6. Februar ist Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung
Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) macht die Frauenrechtsorganisation SOLWODI auf die anhaltende Gefährdung von Frauen und Mädchen aufmerksam und fordert wirksamere Schutzmaßnahmen. Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und eine Form geschlechtsspezifischer Gewalt – auch in Deutschland. Im Mittelpunkt der Arbeit von SOLWODI steht die Lebensrealität betroffener Frauen und Mädchen, deren Schutz, Gesundheit und Rechte konsequent gestärkt werden müssen.
„Weibliche Genitalverstümmelung ist keine ferne Praxis, sondern betrifft Frauen und Mädchen hier und heute – auch mitten in unserer Gesellschaft“, erklärt Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI. „Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, wie dringend wirksame Prävention, frühzeitiger Schutz und eine verlässliche Versorgung für Betroffene sind. Frauenrechte dürfen nicht relativiert werden.“
Auch in Deutschland Betroffene
Der im November 2025 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend aktualisierte Bericht der Prognos AG zeigt, dass in Deutschland aktuell fast 123 000 Frauen und Mädchen aus 31 Herkunftsländern leben, die von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind oder diese droht . Schätzungen zufolge sind davon rund 86 500 Frauen bereits von FGM/C betroffen. Hinzu kommen etwa 11 100 potenziell betroffene Mädchen sowie bis zu 25 000 Mädchen, die als gefährdet gelten. Die Schätzungen beruhen auf einer international anerkannten Methodik, erfassen jedoch eingebürgerte oder illegal in Deutschland lebende Frauen und Mädchen nicht – die tatsächlichen Zahlen dürften daher noch höher liegen.
Wie hoch der tatsächliche Unterstützungsbedarf ist, zeigt auch die praktische Arbeit von SOLWODI: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 88 Klientinnen begleitet, bei denen eine Genitalverstümmelung bereits erfolgt war oder konkret drohte. Die Frauen und Mädchen suchten Schutz vor weiterer Gewalt, Unterstützung im Asylverfahren, medizinische Hilfe sowie psychosoziale Beratung. „Diese Zahlen stehen für individuelle Schicksale und verdeutlichen, dass FGM/C kein Randthema ist, sondern ein strukturelles Problem, das ernst genommen werden muss“, so Decker.
Prävention, Sensibilisierung und politische Anerkennung nötig
Aus Sicht von SOLWODI braucht es vor allem die konsequente Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe wie FGM/C in Asylverfahren. Frauen und Mädchen müssen die Möglichkeit haben, ihre Fluchtgründe in einem geschützten Rahmen darzulegen – begleitet von geschultem, möglichst weiblichem Fachpersonal. Ebenso zentral sind Prävention und früher Schutz gefährdeter Mädchen, etwa durch gezielte, mehrsprachige Informationsangebote für Familien und durch die Einbindung von Vorsorgeuntersuchungen in der Gesundheitsversorgung.
Darüber hinaus ist eine flächendeckende Sensibilisierung von Fachkräften aus Medizin, Justiz, Sozialarbeit und Verwaltung notwendig, um Risiken frühzeitig zu erkennen und angemessen zu handeln. Betroffene Frauen und Mädchen benötigen sichere, traumasensible Unterkünfte sowie einen verlässlichen Zugang zu medizinischer und psychosozialer Versorgung. Auch an den europäischen Außengrenzen müssen Frauen, die vor geschlechtsspezifischer Gewalt fliehen, wirksam geschützt werden – illegale Pushbacks verwehren ihnen diesen Schutz und verschärfen ihre Gefährdung.
„Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, wie hoch die Hürden für betroffene Frauen sind – im Asylverfahren, bei der medizinischen Versorgung und bei der Suche nach einem sicheren Ort“, betont Decker. „Es reicht nicht, FGM/C symbolisch zu verurteilen. Frauenrechte müssen praktisch durchgesetzt werden – durch klare Zuständigkeiten, verbindliche Standards und politischen Willen.“
FGM/C umfasst alle nicht medizinisch begründeten Eingriffe an den weiblichen Genitalien. Die gesundheitlichen und psychischen Folgen sind häufig lebenslang: schwere Schmerzen, chronische Infektionen, Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sowie tiefe Traumatisierungen. Gleichzeitig wird die Selbstbestimmung der Betroffenen massiv verletzt.
ko

