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Arbeiten bis 67: Schaffe ich das? 

Ältere Arbeitnehmer gelten als weniger leistungsfähig. Dafür punkten sie mit hoher Allgemeinbildung, Lebenserfahrung und Sozialkompetenz. Foto: istockphoto.com/ajr_images

Fast jeder Mensch spürt es: Älterwerden ist anstrengend. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach, die intellektuelle Wendigkeit beginnt bereits mit Mitte, Ende 40, sich langsam zu verringern. Viele Menschen plagt daher die Sorge, beruflich nicht mehr mithalten zu können. Ältere ArbeitnehmerInnen gelten als weniger leistungsfähig, und Unternehmen zeigen ihnen bei der Jobsuche oft die kalte Schulter. Wer mit 55 arbeitslos wird, hat ein Problem.

Dabei haben Studien längst ergeben, dass dieser Defizitblick auf ältere ArbeitnehmerInnen falsch ist und die Arbeitsleistung der Älteren nicht pauschal abnimmt. Einbußen stehen Gewinnen gegenüber: Die Allgemeinbildung steigt mit dem Alter, die Lebenserfahrung, die Sozialkompetenz. Auch Einkommen, Bildungsstand, körperliche Fitness spielen eine Rolle – und das Engagement der Arbeitgeber: Denn auch die Ausstattung der Arbeitsplätze und Weiterbildungsangebote beeinflussen, kaum überraschend, die Leistungsfähigkeit. Das Alter allein sagt nichts über die Produktivität aus.

Arbeitswissenschaftler beklagen seit Langem, dass Unternehmen zu wenig für ihre älteren ArbeitnehmerInnen tun. Dabei verschenken sie bares Geld: Denn die Forschung weiß, dass gemischte Teams, in denen Schwung und Innovationsfähigkeit der Jüngeren mit der Expertise und Lebenserfahrung der Älteren zusammentreffen, die besten Ergebnisse bringen.

Auch Jürgen Wegge, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Dresden, verweist auf die Berufserfahrung, die der statistisch etwas höheren Lernmotivation jüngerer Arbeitnehmer gegenüberstehe. Wegge: „Es gibt einen Satz von Ursula von der Leyen, der mich mal sehr beeindruckt hat: ,Die Jüngeren laufen zwar schneller. Aber die Älteren kennen die Abkürzung!’“

Autorin:  Susanne Zehetbauer
aus: KDFB engagiert 8+9/2019

 

 

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