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So macht Lernen Spaß

Unser Gehirn ist ein Lernwunderwerk. Es lernt immer, auch in den Ferien. Damit es sich das einprägt, was es soll, ist es wichtig zu verstehen, was das Gehirn zum Lernen braucht. Lerncoach Astrid Brüggemann gibt Tipps für leichteres Lernen.


Zu Astrid Brüggemann kommen Kinder und Erwachsene, die mit dem Lernen nicht immer die besten Erfahrungen gemacht haben. Die vor der Prüfungsvorbereitung in die Knie gehen. Die nicht wissen, wie sie es anstellen sollen, die Stofffülle in ihren Kopf zu bekommen. Die vielleicht denken, sie können es weniger gut als die anderen.
Astrid Brüggemann ist Lerncoach. „Schule muss immer den Stoff im Blick haben. Als Lerncoach schaue ich: Was braucht dieses Kind, dieser Mensch zum Lernen? Wo können wir ansetzen, dass ihr oder ihm das Lernen leichter fällt? Welche Methoden kennt er oder sie schon, um gut zu lernen, welche sollten wir uns zusammen erarbeiten?“
Damit die Anstrengungen beim Lernen auch wirklich Erfolg haben, muss man berücksichtigen, was das Gehirn zum Lernen braucht: „Unser Gehirn mag gerne Abwechslung und Neues. Es langweilt sich schnell. Es mag Farben, Struktur, gute Gefühle, Begeisterung und vor allem möchte es sich unbedingt vernetzen. Wenn man anfängt, Theorien oder Formeln auswendig zu lernen, wird man sich schwertun. Das Gehirn sucht nach Mustern, deshalb sollten wir immer bei einem Beispiel anfangen und nicht bei Formeln“, erklärt die Expertin.


Wiederholen spart Zeit
Ob beim Vokabellernen oder den wichtigen Geschichtszahlen – rechtzeitig wiederholen spart Zeit. Weil die Inhalte sich festigen und dann nur noch kurz angetippt werden müssen, um langfristig im Kopf zu bleiben.  „Am besten ist es, nachdem man etwas gelernt hat, gleich noch mal kurz darüberzuschauen. Dann sollte man idealerweise nach einem Tag, einer Woche, einem Monat und einem Vierteljahr nochmal wiederholen“, erklärt Astrid Brüggemann. Ein Karteikastensystem mit verschiedenen Unterteilungen hilft. Wenn man die Karten chronologisch in verschiedene Abschnitte einordnet, weiß man, wie lange die letzte Wiederholung her ist. Mit Karteikarten lassen sich nicht nur Vokabeln, sondern auch wichtige mathematische Regeln oder Grundwissen anderer Fächer organisieren. Farbig gestaltet oder mit kleinen Schaubildern versehen, bleibt mehr hängen.


Angst muss draußen bleiben
Was sich von Anfang an ausschließt, sind Angst, übermäßiger Druck, Stress und Lernen. Denn bei Angst schaltet unser Gehirn in den Überlebensmodus. „Man kann das mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen“, erklärt Astrid Brüggemann. „Wenn ein Kind Angst hat und unter Druck steht, sind bestimmte Gehirnareale abgeschaltet. Weil das Gehirn dann in den Überlebensmodus geht. Das Stammhirn, das Zwischenhirn, das limbische System laufen auf Hochtouren. Die Bereiche der Großhirnrinde, die wir nicht zum Überleben brauchen, sind abgeschaltet.“ Doch genau diese werden benötigt, um kreativ oder analytisch zu denken, um problemlösend zu arbeiten.
Nicht umsonst haben beim PISA-Test gerade die Länder die Nase vorn, die auf Sitzenbleiben und Notendruck verzichten und stattdessen versuchen, jede SchülerIn durch individuelle Lernhilfen aufzufangen. „Wenn wir etwas verstanden haben, werden Endorphine ausgeschüttet. Lernen kann also tatsächlich glücklich machen“, erläutert Astrid Brüggemann.
Für zu Hause heißt das: Wohlfühlatmosphäre schaffen, keinen übermäßigen Druck auf das Kind ausüben. Vertrauen zueinander haben, dass jeder sein Bestes gibt, und Zeit zum Wachsen lassen.


Das macht Sinn!
Das Gehirn muss eine Information als relevant einstufen, um sich diese einzuprägen. Doch wie schafft man es, den Schulstoff relevant werden zu lassen? „Eltern müssen sich da nur ein einziges Wort merken“, sagt Astrid Brüggemann: „Sinn!“ Alles, was in irgendeiner Weise einen Bezug zum Leben des Kindes hat, ist relevant. „Und wenn die Kinder einen Sinn in dem sehen, was sie tun, sind sie auch motiviert und bereit, das zu lernen. Bei Älteren gehört es irgendwann zur Eigenverantwortung, gerade als Teenager, sich einen Sinn zu suchen. Das kann man ihnen natürlich nicht befehlen. Aber, wenn sie es tun, haben sie es leichter“, erklärt Astrid Brüggemann.


