KDFB

„Ich konnte mich immer auf die Frauen verlassen“

CDU-Parteivorsitzende und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Frauensolidarität – Lohngerechtigkeit – Glaube – Verantwortung – Weihe: Annegret Kramp-Karrenbauer nimmt Stellung zu den Botschaften der KDFB-Kampagne „bewegen!“. Die CDU-Parteivorsitzende und Bundesverteidigungsministerin verrät auch, was sie gerade bewegt – persönlich und politisch.

 

KDFB engagiert: Momentaufnahme: Was bewegt Sie gerade – persönlich und politisch? Und wo ist es aus Ihrer Sicht gerade jetzt besonders dringlich, politisch etwas in Bewegung zu bringen – für Frauen?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Mich bewegt zurzeit, dass es um uns herum so viele Unruheherde gibt. Regionen, in denen Armut, Terroristen und die Auswirkungen des Klimawandels die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Und dass in diesen Regionen insbesondere die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden. Die Bundeswehr setzt sich auch dafür international ein, dass die Werte, die wir in Deutschland und Europa leben, auch in anderen Regionen der Welt Standard bleiben oder werden können.

Innenpolitisch geht es mir vor allen Dingen um zwei Fragen: Zum einen, wie erhalten wir eigentlich unsere Art zu leben, unseren Wohlstand – den wir dafür brauchen, was sind die Arbeitsplätze der Zukunft, wie schaffen wir es, dass Menschen auch morgen ihre Familie gründen können und zufrieden bis ins hohe Alter leben können. Zum anderen, wie schaffen wir es auch, dass die Gesellschaft zusammenhält. Dort wo Spaltung, Hass, die Unfähigkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen beziehungsweise andere Meinungen auszuhalten, immer mehr um sich greifen, wird der Zusammenhalt in der Gesellschaft ganz schwierig. Auch hier stelle ich fest, dass die Situation von Frauen eine Rolle spielt.

Daher habe ich als Parteivorsitzende auf dem letzten Parteitag mit dafür gesorgt, dass wir eine Struktur- und Satzungskommission einrichten. Diese soll bis ins nächste Jahr hinein verbindliche Vorschläge erarbeiten, wie wir den Anteil weiblicher Mitglieder und insbesondere Amts- und Mandatsträger in der CDU so anheben können, dass Frauen auch eine entsprechende Repräsentanz haben.

 

KDFB engagiert: Gemeinsam kommt man weiter als alleine: Deshalb hat sich der Frauenbund im Kampagnenjahr 2019 dem Thema Frauensolidarität gewidmet Wann hat Ihnen Frauensolidarität in Ihrer Karriere als Politikerin geholfen – und wo haben Sie sie vermisst?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Was das Thema Frauensolidarität anbelangt, so hält sich ja das Märchen, dass Frauen nicht solidarisch sind beziehungsweise sein können. Meine eigenen Erfahrungen sind da ganz andere. Ich konnte mich immer auf die Frauen verlassen, insbesondere auf die Mitstreiterinnen in der Frauen Union. Wir haben dort vieles gemeinsam durchgekämpft, von der Mütterrente bis hin zum Quorum. Und es ist ein Netzwerk, das mehr ist als nur eine Seilschaft bis ins nächste Amt. Dort entstehen persönliche Freundschaften, und es trägt auch in schwierigen Phasen. Ich glaube, diese Art von Netzwerken unterscheidet die Frauen von den Seilschaften, die wir häufiger bei Männern sehen.

 

KDFB engagiert: Welche Rolle spielt der christliche Glaube in Ihrer Art, politisch zu handeln? Wann hat er Sie entscheidend beeinflusst?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Der Glaube ist für mich etwas sehr Persönliches. Er ist zugleich etwas sehr Forderndes, weil er eine Richtschnur darstellt und damit die Einsicht verbunden ist, dass man allzu oft im Alltag und in seinem Handeln dieser Richtschnur nicht gerecht wird.

Als Politikerin spiegelt sich für mich der Glaube insbesondere im C in unserem Parteinamen und im christlichen Menschenbild wider. Das bedeutet, einen Menschen so zu nehmen, wie er ist – mit all seinen positiven, aber auch negativen Dingen – und ihm etwas zuzutrauen. Aber eben auch zu sehen, dass er auf die Gemeinschaft bezogen ist, diese braucht, und – wenn es darauf ankommt – diese Gemeinschaft auch für ihn da ist. Vor allen Dingen aber sagt dieses christliche Menschenbild, dass jeder Mensch seine ihm eigene Würde hat und dass diese Würde unantastbar ist. Das muss sich in der Politik jeden Tag widerspiegeln.

