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Die Kosten sozialer Ungleichheit

30.04.2026

In den aktuellen Debatten um den Sozialstaat geht es stark um dessen Kosten und um mögliche Einsparungen. Die würden allerdings die soziale Ungleichheit vergrößern, und das würde Forschungsergebnissen zufolge viel kosten – materiell wie immateriell.

Eine Folge: Mehr Kriminalität

Je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto größer sind ihre Probleme, das belegen viele Studien. In Gesellschaften mit viel Ungleichheit kommt beispielsweise mehr Kriminalität vor als in relativ egalitären. Dieser Zusammenhang ist vor allem für Gewaltkriminalität gut belegt. Für andere Kriminalitätsformen ist dieser Zusammenhang nicht ganz so eindeutig.

Zudem ist er auch nicht der einzige Faktor. Polizeipräsenz oder Struktur der Nachbarschaften spielen ebenfalls eine Rolle. Dass soziale Ungleichheit aber Folgekosten hat, etwa für Strafverfolgung und Justizvollzug, gilt als sicher.

Ungleichheit macht krank 

Diese Probleme betreffen nicht nur den ärmeren Teil einer Gesellschaft, sondern auch den reicheren. In den USA beispielsweise, einem Land mit vergleichsweise hoher Ungleichheit, muss der Durchschnittsbürger mehr als 12.000 Dollar (10.255 Euro) für Gesundheit pro Jahr ausgeben. In Deutschland ist es umgerechnet nur etwa die Hälfte.

Armut kostet Lebenszeit

Hinzu kommen immaterielle Kosten sozialer Ungleichheit. Armut kostet beispielsweise Lebenszeit, das ist schon lange bekannt. Ein Mann, der nur 60 Prozent des sogenannten Äquivalenzeinkommens hat, lebt im Schnitt rund zehn Jahre weniger als ein Mann, der über 150 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügt. Für Frauen sehen die Zahlen ähnlich aus. Das Äquivalenzeinkommen ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen, das das Einkommen von Menschen vergleichbar macht, die in unterschiedlich zusammengesetzten Haushalten leben.

Bildungsungleichheit – die mit Einkommensungleichheit verknüpft ist – wirkt sich negativ auf Gesundheitszustand und Lebenserwartung aus. Die Sterblichkeit von Männern pro Jahr (Mortalität) ohne Berufsausbildung ist doppelt so hoch wie die mit Ausbildung. In unteren Bildungsgruppen treten gesundheitliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegskrankheiten oder Krebs viel häufiger auf als in den oberen. Die medizinische Versorgung dieser Krankheiten ist oft besonders teuer.

Benachteiligung durch schlechtere Lebensverhältnisse

Ein Teil dieser Unterschiede erklärt sich durch unterschiedliches Verhalten von sozialen Schichten. In unteren Einkommens- und Bildungsgruppen sind beispielsweise Rauchen oder Adipositas verbreiteter als in oberen. Neben diesem Gesundheitsverhalten wirken aber auch materielle Faktoren. Die medizinische Versorgung von armen Menschen ist schlechter. Dasselbe gilt für ihre Lebensverhältnisse, etwa durch Wohnen an lauten Straßen oder durch beengte Wohnverhältnisse, die beispielsweise während der Corona-Pandemie zu mehr Infektionen führten.

epd/stu

 

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