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Jutta Speidel: Verein „Horizont“

Preisträgerin Jutta Speidel (2. von links) mit KDFB-Landesvorsitzender Emilia Müller, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Sozialministerin Kerstin Schreyer. Foto: Bardehle

Einen Ort der Ruhe und Sicherheit, ein Zuhause auf Zeit, bietet der Verein Horizont obdachlosen Müttern und ihren Kindern.

Obdachlose Kinder? Im reichen München? – Für die Schauspielerin Jutta Speidel unfassbar. Als die Mutter von zwei Töchtern einen Artikel über Kinder ohne festen Wohnsitz las, war sie tief bewegt: „Da beschloss ich, gegen dieses Problem anzukämpfen!“
Die Münchnerin gründete 1997 den Verein „Horizont“ und mietete ein ehemaliges Hotel für obdachlose Kinder und deren Mütter an. „In ihrer verzweifelten Lage sollten sie einen Ort der Ruhe und Sicherheit haben, an dem sie neue Kraft schöpfen können. Damals wie heute sind Gewalterfahrungen einer der Hauptgründe, warum sie ihr Zuhause fluchtartig verlassen und auf der Straße stehen“, erklärt Jutta Speidel.

Ein vielfältiges Angebot von Hausaufgabenbetreuung über Therapie hin zu Jobberatung

Heute ist Jutta Speidel stolz auf ihr 40-köpfiges Team, das den oft schwer traumatisierten Kindern und Müttern alle erdenkliche Hilfe bietet – von Therapieangeboten über Deutschkurse und Jobberatung bis zur Hausaufgabenbetreuung. Die 65-Jährige ist Vorsitzende der gemeinnützigen Initiative. „Im Grunde ist das eine Vollzeitaufgabe, die ich ehrenamtlich neben meiner zweiten Leidenschaft, der Schauspielerei, leiste.“ Mit gerade einmal 15 Jahren war die Münchnerin durch eine Komparsenrolle in „Pepe, der Paukerschreck“ entdeckt worden. Seitdem spielte sie unzählige Rollen in Film, Fernsehen und Theater, unter anderem die resolute Nonne Lotte in der Fernsehserie „Um Himmels Willen“.
„Meine Popularität hat sicherlich geholfen, dass die Öffentlichkeit auf das Problem von obdachlosen Kindern und Müttern aufmerksam geworden ist. Inzwischen gibt es auch schon in anderen Städten Nachahmer-Projekte, was mich sehr freut“, erklärt Jutta Speidel, die keine Gelegenheit auslässt, Spenden einzusammeln. Sie ist dabei auf die Solidarität sehr vieler Menschen angewiesen: Ihr Verein muss ein Jahresbudget von über zwei Millionen Euro aufbringen. „Das Geldsammeln musste ich lernen“, erinnert sich die Schauspielerin. „Aber mein Lebensmotto ist es, couragiert durch die Welt zu gehen – ohne ständig darüber nachzudenken, was für ein Risiko ich damit eingehe. Denn ich kann nur wachsen und lernen, wenn ich auch etwas falsch mache.“
Für Jutta Speidel ist das soziale Engagement die größte Bereicherung ihres Lebens: „Ich liebe meinen Beruf, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich in meinem Leben nichts anderes geschafft hätte als das bisschen Schauspielerei, wäre es ein verhältnismäßig kleines Leben. Jetzt habe ich ein sehr, sehr reiches Leben.“    

Autorin: Karin Schott
aus: KDFB engagiert 7/2019

 

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