Auf die eigenen Stoppzeichen achten
Zum Lernen gehören Pausen. Sie verzögern das Lernen nicht, sondern sorgen dafür, dass man konzentriert bleibt und gut vorankommt. Zwanzig Minuten ist ein Kind im Grundschulalter längstens in der Lage, sich zu konzentrieren. Dann aufstehen, sich bewegen, ein Glas Wasser trinken, frische Luft schnappen. „Kinder haben normalerweise ein gutes Gespür dafür, wann sie eine Unterbrechung brauchen“, ist die Erfahrung von Astrid Brüggemann. „Seilspringen eignet sich hervorragend für die Pause. Nach einer Weile ist man fast froh, wieder weiterzulernen. Wichtig: Nach zwei bis fünf Minuten sollte die Pause beendet sein, damit die Konzentration nicht wieder auf null sinkt. Außerdem haben die Kinder sonst schnell keine Lust mehr weiterzumachen“, erklärt die Expertin.


Lerntechniken nutzen
Wer sich mit Lerntechniken vertraut macht, kann sich vieles deutlich besser einprägen. Sieben kleine Einheiten kann sich unser Gehirn auf einmal merken, deshalb ist es wichtig, kleine Häppchen zu bilden. Wer sich selber Merksätze überlegt, hat gute Chancen, den Stoff zu behalten. Zahlenreihen kann man sich merken, indem man sie in eine Geschichte einbaut. Eltern können in die Schülerrolle schlüpfen und sich von ihrem Kind das Gelernte erklären lassen. Auch das hilft beim Einprägen.
Astrid Brüggemann hat auch einen Tipp für Vokabeln, die nicht gleich hängenbleiben: „Das Gehirn sucht immer nach schon Vernetztem. Es sind dieselben Synapsenverbindungen, die feuern, wenn ich von einem deutschen „Tisch“ oder einem englischen „table“ spreche. Das bedeutet, „table“ ist für das Gehirn ein Synonym für „Tisch“. Das kann man sich zunutzemachen, indem man sieben Sätze bildet, bei denen man die neue Vokabel einbettet. Zum Beispiel: Den table habe ich im Möbelhaus gekauft. Ich decke jetzt den table ....“


Pflichtaufgabe: Spickzettel
„Wer sich in der Prüfungsvorbereitung etwas Gutes tun will, schreibt einen Spickzettel“, sagt Lerncoach Astrid Brüggemann. Natürlich nicht, um ihn zu verwenden, sondern um den Stoff strukturiert zu wiederholen. Sich kleine Zusammenfassungen zu machen, ist eine fantastische Lernstrategie. Denn dabei wendet man gleich einige Lerntechniken an, die gehirngerecht sind. „Zunächst muss man sich einen Überblick schaffen, was muss ich wissen, was gehört dazu. Dabei wiederhole ich, das ist eine wichtige Lernstrategie. Und dann schreibe ich es auch noch auf, das ist ebenfalls eine wichtige Lernstrategie, weil dabei mehr hängenbleibt als beim Durchlesen. Diese Zusammenfassung kann als kleines Schaubild oder als Mind-Map (Gedächtniskarte) gestaltet werden. Am besten gehirngerecht mit Farben und übersichtlich gegliedert“, erklärt Astrid Brüggemann.


Digitale Medien – aber an der richtigen Stelle!
Wenn die neueste Nachricht aus dem Klassenchat während der nachmittäglichen Lernzeit per Messangerdienst einläuft, ertönt ein kurzes bling, ebenso wie bei den acht schnell darauf folgenden Reaktionen der Mitschüler. „Für unser Gehirn ist diese Ablenkung jedesmal wie eine kleine Belohnung, deshalb haben wir das auch so gerne. Fürs Lernen ist die Ablenkung aber kontraproduktiv. Sie stört die Konzentrationsfähigkeit extrem. Deshalb Handy in den Flugmodus und alle digitalen Ablenker ausschalten“, stellt Astrid Brüggemann klar. Außerdem nach dem Lernen zwanzig Minuten verstreichen lassen, bis man wieder an den Rechner geht. Das Gelernte muss sich erst festigen.
Digitale Medien können aber auch beim Lernen helfen. Viele Kinder finden es sehr motivierend, mit Lernapps oder Lernprogrammen am Tablet das Trennen von Wörtern oder das kleine Einmaleins zu üben. Lernplattformen wie „Scoyo“ oder „Sofatutor“ bieten den kompletten Stoff eines Schuljahres in ansprechender digitaler Form als kostenpflichtiges Abo an. Das Programm „Phase 6“ hilft beim Vokabellernen. Mit der App „Schlaukopf“ kann man sich kostenlos abfragen lassen.


Autorin: Claudia Klement-Rückel
Aus: KDFB engagiert 7/2019

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