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Shalom - Salam - Frieden

Rotraut Röver-Barth pflegt die Freundschaft mit Naima und Anis, die aus Algerien stammen. Foto: Marlène Meyer-Dunker

Die Initiative FriedensFinderinnen vernetzt Frauen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, die sich für ein besseres Miteinander einsetzen. KDFB-Diözesanvorsitzende Rotraut Röver-Barth ist überzeugt: Persönliche Begegnungen sind für ein friedliches Zusammenleben unverzichtbar.

In den vergangenen Wochen stand bei Rotraut Röver-Barth das Telefon nicht still. Am anderen Ende der Leitung meldeten sich Frauen mit Migrationshintergrund aus Syrien, Algerien und der Türkei. „Sie wollten wegen der Corona-Krise für mich einkaufen“, berichtet die Kölner KDFB-Diözesanvorsitzende. Diese Angebote zur Unterstützung sind Ausdruck tiefer Verbundenheit.

 

Begegnungsreise vor der Haustür

 

Begonnen hat alles vor etlichen Jahren: Als die Frauenbundfrau in einer Kölner Altbauwohnung lebte, wohnten in ihrem Haus auch zwei türkische Familien. Doch sie, die damals noch Deutschlehrerin am katholischen Ursulinengymnasium war, kam einfach nicht in Kontakt mit den Familien. „Da habe ich begonnen, Türkisch an der Volkshochschule zu lernen. Das veränderte alles. Plötzlich wurde ich eingeladen, bekam Gebäck gebracht, und es entstand eine herzliche Nachbarschaft.“ Für Röver-Barth beginnt eine Begegnungsreise, die sie bis heute lebt. Ehrenamtlich unterrichtet sie Deutsch im Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen in Köln. Sie hilft bei Bewerbungen, hat Flüchtlingspatenschaften übernommen und gibt russischen Jüd*innen Sprachunterricht.

So sind über die Zeit tragfähige Freundschaften mit Menschen aus anderen Kulturkreisen und Religionen entstanden. Auch zu einer Familie aus Algerien und einer aus Syrien hat sie intensiven Kontakt. „Ich bin im Großmutteralter. Die Eltern schätzen es sehr, wenn ihre Kinder Beziehungen zur älteren Generation haben können.“ Weihnachten und Ostern lädt sie die Familien zu sich ein. „So wachsen die Kinder auch in unsere Kultur hinein. Und mit den Eltern ergeben sich Gespräche über unsere Religionen. Zum Beispiel über die Rolle von Maria im Christentum und im Islam. Mich bereichert das sehr“, erzählt sie.

 

Der wertschätzende Blick auf Frauen anderen Glaubens

 

Im Laufe der Zeit hat sich vieles bei Rotraut Röver-Barth entwickelt. „Ich denke über manches anders. Zum Beispiel bin ich beim Thema Kopftuch entspannter. Seit ich beim Bewerbungstraining gesehen habe, wie sozial engagiert gerade viele Frauen mit Kopftuch sind, habe ich mir oft gedacht, was für ein Schatz wäre diese Frau für das Krankenhaus, bei dem sie sich bewirbt... Die würde ich gern anstellen.“

Damit Frauen wie Rotraut Röver-Barth ihr Wirken auch auf Verbandsebene fruchtbar werden lassen können, ist die Initiative FriedensFinderinnen entstanden. Hervorgegangen ist sie aus einer Veranstaltung beim Katholikentag 2018, bei der Frauen aus Judentum, Islam und Christentum sich austauschten. Während offizielle interreligiöse Begegnungen meist sehr männlich geprägt sind, wollen die FriedensFinderinnen den Raum öffnen für Begegnungen zwischen Frauen verschiedener Religionen. Bei einem interreligiösen Frauenempfang in Köln Anfang März kamen Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam zusammen. Die Frauen gedachten gemeinsam der Opfer von Hanau, sangen Lieder aus allen drei Religionen und suchten gemeinsam Antworten auf die Fragen: Welche Herausforderungen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, gibt es? Was können wir miteinander tun? Was ist mein nächster Schritt?

 

aus: KDFB engagiert 5/2020
Autorin: Claudia Klement-Rückel

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