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Reformwünsche an neuen Vorsitzenden der Bischöfe Heiner Wilmer

Porträtfoto von Bischof Heiner Wilmer SCJ, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz © Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Porträtfoto von Bischof Heiner Wilmer SCJ, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz © Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

25.02.2026

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen neuen Vorsitzenden gewählt. In seiner ersten öffentlichen Ansprache
macht Heiner Wilmer deutlich: Es geht ihm nicht in erster Linie um innerkirchliche Reformen. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Gott ins Zentrum zu stellen, sagte der Hildesheimer Bischof nach seiner Wahl.

Kompetenz von Frauen sichtbar machen

Auf die Frage, ob er für eine Priesterweihe von Frauen sei, sagte er: Es geht darum, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen. Er begrüße es, dass die Weltsynode das Thema Frauen in Ämtern auf der Tagesordnung hat .

Erwartet wird vom neuen Vorsitzenden, dass er die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem deutschen Reformprojekt Synodaler Weg überwindet und auch Differenzen mit dem Vatikan beilegt. Vier konservative Bischöfe hatten sich aus dem Reformprojekt zurückgezogen, in dem es etwa um innerkirchliche Gewaltenteilung, eine neue Sexualmoral und um Weiheämter für Frauen geht. In der Kirchenleitung in Rom gab es ebenfalls starke Bedenken- auch gegen die geplante Einrichtung eines synodalen Gremiums von Bischöfen und Laien auf Bundesebene. Die Satzung dieser Synodalkonferenz soll in Würzburg abgesegnet werden. Auf die Frage, wie er die Bischofskonferenz in diesen Fragen zu einer Einheit führen will, ging Wilmer nicht konkret ein, sondern sagte: Ich bin fest davon überzeugt, dass allemeine Mitbrüder Gleiches wollen, nämlich das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft zu leben und auszustrahlen und so im Sinne des Höchsten zu handeln. Wilmers Amtsvorgänger, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hatte sich in den vergangenen Jahren entschieden für den Synodalen Weg eingesetzt und sich für die Weihe von Frauen ausgesprochen.

Verbände appellieren an Reformwillen

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, appellierte an den Reformwillen des neuen Vorsitzenden: Wir brauchen Ihr Herz für Reform und Zusammenhalt , schrieb sie in ihrem Glückwunschbrief. Wilmers Wahl sei eine Richtungsentscheidung für die Kirche in Deutschland.

Auch der KDFB gratuliert dem neu gewählten Vorsitzenden und betont die Notwendigkeit, die verabschiedeten Beschlüsse des Synodalen Weges konsequent umzusetzen. Auch die Weiterentwicklung synodaler Strukturen im Rahmen der Synodalkonferenz müsse entschlossen vorangebracht werden. Mit Bischof Wilmer, Befürworter des Synodalen Weges, als Vorsitzendem erwartet der KDFB die Verabschiedung der Satzung der Synodalkonferenz während der Vollversammlung. Der KDFB begrüßt, dass Bischof Wilmer in seinem öffentlichen Statement kurz nach der Wahl auf das Thema Missbrauch einging. Er erwartet vom neuen DBK-Vorsitzenden, die Erfahrungen der Betroffenen ernst zu nehmen, die etablierte Zusammenarbeit mit ihnen fortzuführen und die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Prävention als zentrale Leitungsaufgabe zu verankern. Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit Geistlichen Gemeinschaften, in denen autoritäre und patriarchale Strukturen vorherrschen, demokratie- und frauenfeindliche Vorstellungen vermittelt werden und die Selbstbestimmung der Mitglieder eingeschränkt ist. „Wir ermutigen Bischof Wilmer, den begonnenen Weg der Erneuerung entschlossen fortzuführen. Es braucht Offenheit, Mut und die Bereitschaft zu konstruktivem Dialog und verlässlicher Zusammenarbeit – insbesondere mit den Lai*innen und ihren Verbänden.“, so Anja Karliczek, KDFB-Präsidentin.

Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) mahnten die Fortführung von Reformen an. Insbesondere junge Menschen erwarten Beteiligung, Transparenz und eine Umsetzung der getroffenen Entscheidungen, mahnte der BDKJ-Vorsitzende Volker Andres. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte, sie habe Wilmer als einen aufgeschlossenen und weltgewandten Gesprächspartner kennengelernt, der Strukturreformen mit geistlicher Erneuerung verbinden wolle. Das lasse sie mit großer Zuversicht auf die künftige Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche blicken.

Bundesweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Wilmer wandte sich in seiner ersten Pressekonferenz als Vorsitzender auch an Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche: Ihre Stimmen müssten gehört werden, jeder Schritt der Aufarbeitung gewinne durch das Zeugnis von Betroffenen an Tiefe und Wahrheit.

Die Bischöfe bestätigten ihre Generalsekretärin Beate Gilles (55) im Amt. Sie hatte 2021 als erste Frau das Generalsekretärsamt der Bischofskonferenz übernommen. 

ko/kna

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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