knapp ein Viertel ein.

Auch Protestantenanteil  schrumpft

Laut Neuer Züricher Zeitung, NZZ, gibt es seit 2022 keine einzige westdeutsche
100 000-Einwohner-Stadt mehr, in der Protestanten auch nur in der relativen Mehrheit sind. Die größte noch mehrheitlich evangelische deutsche Stadt ist Bayreuth. Stattdessen liegt die Gruppe der Konfessionslosen oder Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften überall vorn. Bundesweit sind 52 Prozent – und damit erstmals die absolute Mehrheit – keine Christen, gehören also einer anderen
Religion an oder sind konfessionslos. Alle Prognosen gehen von einer weiteren Entkirchlichung aus.

Nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung ist christlich

Grundlage des Zensus sind die Daten aller Melderegister von Städten und Gemeinden. Zum Stichtag 15. Mai 2022 weist die Statistik 19,13 Millionen evangelische Christen und 20,75 Millionen Katholiken
aus. Das entspricht 23 Prozent, beziehungsweise 25 Prozent der Gesamtbevölkerung von 82,72 Millionen Bundesbürgern. Beim vorausgegangenen Zensus 2011 waren es noch 24,07 Millionen Katholiken und 23,37 Millionen Protestanten und damit knapp 60 Prozent aller Bundesbürger. Der Rückgang der Kirchenmitglieder lässt sich in allen Bundesländern beobachten. So ging die Zahl der Katholikinnen und Katholiken in Bayern zwischen 2011 und 2022  920 000 zurück. Nordrhein-Westfalen zählte im gleichen Zeitraum rund 840 000 Protestanten weniger. 

Einnahmen aus Kirchensteuer sinken

Entsprechend auch die neuen Zahlen zur Kirchensteuer:  Demnach hat die katholische Kirche 2023 deutlich weniger Kirchensteuern eingenommen als in den beiden Vorjahren. 2023 beliefen sich die Einnahmen der 27 Bistümer auf 6,51 Milliarden Euro. Das waren gut 330 Millionen Euro und damit etwa fünf Prozent weniger als 2022. Inflationsbereinigt ist der Rückgang noch drastischer. Weil die Kirchensteuer aufgrund einer staatlich-kirchlichen Zusammenarbeit direkt von den Finanzämtern eingezogen wird, kann die Zensus-Volkszählung sehr genaue Angaben zur Zahl der Christen in Deutschland machen.

Die Steuereinnahmen der katholischen Kirche liegen damit weiterhin höher als die der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die 20 evangelischen Landeskirchen mussten 2023 ebenfalls Einbußen hinnehmen: Das Gesamtaufkommen belief sich im vergangenen Jahr auf rund 5,9 Milliarden Euro, etwa 5,3 Prozent weniger als im Jahr davor, als 6,24 Milliarden Euro in die Kassen der Kirche flossen, was ebenfalls ein Rekordwert war. Vertreter beider Kirchen haben in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kirchensteuern langfristig sinken werden, weil die Zahl der Mitglieder durch Austritte, Tod und den Renteneintritt der Babyboomer-Generation deutlich sinkt. Allerdings hängt das Aufkommen der Kirchensteuer auch von den Einkommenssteuer-Einnahmen des Staates ab. Deshalb konnten die Kirchen in den vergangenen Jahren wegen guter Konjunktur und steigender Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung höhere Einnahmen verzeichnen.

Die Kirchen finanzieren aus den Einnahmen vor allem die laufenden Kosten für ihr Personal in Seelsorge, Schulen und sozialen Einrichtungen. Hinzu kommen Gelder für Renten und Pensionen, für Kirchen und andere Gebäude sowie Zahlungen an die Weltkirche – von Abgaben an den Vatikan bis zur Unterstützung von Hilfsprojekten in ärmeren Ländern. Letztlich zahlt lediglich knapp die Hälfte der rund 38,9 Millionen Katholiken und Protestanten Kirchensteuer.

Die Ergebnisse stehen über die Internetseite www.zensus2022.de kostenfrei zur Verfügung. Abrufbar sind auch regionale und lokale Daten. Der vorausgegangene Zensus stammte von 2011. Der nächste Zensus ist für das Jahr 2031 geplant

ko/kna/epd

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