Brot für die Welt: Hunger ist Folge politischer Entscheidungen
Hunderte Millionen Menschen hungern. Das liege nicht daran, dass es auf der Welt zu wenig zu essen gebe, sagt die Chefin von Brot für die Welt. Es gehe auch um politische Entscheidungen.
Hunger ist aus Sicht der Hilfsorganisation Brot
für die Welt kein Schicksal, sondern eine Frage von Macht und Prioritäten. Er ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und ungerechter Strukturen, sagte die Präsidentin der Organisation, Dagmar Pruin, kürzlich in Berlin. Es seien genug Lebensmittel vorhanden, um alle Menschen weltweit satt zu machen.
Zahl der Hungernden könnte steigen
Zugleich warnte Pruin davor, dass durch den Irankrieg die Zahl der Hungernden weltweit wieder steigen könnte. 20 bis 30 Prozent des globalen Kunstdüngers und der dafür benötigten Materialien würden in der Golfregion produziert und müssten durch die Straße von Hormus transportiert werden. Lieferengpässe wegen der Schiffsblockaden hätten direkte Folgen für Ernten rund um den Globus. Das treffe vor allem die Menschen in den armen Ländern im Globalen Süden.
Laut dem neuen UN-Jahresbericht zur globalen Ernährungssicherheit ist die Zahl der Hungernden in den vergangenen Jahren auf rund 645 Millionen Menschen gesunken. Auch der Anteil an der Weltbevölkerung nahm zuletzt auf 7,8 Prozent ab. Der Bericht warnt jedoch vor möglichen Rückschlägen. Insbesondere in Afrika bleibe die Lage besorgniserregend. Schätzungen zufolge könnten sich mehr als zwei Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten, warnte Pruin. Rund ein Viertel der Weltbevölkerung sei mangelernährt, darunter Millionen von Kindern unter fünf Jahren.
Eine neue Art von Landwirtschaft
Die Präsidentin von Brot für die Welt forderte einen Umbau der Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen, kleinbäuerlichen Struktur. Nötig sei Vielfalt bei Getreidesorten, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Auch sollten organische Dünger und lokales Saatgut genutzt werden.
kna/stu

