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Dankbarkeit spüren – aber wie?

An Erntedank schmücken die Früchte des Feldes in leuchtenden Farben die Altäre. Foto: Chrisvomberg/Wikipedia

Danken und loben – darum geht es im Christentum, wenn Gläubige versuchen, sich auf Gott hin auszurichten.

In den Psalmen findet sich bereits die Verknüpfung: „Den Herrn sollen preisen, die ihn suchen“ Ps 22,27, oder „Bring Gott als Opfer dein Lob“ Ps 50,14 und „Wer Opfer des Lobes bringt, ehrt mich“ Ps 50,23. Im Gottesdienst feiern Christen die Eucharistie. Das aus dem Griechischen stammende Wort ist zusammengesetzt aus „eu“ für gut und „charis“ für Freude, Gnade, Dankbarkeit. Der Erntedankgottesdienst verweist durch den Altarschmuck auf diesen Zusammenhang. Tiefrote Tomaten, leuchtend orange Rüben, vielfarbige Äpfel, glänzend weißer Blumenkohl und eine goldene Krone, aus Ähren geflochten – eine Augenweide.

Was denken Sie beim Anblick der schön drapierten Lebensmittel?

Sprechen sie innerlich: „Oh Herrgott, danke für all das!“ Oder: „Ach Gott, ich weiß noch, als wir nach dem Krieg um jede Kartoffel froh waren!“ Wie lange können Sie in dieser Haltung des Dankens bleiben? Stören nicht schnell andere Überlegungen Ihren Dank? Verwandelt er sich eventuell sogar in ein Zweifeln und Klagen? Dann kann ein Satz aufsteigen wie: „Welcher Überfluss! Wir haben einfach von allem zu viel!“ Oder: „Wir in Europa haben fast alle zu viel, andere hungern! Dürfen wir so überhaupt vor Gott treten?“ Oder auch: „Diese Massenproduktion! Zerstören wir damit nicht Gottes Schöpfung? Und gleichzeitig wird so viel weggeworfen!“ Wer gerade gegen überflüssige Pfunde kämpft, – rund zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen sind derzeit in Deutschland übergewichtig – wird beim Anblick von Nahrung leicht in ein Grübeln kommen, das wenig mit der Haltung von Dankbarkeit zu tun hat.

An Erntedank wird besonders deutlich, dass es nicht einfach ist, dankend vor Gott zu treten 

Der Benediktiner David Steindl-Rast, der sich viel mit dem Thema „Dankbarkeit als spiritueller Weg“ beschäftigt hat, kennt den Grund: „Wenn ich zugebe, dass etwas ein Geschenk ist, dann gebe ich auch meine Abhängigkeit vom Geber zu.“ Und: „Wenn ich ein empfangenes Geschenk anerkenne, dann erkenne ich das Band an, das mich an den oder die Gebende bindet. Aber wir neigen dazu, die Verpflichtungen zu fürchten, die sich aus dieser Bindung ergeben.“

Spirituelle LehrerInnen wissen und wussten, dass die Verbindung zu Gott, die aus Dankbarkeit für das Leben entsteht, oft erst durch Wahrnehmungsübungen entwickelt werden muss. David Steindl-Rast empfiehlt zum Beispiel, die dankbare Aufmerksamkeit zu fördern, indem man sich an jedem Tag auf einzelne Sinneswahrnehmungen konzentriert. „Heute wird, sagen wir, dankbar auf Gerüche geachtet; morgen auf Farben und Formen; übermorgen auf Geräusche“, schlägt er vor.

Eine wichtige spirituelle Übung war für den Heiligen Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens, jeden Tag einen Rückblick zu halten. Seine Nachfolger haben diese Übung, die auch als „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ bekannt ist, für die heutige Zeit in Stichworten auf Scheckkartenformat zusammengefasst. Im Zentrum, der Dank: Still werden. Den Atem spüren. Mich in Gottes Gegenwart stellen. Gott um einen ehrlichen Blick bitten. Auf den Tag schauen. Dort verweilen, wo ich angesprochen bin. Dank für alles, was gut war. Bitte um Verzeihung für alles Ungute. Meine Pläne für morgen Gott anvertrauen. Vaterunser beten.


Autorin: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 

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