KDFB

Katholisch in Chemnitz

KDFB-Frau Katharina Leis ist im Frauenbund in Chemnitz aktiv. Foto: privat

KDFB-Frau Katharina Leis ist in Dresden aufgewachsen und in Chemnitz beheimatet. Katholisch sein – das gehört für sie zum Leben dazu.  

 

Wenn Katharina Leis in ihrer Heimatstadt Chemnitz vom Frauenbund erzählt, kommt ihr Gegenwind entgegen – auch bei jüngeren Menschen. Sich als Frau und Christin zu engagieren in einem katholischen Verband, gegründet in Köln – das wirkt für viele immer noch befremdlich. Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung braucht es Impulse, um die Verbindung zwischen Menschen in Ost- und Westdeutschland zu beleben. Davon ist die 54-Jährige überzeugt. Sich gegenseitig zuzuhören, die verschiedenen Lebenswege von Frauen zu würdigen, hält sie für unentbehrlich. „Da ist noch viel Kennenlernpotenzial da.“

 

„Ich genieße es, im Frauenbund willkommen zu sein“

 

Zum Frauenbund kam Katharina Leis vor acht Jahren, als sie die damalige KDFB-Vizepräsidentin Hildegard König kennenlernte, die an der TU Dresden Kirchengeschichte lehrt. „Ich tue mich bis heute schwer, mich einer gesellschaftspolitischen Partei zuzuordnen“, bekennt Leis. „Der Frauenbund hingegen ist keine Partei, sondern eine christliche Gemeinschaft und eine gute Ebene, um sich auszutauschen – mit Frauen verschiedener Generationen und unterschiedlichem beruflichen Hintergrund. Er erlaubt uns, Fraueninteressen zu bündeln, und bietet uns ein Podium, um kirchenpolitisch die Stimme zu erheben. Ich genieße es, da willkommen zu sein.“ Mittlerweile engagiert sich Katharina Leis nicht nur in der etwa 15-köpfigen Chemnitzer Frauenbundgruppe, sondern auch in der Gesellschaftspolitischen Kommission des KDFB-Bundesverbandes.

 

„Der Glaube war wichtiger als die Möglichkeit zu studieren“

 

Den Mauerfall erlebt sie als großen Aufbruch. Endlich ist es ihr möglich zu studieren. Dazu hatte sie zu DDR-Zeiten keine Chance gehabt, denn sie stammt aus einer katholischen Großfamilie, die Westkontakte pflegte und sich offen zum Glauben bekannte. Ihr Vater war Mitglied der Gemeinschaft Christlichen Lebens, einer jesuitischen Laienorganisation, in der sich die Familie bis heute beheimatet fühlt. Katharina Leis, das fünfte von sechs Geschwistern, lernt Krankenschwester, statt zu studieren. „Ich habe das damals nicht als Nachteil erlebt“, sagt sie. „Das hat zu dieser Gradlinigkeit gehört, die mein Elternhaus verkörpert hat. Der Glaube war wichtiger als die Möglichkeit zu studieren.“ Zur Ausbildung als Krankenschwester gehört auch eine militärische Schulung – mit Schießübung. Katharina Leis weigert sich zu schießen. Die Konsequenz: Ihr Abschluss wird nicht anerkannt, obwohl ihre Leistung mit „Sehr gut“ bewertet wird. „Meine Eltern haben mir damals geholfen, meinen Weg zu finden“, erinnert sie sich. „Sie haben mir gesagt, du kannst das Schießen nachholen, ohne die Familie zu verleugnen. Und dann habe ich es so gemacht.“

 

Turbulente Jahre nach der Wende

 

Nach der Wende startet Katharina Leis durch: Sie absolviert berufsbegleitend eine Ausbildung zur Ehe-, Familien- und Lebensberaterin im Bistum Würzburg und wird Lehrerin für Initiatische Schwertarbeit  – ein friedlicher Weg zur Selbsterkenntnis. Bis heute ist die 54-Jährige in diesen Berufsfeldern tätig. Ihr Mann studiert nach der Wiedervereinigung Elektrotechnik und ist heute Geschäftsführer eines Unternehmens. Die Neunzigerjahre sind turbulent für beide. „Wir haben vier Kinder, drei sind noch vor der Wende geboren. Wir haben ein Haus gebaut, ich hatte einen Arbeitsvertrag beim Bistum und habe zusätzlich in der Pflege gearbeitet, weil das Geld damals nicht reichte.“ Dem kirchlichen Leben ist Katharina Leis die ganze Zeit über verbunden geblieben, auch wenn ihre Kinder der Institution Kirche sehr kritisch gegenüberstehen und Reformen vermissen. „Darüber gibt es sehr viele spannende Gespräche, wenn wir alle beieinander sind. Da geht es um Werte und Ethos, und es entsteht ein intensiver Austausch.“

 

 

aus: KDFB engagiert 10/2020
Autorin: Eva-Maria Gras