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Die Ungeduld der frühen Christen

Ein Zeichen der frühen Christen: der Ichthys-Fisch. Bild: wikimedia

Darum, Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie, bis Frühregen oder Spätregen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein; macht eure Herzen stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor. Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern, damit ihr nicht gerichtet werdet! Seht,der Richter steht schon vor der Tür.  (Jak 5,7-9)

 

Ungeduldig wartete die frühe Kirche auf die Wiederankunft Christi. Als sie sich hinauszögerte, wurde das Durchhalten schwer. Hatte man sich im Schwung der ersten Begeisterung in der Gemeinde auch über die sozialen Grenzen hin zusammengefunden, so wurde es auf die Dauer anstrengend, miteinander zu leben. Ja, die Unterschiede und die unterschiedlichen Meinungen traten langsam wieder zutage. In genau dieser Situation, in der sich die Risse und Gegensätze in der Gemeinde zeigen, mahnt der Jakobusbrief: Haltet aus, klagt nicht übereinander. Das kann heißen: Klagt einander nicht an vor der Gemeinde. Nicht ihr habt den anderen zu beurteilen, sondern Christus wird das tun. Haltet geduldig aus – das kann auch übersetzt werden: Seid langmütig, großherzig, macht euer Herz, euren Mut, eure Lebens- und Liebeskraft groß und weit. Seid offen für das Neue. Entspannt euch! Sprecht einander nicht die Rechtgläubigkeit ab. Denn die anderen suchen nur andere Wege als ihr, mit dem gleichen Ziel. Das, was ihr von Herzen ersehnt, wird kommen, im Namen des rettenden Richters, des barmherzigen Herrn.

Lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden

Was können wir also aus dieser Bibelstelle für unsere Adventszeit, hier und heute – und zumeist nicht besonders entspannt, sondern reichlich eingespannt und angespannt – lernen? Das Schwerste und das Leichteste zugleich: Denn nehmen wir diese Sätze aus dem Jakobusbrief ernst, dann können diese Zeilen Entspannung bedeuten für all unsere Aktivitäten. Leicht ist das wahrlich nicht umzusetzen, dagegen stehen fremde und vor allem eigene Erwartungen! Doch die biblische Mahnung kann uns helfen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, Wertigkeiten neu zu setzen. Das kann erleichtern, das kann befreiend sein.

Wir müssen nicht richten und recht haben

Im Advent geht es um eine erneuerte Erfahrung der Nähe Gottes, und genau diese Nähe Gottes ist nicht davon zu trennen, wie ich mit meinen Nächsten umgehe! Bewerte ich sie, werte ich sie ab, wenn sie anderer Meinung sind, suche ich nach Fehlern?

Haben wir Geduld miteinander! Entspannen wir uns. Nicht wir müssen richten und recht haben, nicht wir müssen alles leisten. Wir können, wir sollen, wir dürfen uns öffnen für das Neue und Unerwartete, wir können vertrauen auf die Nähe dessen, der nie gesehene Wege weist. Öffnen wir uns, machen wir unser Herz, unseren Mut, unsere Lebens- und Liebeskraft groß und weit!

 

Dorothee Sandherr-Klemp,
Geistliche Beirätin des KDFB-Bundesverbandes

aus: KDFB engagiert 12/19

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