KDFB

Trost in schweren Zeiten

Gut, wer in Trauerzeiten einen Engel an der Seite hat. Foto:Herr Specht/photocase.de

Wer Menschen in Trauerzeiten begleiten will, findet beim Frauenbund die passende Schulung – seit 25 Jahren. Ein Interview mit KDFB-Projektleiterin Gertrud Ströbele.

KDFB Engagiert: Weshalb bietet ausgerechnet der Frauenbund Schulungen für die Trauerbegleitung an?

Gertrud Ströbele: Mit seinem Bildungsprogramm wendet sich der KDFB Landesverband seit Langem auch an Frauen, die sich in ihrem Leben neu orientieren wollen. Wir haben schon früh festgestellt, dass unsere Seminare häufig von Frauen wahrgenommen werden, die trauern. Sie haben ihren Mann oder ein Kind verloren. Und das ist der Auslöser, ihr Leben neu auszurichten. Wir wollen uns in unseren Studientagen und Seminaren aber nicht darauf beschränken, den Verlust in den Blick zu nehmen, sondern den Teilnehmenden einen Ausgangspunkt für eine echte Neuorientierung bieten. So entstand die Idee für die Schulung in Trauerbegleitung. 

KDFB Engagiert: Weshalb funktioniert die Begleitung ehrenamtlich?

Gertrud Ströbele: Einen lieben Menschen zu verlieren, das gehört zum Le­ben dazu. Wer selbst einmal eine solche Erfahrung gemacht hat, kann sich leichter in Trauernde hineinversetzen. Trauerbegleitung ist eine Be­gegnung auf Augenhöhe. Der oder die Trauernde soll nicht das Gefühl haben, er oder sie sei hilfsbedürftig. Sondern es geht darum, die Fähigkeit zu stärken, sich aus dem Verlust heraus selbst aufzurichten. Für diese Aufgabe bedarf es keiner In­stitution, das können ehrenamtlich Aktive leisten. Bestrebungen, die Trauerbegleitung zu professionalisieren, sehe ich deshalb kritisch. 

KDFB Engagiert: Was lernen die Teilnehmenden in der Schulung?

Gertrud Ströbele: Wir wollen Menschen befähigen, Trauergruppen zu leiten. Das können offene oder feste Gruppen sein. Denn die Erfahrung lehrt: In Zeiten der Trauer verliert man Freunde. Der alte Freundeskreis passt oft nicht mehr, wenn er aus lauter Paaren besteht. Schließt man sich hingegen einer Gruppe an, entstehen neue soziale Netze. Das entlastet im Alltag. Und wir haben festgestellt, dass gerade viele Frauen von der Heftigkeit und Dauer ihrer Trauergefühle überrascht sind. Sie denken sich, ich muss jetzt doch eigentlich schon darüber hinweg sein. Manche entwickeln Ängste, sie seien psychisch beeinträchtigt. Das kann eine Gruppe auffangen. 

KDFB Engagiert: Wie lange dauert der Kurs?

Gertrud Ströbele: Vier Wochenenden, dazwischen sind Hausaufgaben zu erledigen. Inhaltlich geht es um die Erinnerung an eigene Verluste und die Bewältigung der Trauer, es geht um Erkenntnisse über die Trauerphasen und um Handwerkszeug für die Gruppenleitung. Am Schluss gibt es ein Zertifikat.

KDFB Engagiert: Sind die Schulungen religiös ausgerichtet?

Gertrud Ströbele: Nein. Unser Angebot richtet sich nicht nur an religiös gefestigte Menschen. Aber ich biete an den Wochenenden auch eine Meditation zum Sonntag an. Wir stellen fest, dass viele Teilnehmende offen für Spiritualität sind, aber nicht wollen, dass die Ausbildung kirchlich geprägt ist. 

Interview: Eva-Maria Gras
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 11/2018