Jedes 5. Kind in Deutschland ist von Armut betroffen
Offizielle Daten zeigen: In Deutschland wächst jedes fünfte Kind in Armut oder sozialer Ausgrenzung auf. Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind betroffen. Der sogenannte AROPE-Indikator verdeutlicht, dass diese Kinder in Haushalten leben, die sich den durchschnittlichen Lebensstandard nicht leisten können. Oft sind die Eltern arbeitslos, und es fehlt manchmal sogar am Geld für regelmäßige Mahlzeiten.
Umfrage zeigt wachsende Sorgen der Eltern
Ergänzend zu diesen offiziellen Zahlen hat Save the Children gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa eine Umfrage unter 1.003 Eltern in Deutschland durchgeführt. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse machen deutlich, dass die finanziellen Sorgen der Familien weiter zunehmen. Drei Viertel der Befragten sind überzeugt, dass die bisherigen Pläne der Bundesregierung zur Bekämpfung von Kinderarmut nicht ausreichen. Besonders alarmierend ist, dass inzwischen ein Viertel aller Eltern befürchtet, die Grundbedürfnisse ihrer Familie – wie Wohnen, Heizen, Kleidung und Nahrung – nicht mehr decken zu können. Vor allem Familien mit einem Nettoeinkommen von unter 3.000 Euro spüren diesen Druck sehr stark.
„Die Erwartungen an die Politik sind hoch – und das Vertrauen in bestehende Strategien gering“, sagt Eric Großhaus, Experte für Kinderarmut bei Save the Children. Er betont, dass die Kinderarmut in Deutschland seit Jahren auf einem hohen Niveau stagniert und die Sorgen der Familien weiter zunehmen.
Gravierende Folgen
Für die betroffenen Kinder hat Armut gravierende Folgen. Eine gesunde Ernährung ist oft kaum möglich, da in den Regelsätzen des Bürgergeldes pro Kind lediglich vier bis sieben Euro pro Tag vorgesehen sind. Viele Familien leben zudem in beengten Wohnungen, in denen Kindern Rückzugsmöglichkeiten fehlen. Freizeitaktivitäten wie Geburtstagsfeiern, Kino- oder Freibadbesuche, Urlaube oder Vereinsangebote sind für sie meist unerschwinglich. Auch im Bildungssystem sind diese Kinder deutlich benachteiligt, was ihre Chancen auf eine bessere Zukunft stark einschränkt.
Hinzu kommt die psychische Belastung: Kinder, die in Armut leben, sind häufig Vorurteilen und Ausgrenzung ausgesetzt. Ihre Familien müssen darüber hinaus zahlreiche bürokratische Hürden überwinden, um Leistungen zu erhalten, die ihnen eigentlich zustehen.
Forderungen an die Politik
Save the Children fordert die Bundesregierung dazu auf, Kinderarmut endlich entschieden zu bekämpfen und Familien mehr finanzielle Sicherheit zu geben. Nach Einschätzung der Eltern braucht es vor allem größere Investitionen in Bildung, einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung sowie mehr frei zugängliche und bezahlbare Freizeitangebote. Ebenso wichtig sind ein Abbau bürokratischer Hürden bei Familienleistungen und eine bessere finanzielle Unterstützung.
„Familien und Kinder sind keine Bittsteller – sie haben ein Recht auf umfassende Unterstützung“, betont Großhaus. Nur wenn Kinderarmut in Deutschland endlich als politische Priorität verstanden wird, können alle Kinder die gleichen Chancen auf ein gutes Aufwachsen haben.
Alle weiteren Infos dazu gibt es hier.
kna/ab

