Caritas kritisiert Unterdrückung von Frauen in Afghanistan
Vier Jahre Taliban: Mit einem dramatischen Appell fordert Caritas international zur Unterstützung der notleidenden afghanischen Bevölkerung auf. Deutschland müsse mit gutem Beispiel vorangehen- anders als andere Staaten. Millionen Menschen hungern, Mädchen dürfen nicht zur Schule gehen, die Taliban verhaften Frauen: Caritas international zeichnet ein dramatisches Bild der humanitären Lage in Afghanistan. Insbesondere Frauen würden massiv unterdrückt, teilte die Hilfsorganisation mit.
Katastrophale humanitäre Lage
Die Pflicht zur Vollverschleierung und das Verbot, ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen, würden streng kontrolliert. Wir beobachten derzeit eine regelrechte Verhaftungswelle, sagte die Caritas-Büroleiterin in Kabul. Mädchen dürften nur bis zur fünften Klasse in die Schule gehen. Frauen sei weiterhin verboten, für ausländische Hilfsorganisationen zu arbeiten. Auch die humanitäre Lage sei am vierten Jahrestag der Taliban-Machtübernahme am 15. August 2021 katastrophal, so Caritas international. Etwa 23 Millionen Afghanen und Afghaninnen, die Hälfte der Bevölkerung, sei auf Hilfe angewiesen; 15 Millionen seien von Hunger bedroht. Die Abschiebung von zwei Millionen Afghanen aus den Nachbarländern Pakistan und Iran zurück nach Afghanistan habe die Situation weiter verschärft.
Mehr Frauen bitten um Asyl in Deutschland
Caritas international appellierte an Deutschland, das Krisenland nicht zu vergessen und weiterhin humanitäre Hilfe zu finanzieren. Der Rückzug der US-Regierung bei der internationalen Hilfe habe dazu geführt, dass in Afghanistan die Hälfte der Unterstützung aus dem Ausland weggebrochen sei. Die Notlage spiegelt sich in dem Anstieg der Asylanträge in Deutschland. Im Vergleich zum Vormonat haben deutlich mehr afghanische Frauen im Juli einen Asylantrag gestellt. Mit rund 3 100 Anträgen sei die Zahl mehr als doppelt so hoch wie im Juni, teilte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit. Im Juni zählte die Behörde demnach etwa 1 300 Anträge. Im ersten Quartal lag die Zahl demnach monatlich in einem hohen dreistelligen Bereich, von April bis Juni dann zwischen rund 1 200 und 1 300 Asylanträgen. Insgesamt seien das für die ersten sieben Monate des Jahres etwa 9 600 Anträge.
Die Lage von Frauen in Afghanistan habe sich seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 weiter verschlechtert. Sie würden systematisch und institutionell unterdrückt, aus dem öffentlichen Leben verdrängt und in der Ausübung ihrer fundamentalen Menschenrechte eingeschränkt. Als einen weiteren möglichen Grund für den Anstieg der Asylanträge sieht das Bundesamt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs von Oktober. Demnach erreichten die Maßnahmen der Taliban die Schwelle, um als Verfolgungshandlungen zu gelten.
Der KDFB setzt sich für die Frauen in Afghanistan ein und hat im Oktober 2022 in der Mitgliederzeitschrift KDFB engagiert zur Spendenaktion für den Afghanischen Frauenverein aufgerufen.
ko/kna

