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Kürzung der Entwicklungsfinanzierung behindert Gleichberechtigung

Ex-Entwicklungsminister Gerd Müller bei einem Besuch einer Textilfabrik in Ghana. Foto: BMZ Pool/Ute Grabowsky/Photothek.net

24.09.2025

Laut einer Studie bietet sexuelle Selbstbestimmung wichtige Ansätze zur Bekämpfung von Armut. Forscher kritisieren aber Einsparungen von Entwicklungshilfen auf diesem Gebiet.  Junge Menschen in Ostafrika profitieren laut einer Studie wirtschaftlich von sexueller Selbstbestimmung. Wer über Familienplanung frei entscheiden und sich vor Krankheiten schützen kann, ist demnach seltener von Armut bedroht, teilten die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung  und das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mit. Laut der Studie „Rechte stärken, Armut beenden“ bieten sich vor allem für junge Frauen neue Perspektiven, wenn sie über die eigene Sexualität entscheiden können. Sie erhielten bessere Zugänge zu Bildung und Erwerbstätigkeit und damit ein unabhängiges Leben.

Todesfälle bei fehlender Aufklärung und Prävention

Die entsprechenden Daten stammten aus Befragungen von Jugendaktivisten in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda. Problematisch ist nach Ansicht der Organisationen, dass Projekte gesundheitlicher Entwicklungshilfe finanziell unter Druck geraten. Grund sei der Rückzug internationaler Geldgeber wie der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID. Auch im deutschen Bundeshaushalt seien auf diesem Gebiet Kürzungen geplant. Modellrechnungen von Stiftung und Institut zeigen, dass in nur fünf afrikanischen Ländern in den nächsten 15 Jahren bis zu 9,3 Millionen zusätzliche Todesfälle durch Aids drohen, wenn nicht ausreichend in Prävention, Aufklärung und Versorgung investiert wird. Vor diesem Hintergrund richtet die Studie den Appell an die deutsche und europäische Entwicklungszusammenarbeit, Investitionen nicht zu kürzen, sondern gezielt auszubauen

Hilfswerke alarmiert von  Kürzungen

Weitere Kürzungen bei humanitärer Hilfe kosten Leben.  Im Entwicklungsbereich sieht die Regierung weitere Einsparungen vor. Die massiven Kürzungen verschlimmerten die weltweite Not und kosteten bereits heute Menschenleben, erklärten Brot für die Welt, Caritas international, Diakonie Katastrophenhilfe und Misereor. Viele Hilfsprojekte stünden vor dem Aus. Laut Haushaltsentwurf der schwarz-roten Bundesregierung soll der Etat des Entwicklungsministeriums auf etwa 9,9 Milliarden Euro sinken. Das seien fast 30 Prozent weniger als 2022 und ein Zehn-Jahres-Tief, kritisierten die Hilfswerke. Der Etat für humanitäre Hilfe sei seit 2022 sogar um 60 Prozent auf nur noch eine Milliarde Euro geschrumpft und stagniere nun auf niedrigem Niveau. Misereor-Hauptgeschäftsführer Andreas Frick warnte, dass das fehlende Geld für Hilfsprojekte weitreichende Konsequenzen für Frieden und Sicherheit auf der Welt haben werde. Auch die Menschen in Deutschland würden davon betroffen sein.

Maria Flachsbarth: Entwicklungsfinanzierung ist Hebel für Gleichberechtigung

Aus Sicht der ehemaligen Entwicklungsstaatssekretärin und ehemalige KDFB- Präsidentin Maria Flachsbarth ein Fehler. Die frühere CDU-Abgeordnete hält eine Kürzung des Entwicklungsbudgets für einen falschen Weg. Gerade werden Mittel gestrichen, die in Gesundheitsaufklärung, Eindämmung von Infektionskrankheiten, Gesundheitssysteme, Gleichstellung und Mädchenbildung fließen. Das ist, als würde man in einer brennenden Stadt die Feuerwehrwachen schließen, schreibt Flachsbarth, die im Entwicklungsministerium als Staatssekretärin tätig war, in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Dies geschehe zudem in einer Zeit, in der weltweit immer besser organisierte und finanzierte Bewegungen daran arbeiteten, die Rechte junger Frauen zu beschneiden.

Entwicklungsfinanzierung für Bildung und Gesundheit sei kein Luxus, sondern ein zentraler Hebel für globale Sicherheit, für Gleichberechtigung und für eine nachhaltige Partnerschaft mit Ländern des globalen Südens , betonte Flachsbarth. Wer heute an Entwicklungsgeldern für Kinder und Jugendliche spare, gefährdet die Zukunft ganzer Gesellschaften, so Flachsbarths Mahnung. Kurz gesagt: Wer heute spart, zahlt morgen doppelt . Die Bundesregierung hat in ihrem am Donnerstag verabschiedeten Haushalt 2025 eine deutliche Kürzung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit beschlossen. Auch für den Haushalt 2026 stehen weitere Kürzungen an.

ko/kna

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 130.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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