Umfrage: Frauen haben Angst vor sexualisierter Gewalt im Netz
Die Angst vor sexualisierter Gewalt im Netz ist unter erwachsenen Frauen in Deutschland weit verbreitet. Die Mehrheit der Bundesbürgerinnen schränkt aus diesem Grund das eigene Verhalten im Netz ein und zieht sich aus digitalen Räumen zurück. Das ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten repräsentativen Online-Umfrage im Auftrag des Deutschen Frauenrates. Befragt wurden Frauen zwischen 18 und 74 Jahren. Neun von zehn wünschen sich besseren Rechtsschutz und acht von zehn bessere Bildungsangebote für Jungen und Männer zu Sexismus.
Eine Mehrheit hat laut der Umfrage das Gefühl, dass Frauen im Netz gefährdeter seien und vorsichtiger sein müssten als Männer. Zwei Drittel aller Befragten ändern demnach aus Sorge vor einer missbräuchlichen Nutzung von Fotos und Videos ihr Verhalten im Internet; sie teilten etwa weniger Bilder oder verzichteten ganz auf Online-Aktivitäten. In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen sind es mit 76 Prozent gut zehn Prozent mehr. Dabei sei mehr als die Hälfte der Befragten bislang gar nicht wissentlich persönlich von digitaler Gewalt betroffen gewesen.
Knapp ein Drittel der Frauen zwischen 18 und 39 Jahren und insgesamt 14 Prozent aller befragten Frauen hat laut dem Befund bereits erlebt, dass intime Bilder ohne Einwilligung digital verbreitet worden seien. Dazu gehörten etwa Nacktfotos oder private Videos, die in Chats oder auf Pornoseiten landeten. 13 Prozent hätten bereits Erfahrungen mit sexualisierten Deepfakes und durch Künstliche Intelligenz erstellten Darstellungen gemacht.
Der Deutsche Frauenrat fordert ein Umdenken beim Schutzgedanken. Betroffene müssten schnell und wirksam vor sexualisierter Gewalt geschützt werden. Dazu gehöre ein umgehendes Löschen der betreffenden Inhalte. Auch brauche es mehr Prävention. „Nicht die Frauen müssen im Netz verschwinden, sondern die problematischen Bilder“, sagte die Geschäftsführerin des Frauenrates, Judith Rahner.
Zudem müssten Plattform-Betreiber und KI-Anbieter in Verantwortung genommen werden. Dafür, dass es KI noch gar nicht so lange gibt, sei die Zahl der von KI generierten Gewaltbilder bereits hoch. „Da rollt noch eine große Welle auf uns zu“, warnte Rahner. Die staatliche Verantwortung beginne nicht erst, wenn die Gewalt bereits stattgefunden hat.
Die Juristin Theresia Rasche vom Deutschen Juristinnenbund betonte, dass Plattformen wie Instagram oder X keine neutralen Anbieter seien. Sie profitierten von extremen Inhalten. Je krasser das Bild oder das Video sei, desto mehr Menschen klickten auf den Inhalt. Daher müssten sie ihrer Verantwortung für das Verbreiten solcher Inhalte gerecht werden.
Für die Schauspielerin Collien Fernandes, die sich seit Jahren für mehr Schutz von Frauen im Netz einsetzt, braucht es eine große, flächendeckende Aufklärungskampagne. Die Regierung und die Bundesländer sollten hierfür entsprechend Geld in die Hand nehmen. Jugendliche, Lehrer und Eltern müssten besser erreicht und auch geschult werden. Sexualisierte Gewalt sei keine Privatangelegenheit, betonte Fernandes, selbst Opfer digitaler sexualisierter Gewalt.
kna/sco

