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Wer erhält Aufstockungsunterhalt?

Das Ehe- und Familienrecht ist kompliziert: Der Frauenbund hat deshalb eine Webseite gestartet, in der die frisch gebackene Braut Valentina mahnt: "Mädchen, mach die Augen auf, die Ehe ist kein Onlinekauf!" Die Seite bezieht sich auf der Eherechtsbroschüre des bayerischen Sozialministeriums. Darin werden zum Beispiel Begriffe wie "Aufstockungsunterhalt" erklärt. Renate Maltry, Fachanwältin für Familienrecht, München, hat an dieser Broschüre mitgearbeitet und fasst zusammen:

Nach einer Scheidung kann der geschiedene Ehegatte die Aufstockung seiner Einkünfte verlangen, wenn diese nicht ausreichen, um den in der Ehe erworbenen wirtschaftlichen Standard zu halten. Damit soll sein unmittelbarer sozialer Abstieg nach der Scheidung verhindert werden. Der Ehegatte, der das höhere Einkommen erzielt, ist unterhaltspflichtig.

Einen Anspruch auf Aufstockungsunterhalt kann im Falle einer Scheidung derjenige Ehegatte erhalten, der aus einer ihm zumutbaren Tätigkeit ein geringeres Einkommen erzielt. Aufstockungsunterhalt steht auch demjenigen Ehegatten zu, der während der Ehe die Haushaltsführung übernommen hat und erstmals wieder arbeitet. Gleiches gilt, wenn ein Ehegatte während der Ehezeit mit Rücksicht auf die Rollenverteilung in der Ehe nur eine Teilzeittätigkeit ausgeübt hat.

Der Aufstockungsunterhalt wird nach der gesetzlichen Regelung in vielen Fällen nur übergangsweise in voller Höhe ausbezahlt. Deshalb kann es sinnvoll sein, für den Aufstockungsunterhalt Vereinbarungen über die Höhe und Dauer des Unterhaltes zu treffen. Gerade wenn Ehen in jungen Jahren geschlossen werden, ist nicht absehbar, inwieweit für einen Ehegatten die künftige Rollenverteilung oder Kinderbetreuung mit beruflichen Nachteilen verbunden ist. Hier können in einem Ehevertrag Regelungen getroffen werden, die abhängig von der Dauer der Ehe die Höhe des Unterhaltes festlegen. So kann ein für beide Ehegatten zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden. 

aus: KDFB engagiert 8+9/2019