Menü

Negative Vorurteile gegen Ältere verbreitet

Foto: Deepol by plainpicture

21.12.2022

Fast jeder dritte in Deutschland findet, dass ältere Menschen zugunsten Jüngerer wichtige berufliche und gesellschaftliche Rollen aufgeben sollten. Das besagt eine aktuelle Umfrage der Anti­diskriminierungs­stelle. Ältere Menschen werden als Blockierer wahrgenommen.

Altersdiskriminierung ernst nehmen

Die unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, nennt die Ergebnisse der Studie erschreckend. Sie zeigten, dass Klischees und stereotype Vorstellungen über ältere Menschen fest verwurzelt seien. Man müsse Alters­diskriminierung in Deutschland ernster nehmen als bisher. 

Eine 61-Jährige, die keinen Bankkredit erhält; ein 59-Jähriger, der auf Bewerbungen für einen Job nur Absagen erhält. Und ein 33-Jähriger, der in einem Start-up gefragt wird, ob er auch mit Jüngeren arbeiten kann. Diese Anfragen an ihr Büro listet Ataman auf. Ab durchschnittlich 61 Jahren wird laut Studie ein Mensch in Deutschland als alt empfunden. 

Junge fühlen sich beim Klimawandel im Stich gelassen

Tatsächlich ist über die Hälfte der Befragten der Meinung, dass Senioren nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. 40 Prozent finden, dass junge Menschen von alten Menschen bei der Bewältigung des Klimawandels im Stich gelassen würden. 

Knapp 60 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die meisten alten Menschen einsam sind, 69 Prozent halten sie für gesundheitlich eingeschränkt. Immerhin empfindet die Mehrheit, ältere Menschen nicht als volkswirtschaftlich belastend und des sind häufig die Senioren selbst, die meinen anderen zur Last zu fallen.  

Wertschätzende Debatte über Alter nötig

Die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, Regina Görner, spricht mit Blick auf einen Ausschluss älterer Menschen von einer gigantischen Ressourcenverschwendung. Sie wirbt dafür, dass diese sich nicht digital abhängt fühlten. Zum einen müssten digitale Geräte wie Handys oder Tablets benutzerfreundlicher werden, zum anderen müssten digitale Vorgänge wie das Buchen von Arztbesuchen auch weiterhin analog möglich sein. Mit Blick auf die aktuelle Rentendebatte kritisierte sie ein nutzerorientiertes Menschenbild. Stattdessen müsse es eine wertschätzende Debatte über das Alter geben. Es gelte Eigenschaften wie Erfahrungen und Gelassenheit stärker zu wertschätzen. 

Die Studie befragte 2.000 Personen ab 16 Jahren.

Autorin: kna/ko

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 160.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
© 2023 | KDFB engagiert - Die Christliche Frau