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Simbabwe in Stichworten

Simbabwe liegt im südlichen Afrika und hat keinen direkten Zugang zum Meer. Foto: WGT e.V.

Bekannt ist das Land für die Viktoria-Wasserfälle und seine Nationalparks mit wunderschöner Tier- und Pflanzenwelt. Simbabwe heißt in der Shona-Sprache „Steinhäuser“.

Lage: Das südafrikanische Land – ehemals Süd-Rhodesien und bis 1965 britische Kolonie – liegt zwischen Mosambik, Botswana, Sambia und Südafrika. Simbabwe, etwas größer als Deutschland, hat keinen Meereszugang.

Klima: Subtropisches bis tropisches Klima mit Trocken- und Regenzeit (November bis März). Wetterextreme führen zu Dürreperioden, Überschwemmungen und Erdrutschen. Auch der Zyklon „Idai“ im März 2019 mit über 300 Toten traf das Land hart.

Bevölkerung: Die größten Bevölkerungsgruppen der rund 14 Millionen Einwohner sind Shona (70 Prozent) und Ndebele (20 Prozent). Ein Prozent wird als „weiß“ bezeichnet. Rund vier Millionen SimbabwerInnen leben im Ausland, viele davon in Südafrika. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 61 Jahren. Hunger, eine schlechte Gesundheitsversorgung, Arbeitslosigkeit, Korruption, eine desaströse Wirtschaftslage, Wasserknappheit und Stromausfälle erschweren der Bevölkerung das Leben.

Hauptstadt: Harare mit rund 1,6 Millionen Einwohnern

Staatsform: Präsidentielles Regierungssystem

Präsident: Seit 2017 ist Emmerson Mnangagwa an der Macht, ein Parteifreund des verstorbenen Diktators Robert Mugabe, der von 1987 bis 2017 regierte. Seit der Wahl 2013 regiert allein die Partei ZANU-PF.

Währung: Im Juni 2019 wurde offiziell der Simbabwe-Dollar eingeführt. Er ersetzt RTGS-Schuldscheine (ehemaliger Wechselwert: Ein US-Dollar entsprach etwa 3,50 RTGS). Die Verwendung ausländischer Währungen wurde untersagt.

Sprache: 16 gleichberechtigte Amtssprachen. Am weitesten verbreitet sind Shona, Ndebele und Englisch.

Religion: Rund 90 Prozent sind Christen, davon sind zehn Prozent katholisch. Außerdem werden Ahnenkulte praktiziert.

Erwerbstätigkeit: Knapp 70 Prozent arbeiten in der Landwirtschaft, 25 Prozent im Dienstleistungsbereich, 5 Prozent in der Industrie. 80 bis 90 Prozent haben keinen formalen Arbeitsplatz, vor allem Frauen sind mehrheitlich selbstständig als informelle Händlerinnen und offiziell nicht arbeitslos gemeldet. Von den angestellten Beschäftigten sind 48 Prozent Frauen.

Bildung: Simbabwe hatte in den 1990er-Jahren mit 91 Prozent die höchste Alphabetisierungsquote in Afrika, aber durch die anhaltende Wirtschaftskrise ist diese auf 86,5 Prozent gesunken. Die staatlichen Schulen verlangen Schulgeld. Viele Eltern können es sich heute nicht mehr leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Gesundheit: Durch die Wirtschaftskrise gibt es Versorgungsprobleme im Gesundheitssektor. Krankenschwestern und ÄrztInnen streikten 2019 mehrmals, unter anderem wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der geringen Gehälter. HIV/Aids ist in Simbabwe ein großes Problem. 13 Prozent der Bevölkerung sind HIV-positiv. Das entspricht 1,3 Millionen Menschen, davon sind 740.000 Frauen betroffen. Es gibt viele Aidswaisen, die von Großmüttern oder Tanten versorgt werden.

Geschichte:

50.000 bis 100 v. Chr.: Vorfahren der San (Buschleute) leben in der Region. Ihre Felsbilder zeigen eine gut entwickelte Viehzucht und Töpferei.

13. bis 15. Jhd.: Zeit des Großreichs Simbabwe. Weberei und Töpferei entwickeln eine außerordentliche Qualität. Das Großreich handelt unter anderem mit Elfenbein, Gold und Hirse.

1888: Der englische Minen-Magnat Cecil Rhodes erwirbt mit unlauteren Methoden Schürfrechte. Er wird Namensgeber der späteren Kolonie Rhodesien.

1890: Rhodes bringt die unabhängigen Reiche verschiedener Völker unter britische Herrschaft.

1896/97: Im ersten Befreiungskrieg (Chimurenga) kämpfen Ndebele und Shona gegen die weiße Vorherrschaft.

1911: Teilung in Nordrhodesien (ab 1964 Sambia) und Südrhodesien (Simbabwe).

1923: Südrhodesien wird britische Kronkolonie.

1931: Ein Landgesetz teilt das Land in schwarze Reservate und weiße Siedlungsgebiete.

1966: Beginn des zweiten Befreiungskrieges (Chimurenga) gegen das weiße Regime, bei dem Frauen eine herausragende Rolle spielen.

1979: Die Guerillagruppen der Befreiungsbewegungen und die rhodesischen Truppen treffen sich in London zu Friedensverhandlungen, die mit dem Lancaster-House-Abkommen enden. Für zehn Jahre hat die weiße Minderheit ein Mitsprache- und Vetorecht.

1980: Die ersten freien Wahlen finden statt. Robert Mugabe wird Premierminister. Am 18. April wird Simbabwe unabhängig.

1983: Den als „Gukurahundi“ bezeichneten Massakern fallen bis 1987 mindestens 20.000 Menschen zum Opfer. Mugabe wollte seine Macht sichern und setzte dafür eine in Nordkorea trainierte Spezialeinheit gegen das Volk der Ndebele ein.

2000: Eine angekündigte Landreform scheitert. Veteranen des Befreiungskampfes beginnen daraufhin mit gewaltsamen Landbesetzungen. Mugabe reagiert mit Enteignungen im Schnellverfahren.

2008: Die Wirtschaft liegt am Boden. Der Simbabwe-Dollar ist wertlos, die Läden sind leer. Devisen fehlen für den Import. Es beginnt eine bis heute anhaltende massive Abwanderung.

2017:  Emmerson Mnangagwa putscht mit Hilfe des Militärs gegen Robert Mugabe, nachdem dieser ihn als Vizepräsident und Minister entlassen hatte, und wird Präsident. Robert Mugabe (2019 verstorben) war 37 Jahre an der Macht.

2018: Emmerson Mnangagwa gewinnt die Wahlen.

2019: Die Wirtschaft erreicht einen neuen Tiefpunkt. Es kommt im Januar zu Unruhen mit bis zu 17 Toten, nachdem die Regierung die Benzinpreise mehr als verdoppelt hatte.

 

Autorin: Karin Schott
aus: KDFB engagiert 1+2/2020

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