 

KDFB engagiert: Die Frage der Lohngerechtigkeit bewegt den Frauenbund seit seiner Gründung. Für viele Frauen in Deutschland liegt das Ziel „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ jedoch immer noch in weiter Ferne. Wo sehen Sie den wirksamsten Ansatz, um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu überwinden?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist ein absolut richtiges Ziel und eines, das mit einer einzigen Maßnahme alleine nicht zu erreichen ist. Auf der einen Seite haben wir einen großen Unterschied in der generellen Bezahlung von typischen „Frauen- und Männerberufen“. Dagegen kommt man nur an, wenn mehr Frauen den Schritt in vermeintliche „Männerberufe“ wagen und wir gleichzeitig dafür sorgen, dass typische „Frauenberufe“ – das sind oft Tätigkeiten mit und für Menschen im Dienstleistungssektor – auch besser bezahlt werden.

Zum anderen stellen wir fest, dass selbst dort, wo Männer und Frauen in gleicher Tätigkeit sind, Männer beispielsweise schneller befördert werden, anders Karriere machen und somit durchschnittlich besser bezahlt werden. Neben staatlichen Unterstützungsangeboten wie Betreuungsanspruch, Elternzeit und vieles mehr ist auch das selbst­bewusste Einfordern notwendig, etwa dort, wo Gehaltsbestandteile selbst ausgehandelt werden. Hier müssen wir Frauen noch mehr unterstützen und zu mehr Selbstbewusstsein ermutigen.

 

KDFB engagiert: Der Frauenbund setzt sich für eine partnerschaftliche Kirche und einen gleichberechtigten Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche ein. Welchen Standpunkt vertreten Sie in der Frage der sakramentalen Weihe von Frauen?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Ich bin eine Verfechterin davon, dass Frauen in der Kirche sehr viel mehr Aufgaben und Verantwortung übernehmen können – auch im sakralen Bereich. Am Ende wünsche ich mir auch, dass Frauen Priesterinnen werden können. Ein erster guter Schritt wäre die Weihe von Diakoninnen.

 

KDFB engagiert: Der Frauenbund sieht sich in der Verantwortung, seinen Teil zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen. Jede Frauenbundfrau ist aufgerufen, ihr Konsumverhalten zu überdenken. Inwieweit schaffen Sie es als Spitzenpolitikerin, enkelverträglich zu leben? Und was ist Ihrer Ansicht nach nötig, um breite Kreise der Gesellschaft zu motivieren, sich klimafreundlich zu verhalten?

Annegret Kramp-Karrenbauer: In meinem Berufsalltag ist es nicht immer einfach, enkelgerecht zu leben. Das beginnt bereits bei der Mobilität. Ich muss sehr häufig das Flugzeug benutzen, fahre ein besonders geschütztes Fahrzeug. Aber dort, wo ich privat unterwegs bin, versuche ich bewusst, in meinem Konsumverhalten der Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Das heißt konkret, ich achte auf die Qualität der Lebensmittel, regionale und saisonale Produktion sowie Tierwohl-Zertifikate. Zudem versuche ich, in meinem eigenen Garten Naturnahräume zu schaffen. Alles im kleinen Maße, aber jeder kleine Baustein, den man selbst dazu beitragen kann, ist ein zusätzlicher Baustein und besser, als nichts zu tun.

 

KDFB engagiert: Welchen Rat können Sie dem Frauenbund mit auf den Weg geben, um im Rahmen seiner auf drei Jahre angelegten Kampagne Politik und Gesellschaft zu bewegen?

Annegret Kramp-Karrenbauer: Der Frauenbund ist mit guten Kampagnen sehr erfahren, daher benötigt er keinen Ratschlag von mir. Ich glaube aber, dass es immer gut und wichtig ist, wenn man im Rahmen von Kampagnen sehr unterschiedliche Gruppen zusammenbringt – auch diejenigen, die andere Meinungen haben. Und dass man insbesondere einen roten Faden hat, den man konsequent beibehält und durchzieht. Nur so kann eine Kampagne am Ende auch den Erfolg bringen, den man sich erwünscht.

           

Interview: Eva-Maria Gras
aus: KDFB engagiert 1+2/2020