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Jana Weidhaase: Projekt „We talk – Women fight violence“

Jana Weidhaase Foto: Gras

Geflüchtete Frauen bleiben in der Beratung oft im Hintergrund. Jana Weidhaase hat sich zum Ziel gesetzt, sie mit Informationen zu versorgen.

 

Jana Weidhaase ist Sozialarbeiterin und kümmert sich um Geflüchtete. Wer wie sie Ansprechpartnerin für Menschen aus Syrien, Afghanistan, Uganda ist, kennt das Bild. Meist hat man es mit Männern zu tun. Es sind vor allem Männer, die die Beratung aufsuchen, um entscheidende Fragen zu klären: Unterkunft, Asylverfahren, Bleibeperspektive. „Es sind die harten Fakten, die da zur Sprache kommen“, sagt Weidhaase.
Die Frauen und Kinder, die mit den Männern ins Land gelangen, bleiben oft im Hintergrund. Auch das, was diese Frauen für sich und ihre Kinder an Hilfe benötigen. „Viele Organisationen machen die Erfahrung: Es ist superschwer, an die Frauen heranzukommen. Dabei sind sie oft entscheidend für das Wohl der Familie“, sagt Weidhaase.
Frauen, die ihre Heimat verlassen, die eine gefährliche Flucht auf sich nehmen, um Deutschland zu erreichen, wo sie oft monate- oder gar jahrelang in Gemeinschaftsunterkünften leben und sich dort möglicherweise immer noch bedroht fühlen: Das ist Jana Weidhaases Lebensthema geworden.
Die gebürtige Thüringerin arbeitet für den Bayerischen Flüchtlingsrat in München und hat ein Projekt ins Leben gerufen, das speziell Migrantinnen in den Blick nimmt. Es heißt „We talk – Women fight violence“  . „Es geht uns darum, Frauen zu stärken und sie und ihre Kinder besser vor Gewalt zu schützen. Denn ich habe viel Chaos und persönliches Leid in Flüchtlingsunterkünften erlebt. Es kann nicht sein, dass eine Frau Jahre später berichtet, ihr Kind sei in solch einer Unterkunft vergewaltigt worden und sie hätte sich nicht zu helfen gewusst“, sagt Weidhaase. „Die Verzweifelten und Stillen werden am wenigsten beachtet – besonders bei einem Tabuthema wie Gewalt“, ist die 36-Jährige überzeugt.


Die geflüchteten Frauen selbst stärken


Da viel zu wenige Sozialarbeiterinnen viel zu viele Geflüchtete betreuen müssten, setzt Jana Weidhaase auf die Ressourcen der Migrantinnen selbst. Sie lädt Frauen aus den Unterkünften zu Workshops ein, um sie über ihre Rechte aufzuklären. Was ist ein Trauma? Was ist Gewalt? Welche Rechte haben Kinder hierzulande? Welche Beratungsstelle leistet was? Diese Fragen werden behandelt. Ziel ist es, Migrantinnen zu befähigen, die Informationen anderen Frauen in den Unterkünften zugänglich zu machen. Und das Projekt lädt ehrenamtliche Helferinnen ein, mit den Migrantinnen Tandems zu bilden, um Projekte anzugehen. So entstehen je nach Bedarf offene Müttertreffs, Deutschkurse, Internetseiten mit einem Überblick über lokale Hilfsangebote. 20 Frauen haben die Workshops bereits durchlaufen, einige Einzelinitiativen sind gestartet. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, räumt Jana Weidhaase ein, „aber wir machen weiter.“


Autorin: Eva-Maria Gras
aus: KDFB engagiert 7/2019

 

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