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Claudia Burmeister: Projekt „waagnis“

Claudia Burmeister, Foto: Petra Homeier

Essverhalten prüfen, Schönheitsideale hinterfragen, Mädchen stärken. Das leistet Claudia Burmeister in der Beratungsstelle für Essstörungen.

Die Gedanken kreisen ständig ums Essen und Nichtessen? Wird das Essverhalten strikt reguliert? – Mit diesen und weiteren Fragen versucht Claudia Burmeister abzuklären, ob eine Essstörung vorliegt. Die Sozialpädagogin leitet die Beratungsstelle zu Essstörungen „waagnis“ in Regensburg. Pro Jahr beraten sie und ihre zwei Kolleginnen persönlich oder telefonisch 400 bis 500 Betroffene. Als Erstanlaufstelle weisen die Fachkräfte den Weg zu möglichen Therapien.
Claudia Burmeisters wichtigster Tipp, gerade für Mädchen und junge Frauen, die viel mit dem Smartphone im Internet unterwegs sind: „Vergleich dich nie mit jemandem, der in Wirklichkeit gar nicht so aussieht. Viele Fotos wie auf der Internetplattform Instagram oder in Zeitschriften sind nachbearbeitet und geschönt.“
Schönheitsideale kritisch zu hinterfragen, jegliches Essverhalten zu reflektieren und das Selbstwertgefühl zu stärken – all diesen Themen widmet sich die  Präventionsarbeit, die Claudia Burmeister und ihr Team an Schulen ab der siebten Klasse anbieten. „Wir beschäftigen uns mit unkonventionellen Stärken von Mädchen wie: Achte ich gut auf mich? Traue ich mich, ehrlich meine eigene Meinung zu sagen? Bin ich abenteuerlustig?“

Essstörungen haben stark zugenommen

Mädchen mit Perfektionsdrang sind oft von Magersucht betroffen – in der Beratungsstelle eine der häufigsten Essstörungen. Der Großteil der Betroffenen leidet aber an einer „Binge Eating“-Störung, eine seelische bedingte Sucht mit Essanfällen, die teilweise zu starkem Übergewicht führt. Wie auch bei der Ess-Brech-Sucht, der sogenannten Bulimie, geht es darum, Betroffene zu weiteren Hilfen zu beraten, sei es Psychotherapie, Ernährungsberatung oder Selbsthilfegruppen.
„In den vergangenen Jahrzehnten haben Essstörungen stark zugenommen“, erläutert die 61-jährige Regensburgerin. „Aber bis zu unserer Gründung vor zehn Jahren gab es in Deutschland nur ganz wenige Beratungsstellen, die ausschließlich auf Esssüchte spezialisiert waren. Trotzdem mussten wir sehr darum kämpfen und konnten zum Glück alle bürokratischen Hürden überwinden.“
Auslöser für ihr Engagement war die hohe Nachfrage zum Thema Essstörungen beim Frauengesundheitszentrum in Regensburg, das Claudia Burmeister vor 36 Jahren mitbegründet hat. „Damals war ich selbst in einer Anti-Diät-Selbsthilfegruppe, um mich mit meinem Gewicht auszusöhnen. Und dann fing ich mit Bauchtanz an! Ein toller Tipp, denn dabei werden weibliche Rundungen positiv gesehen. Inzwischen unterrichte ich seit 30 Jahren diesen Tanzstil und fange jetzt mit Tango an.“    


Autorin: Karin Schott
aus: KDFB engagiert 7/2019

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