Kinder und Smartphone – Eltern setzen zu wenig Grenzen
Vertrauen, klare Regeln, Vorbilder: Eltern sollten laut Fachleuten mehr mit ihren Kindern über die Nutzung von Smartphone und sozialen Netzwerken sprechen. Eine neue Umfrage zeigt Verbesserungspotenzial. Mit durchschnittlich sieben Jahren dürfen Kinder in Deutschland ein Smartphone nutzen: Das zeigt eine Eltern-Umfrage, die der Digitalverband Bitkom vorstellte.
Mit neun Jahren das erste Smartphone
Ein Profil auf Social-Media-Plattformen erlauben die meisten zwischen zehn und zwölf Jahren (38 Prozent); für jüngere Kinder betrachten dies 77 Prozent als Tabu. Mitdurchschnittlich neun Jahren bekämen Kinder dann ein eigenes Smartphone. Das frühe Alter habe die Fachleute überrascht, sagte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Fast alle befragten Eltern (99 Prozent) erklärten, ihnen sei es wichtig, dass das Kind immer erreichbar sei. Mit durchschnittlich elf Jahren gibt es zu diesem Zweck eine Smartwatch. Für sechs- bis neunjährige Kinder werden demnach meist Regeln zur Smartphone-Nutzung vereinbart (94 Prozent), bei Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren gelten sie noch für 40 Prozent. Zugleich räumte rund die Hälfte aller befragten Eltern ein, dass das Kind das Smartphone oft länger als vereinbart nutze. Rohleder betonte die Vorbildfunktion, die Eltern in diesem Zusammenhang hätten.
Mehr als jede*r Zweit*er im Internet gemobbt
Die Sozialen Medien betrachten Eltern offenbar differenziert. 78 Prozent erklärten, sie sähen es als größten Vorteil von Tiktok und Co., dass Kinder dort mit Freundinnen und Freunden in Kontakt bleiben könnten. Besonders wichtig seien die Plattformen auch für junge Menschen, die sich nicht in der Mehrheitsgesellschaft wiederfänden, fügte Rohleder hinzu: Dies betrff e etwa den Austausch über mentale Gesundheit oder die sexuelle Orientierung und wurde von 29 Prozent der Befragten als positiv genannt. Zugleich äußerten 80 Prozent die Befürchtung, dass eigene Kind könnte in Sozialen Netzwerken gemobbt werden und mehr als jeder Zweite berichtete, dies sei bereits geschehen (53 Prozent). Ein Drittel der Eltern erklärte, ihr Kind sei im Netz bereits von fremden Erwachsenen angesprochen oder angemacht worden. Rohleder verwies auf eine andere Studie, der zufolge sich unter den Kindern selbst 16 Prozent online gemobbt fühlten und sieben Prozent von Kontaktaufnahme durch Fremde berichteten.
Vorsicht in den Sozialen Medien
Angesichts der Sorgen von Eltern sei es umso erstaunlicher, dass nur 38 Prozent nach eigenen Angaben regelmäßig mit ihrem Kind darüber sprechen, was in den Sozialen Medien erlebt werde. Auch ändere knapp jede und jeder Zweite die Privatsphäre-Einstellungen nicht, dabei sie dies bei allen Plattformen möglich, mahnte der Experte. 47 Prozent achteten darauf, keine Bilder ihres Kindes ins Netz zu stellen. Hier sieht Rohleder Raum für mehr elterliches Engagement . Zugleich müsse Digitalkompetenz an Schulen vermittelt werden, was auch 79 Prozent in der Umfrage forderten. Ein gutes Viertel der Eltern fühlt sich demnach digital eher weniger kompetent; bei 41 Prozent entsteht durch Social Media der Eindruck, dass andere Familien alles besser im Griff haben. Ein Viertel (24 Prozent) hat sich aber onlineauch schon Erziehungstipps geholt.
Telefonisch befragt wurden nach Angaben von Bitkom 1.004 Mütter und Väter von Kindern zwischen sechs und 18 Jahren; die Ergebnisse seien repräsentativ.
ko/kna

