Gender Pay Gap schrumpft – Gleiche Löhne aber noch weit entfernt
Frauen in Deutschland holen beim Stundenlohn zu den Männern auf. Das legen zumindest die neuen Zahlen zum Gender Pay Gap nahe. Doch es lohnt ein genauerer Blick darauf, was die Statistik nicht ausdrücken kann.
Frauen verdienen weiterhin weniger Geld pro Stunde als Männer. Im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings die Lohnlücke in Deutschland, der sogenannte Gender Pay Gap, geschrumpft; um zwei Prozentpunkte auf nunmehr 16 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Das sei der stärkste Rückgang seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2006. Die zuständige Bundesministerin sieht eine positive Entwicklung; von gewerkschaftlicher Seite wird Handlungsbedarf angemahnt.
Nach Daten des Bundesamtes betrug der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Frauen im vergangenen Jahr 22,24 Euro und lag damit 4,10 Euro unter dem der Männer (26,34 Euro). Der Rückgang der Lohnlücke sei insbesondere auf eine stärkere Entwicklung der Bruttomonatsverdienste von Frauen zurückzuführen. Demnach stiegen diese gegenüber 2023 um rund acht Prozent – von durchschnittlich 2.633 Euro auf 2.851 Euro. Bei Männern betrug der Anstieg fünf Prozent: von 3.873 Euro auf 4.078 Euro.
Bundesfrauenministerin Lisa Paus (Grüne) wertete es als positives Signal, dass sich die Lohnlücke erstmals seit 2020 schließe. Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen bleibe aber das Ziel. „Dafür brauchen wir eine bessere partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit sowie wirksame Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, so die Ministerin.
Knapp zwei Drittel der Verdienstlücke lassen sich demnach durch statistische Mittel erklären. Zu 21 Prozent sei sie darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen und Branchen tätig sind. In 19 Prozent der Fälle ist der Grund in einer Teilzeitbeschäftigung zu finden, 12 Prozent der Verdienstlücke ließen sich durch das Anforderungsniveau des Berufs erklären.
Für die verbleibenden 37 Prozent verweisen die Statistiker auf den bereinigten Gender Pay Gap, der Frauen und Männer bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie gegenüberstellt. Hier liege der Lohnunterschied bei 6 Prozent, das heißt 1,52 Euro pro Stunde. Im Vergleich zum Vorjahr habe er sich nicht verändert.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert deshalb, Unternehmen zu verpflichten, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen. „Die richtigen Vorgaben dafür macht die EU- Entgelttransparenzrichtlinie. Sie muss endlich in nationales Recht umgesetzt werden“, betonte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Die künftige Bundesregierung müsse zudem mehr in bedarfsgerechte Betreuungsangebote für Kinder und Pflegebedürftige investieren sowie mehr Gerechtigkeit in der Verteilung von Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern schaffen.
Ähnlich äußerte sich auch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Frauen seien am Arbeitsmarkt nach wie vor strukturell benachteiligt, mahnte die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts Stiftung, Bettina Kohlrausch. Das gelte eben auch dann, wenn sie vergleichbare Tätigkeiten verrichteten. „An die Arbeitgeber*innen richtet sich daher folgende klare Botschaft: Wer immer wieder den Appell an Frauen richtet, mehr Erwerbsarbeit zu leisten, sollte sie dann auch fair bezahlen“, so Kohlrausch.
Übrigens: Am 7. März ist Equal Pay Day! Dieser markiert symbolisch den Gender Pay Gap. Unter dem Motto „Weil es sich lohnt – Entgelttransparenz jetzt!“ rückt die diesjährige Equal Pay Day-Kampagne den Zusammenhang von Lohntransparenz und dem Gender Pay Gap in den Fokus. Näheres unter http://www.equalpayday.de
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